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Donnerstag, 29. Oktober 2009

Wie von Geisterhand


Ich hab mich schon immer mal gefragt, wie es sein muss, als Ghostwriter tätig zu sein. Also, Artikel, Geschichten oder gar Romane im Namen einer anderen Person zu verfassen. Viele Prominente, die auf den Zug der Mode aufspringen, greifen gern auf einen professionellen Autor zurück, anstatt wirklich selbst die Feder zu schwingen - wofür wir ihnen vielleicht auch dankbar sein sollten. Aber wie muss sich die Person im Schatten des Ruhms fühlen? Abgeschottet von Publicity, Werberummel und Kritik, die dann doch eher der "genannte" Autor einfängt?

Ich bin sicher, dass finanziell für einen Ghostwriter einiges abspringt. Schließlich müsste man doch in gewisser Weise dafür "entschädigt" werden, dass der eigene Name nicht auf dem Buchtitel/Artikel/Buchserie gedruckt steht, oder nicht? Ich glaube, das hängt vom Menschentyp ab. Nicht jeder könnte als Ghostwriter arbeiten, denn ich bin überzeugt, dass ein Großteil der Schriftsteller nicht nur Werk, sondern auch sich selbst veröffentlichen will. So ganz kann man das Ego eines Autors nicht außen vor lassen. Ist ja auch nichts Verwerfliches daran, auf seine eigene, oftmals schweißtreibende Arbeit stolz zu sein. Natürlich findet der Ghostwriter auch Anerkennung, man kann das geistige Eigentum anderer nicht einfach unter den Tisch fallen lassen. Die dicksten Lorbeeren heimsen trotzdem andere ein.

Fakt ist aber, dass es ein schwindend geringer Anteil aller Schreiberlinge da draußen wirklich in die Welt des Publizierens schafft, und ist man dann nicht sogar bereit, eine Gelegenheit wie das Ghostwriting wahrzunehmen? Nicht nur im Bereich der Fiktion ist dieses Phänomen verbreitet. Man kann sich sogar akademische Arbeiten von professionellen Ghostwritern anfertigen lassen (sollte ich vielleicht mal in Betracht ziehen :P), einige beliebte Blogs diverser Persönlichkeiten werden von anderen Leuten unterhalten, die sich nicht zwangsläufig als solche zu erkennen geben. Fiktion und Sachliteratur sind längst nicht mehr so transparent wie zu Zeiten des großen Autorenbewusstseins, und auch wenn wir nicht befürchten müssen, in eine Copyright-Anarchie mittelalterlicher Ausmaße zurückzufallen, ist doch lange nicht mehr alles so, wie es scheint.

In Sachen Fanfiction weiß ich nicht, ob es Ghostwritingfälle gibt. Ich weiß, dass es mancherorts zu Ideenaustausch kommt, woraufhin einer vielleicht auf die Idee eines anderen basierend (und hoffentlich mit Einverständnis des Ideengebers) eine Geschichte zusammenschustert. Etwas Ähnliches, wenn auch auf noch viel banalerem Level, hab ich damals in meiner Schulzeit für eine Freundin getan. Immer mal wieder Geschichten gesponnen mit Elementen, die sie drin haben wollte. Wenn ich das auf Fanfiction beziehen will, würde ich es allerdings wiederum knifflig finden, unter welchen Umständen ein solches Werk veröffentlicht werden sollte. Unter dem Namen des Ideengebers oder unter dem des tatsächlichen Schreibers?

Falls es solche gewagten Experimente in der FF-Welt gibt, sei den Praktizierenden geraten, auf der Hut zu sein. Man heimst nicht immer nur die Lorbeeren für die Arbeit anderer ein, sondern unter diesen Umständen auch deren Kritik. Was zu dem Schluss führt: doch lieber selbst schreiben, sofern man sich in der Lage dazu fühlt. Ich glaube, ein solches Werk, sei es nur ein kleines Gedicht, eine Fanfiction oder ein ganzer Roman, kann man dann mit wesentlich mehr Stolz und auch Selbstvertrauen repräsentieren. Der Autor, wie Foucault zu sagen pflegte, ist nicht etwa tot, er ist quicklebendig. Auch wenn er sich manchmal gut zu verstecken weiß.

Soviel von mir.

Stoffi

Dienstag, 27. Oktober 2009

Verbale Vermittler


Mir ist einmal mehr aufgefallen, wie verwandt mein Studienbereich mit dem Schreiben an sich ist. Ich schöpfe von Sitzung zu Sitzung neue Erkenntnisse und Perspektiven auf das Schreiben, ohne dass das Schreiben Thema ist. Fakt ist, dass das Übersetzen von Texten kein Kinderspiel ist und insbesondere im literarischen Bereich sehr viel Fingerfertigkeit abverlangt wird. Es gilt nicht nur, den Inhalt des entsprechenden Buches zu vermitteln oder stupide Zeile für Zeile in eine andere Sprache zu übertragen. Stil, Ausdruck, Metaphern, Charakterisierungen, kulturelle Implikationen...all das spielt mit ein. Und, nicht zu vergessen: Der Übersetzer kopiert nicht einfach den Stil des Autors. Absolute Loyalität zum Quelltext ist ein Ammenmärchen; als Übersetzer muss man allem voran improvisieren und kreative Lösungen finden können, wenn man textualen Schwierigkeiten begegnet. So z.B. Wortspiele oder Redewendungen, zu denen es kein Äquivalent in der Zielsprache gibt; kulturelle Andeutungen oder Fremdwörter, die der Leser nicht nachvollziehen kann.

Der Übersetzer ist in diesem Sinne nicht bloß ein Vermittler von Texten, denn das kann die berühmte Google-Maschine auch zu mehr oder eher weniger befriedigendem Ausmaß; nein, er ist in gewisser Weise selbst Autor, der seiner Arbeit einen eigenen Stil aufdrückt. Es ist leicht, sich über deutsche Übersetzungen englischer Texte zu beschweren, vieles geht zwangsläufig im Prozess der Übertragung verloren. Aber es ist in meinen Augen schlichtweg vermessen, Kritik zu üben, wenn man keinerlei Einblick in die Materie hat. Ich muss gestehen, ich bevorzuge Texte auch in ihrem Original, aber das bedeutet deswegen nicht, dass die Übersetzung dem nicht ebenbürtig ist. In manchen Fällen ist die Übersetzung sogar stellenweise besser gelöst als das Original.

In anderen Sprachen zu schreiben ist reizvoll und ich habe mich auch oft darin versucht (die meisten Sachen schmoren auf meiner Festplatte), aber richtig sattelfest und zu Hause ist man glaub ich nur in seiner Muttersprache. Daher muss ich immer ein bisschen schmunzeln, wenn in Archiven Übersetzungsbörsen aufgemacht werden und jeder behauptet, dieser Arbeit fähig zu sein. Sprachkenntnisse zu haben bedeutet nicht, dass man ein guter Übersetzer ist und mir blutet ein wenig das Herz, wenn ich sehe, mit was für einer Arroganz streckenweise mit dem Thema umgegangen wird. Mit Kritik sind manche erstaunlich schnell bei der Sache. Ist auch bequemer, als einen Blick hinter die Fassade zu werfen und sich zu fragen, warum eine Übersetzung so ist, wie sie ist.

Ich bin neulich von einer amerikanischen Leserin angeschrieben worden, die über nur geringe Deutschkenntnisse verfügt und daher Google-Übersetzer zur Hilfe genommen hat, um im Blutigen Handwerk zu lesen. Sie fragte mich, ob ich, wenn ich denn fähig dazu sei, meine eigene Geschichte übersetzen könnte, damit sie diese auch mal lesen kann. So reizvoll das auch klingt, aber mir fehlt leider die Zeit und mit Sicherheit auch die Erfahrung. Allerdings würde ich wohl eine eigene Übersetzung einer Fremdübersetzung vorziehen. Ich weiß, was ich mir bei gewissen Szenen gedacht habe und warum ich dieses oder jenes genau so formuliert habe. Und ich würde nicht wollen, dass diese Andeutungen verloren gehen. Überhaupt ist es ein schönes Gefühl, wenn man auch ein potentielles Publikum und Interessenten außerhalb deutscher Gestade hat, ohne dass man mehr machen musste als zu schreiben. Bin nicht mit dem Klingelbeutel von Haus zu Haus gezogen. Schön, dass es noch Leute gibt, die um des Lesens willen lesen, die sich so für eine Geschichte begeistern können, selbst wenn sie sie nicht hundertprozentig verstehen. Das Internet hat viele Türen aufgemacht und obwohl wir nicht immer die gleiche Sprache sprechen, ist es gut zu wissen, dass es Mittel und Wege der Kommunikation gibt. Schließlich zeigt uns der Alltag immer öfter, dass wir keine Fremdsprache sprechen müssen, um uns nicht verstehen zu können. In dem Falle hilft dann leider auch kein Übersetzer.

Meine Geschichten übersetzen...so spannend das auch klingt, aber das ist etwas, das ich momentan nicht ins Auge fassen würde. Der Arbeitsaufwand ist immens und meine Zeit ist rar, sodass ich sie doch lieber fürs Schreiben selbst investiere. Dass es umgekehrt durchaus eine erfolgreiche Praxis sein kann, aus dem Englischen (oder anderen Sprachen) zu übersetzen, hat uns wohl die Übersetzung von Lady Rheenas HdR-Fanfictions gezeigt. Ich wage keinen Trend in dieser Hinsicht vorauszusagen, aber es ist mit Sicherheit auch für einen FF-Autor toll, im Ausland gelesen zu werden. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass sich Lady Rheena damals nicht über ihre zahlreichen Reviews beschwert hat, die meines Wissens nach für sie übersetzt wurden. Man muss Fanfiction nicht in sprachlich eingeschränkten Feldern betrachten; es ist wie das Internet selbst allmählich eine Kommunikationsform geworden, die Grenzen überschreiten kann. Und das kann nur im Sinne des Erfinders sein.

Soviel von mir.

Stoffi

Montag, 26. Oktober 2009

Akzente setzen


Dass man diese Phrase auch falsch verstehen kann, durfte ich kürzlich entdecken, als mir ein Reviewtext ins Auge sprang, der in bayrischem Kauderwelsch verfasst worden war. Automatisch musste ich daran denken, dass Dia- und Soziolekte durchaus als Stilmittel in der Literatur verwendet werden, um auf geografische/soziale/temporale Herkunft entsprechender Charaktere zu verweisen. Aber ist das auch in deutscher Literatur gängig?

Im Englischen ist es durchaus beliebt, wenn ich nur daran denke, wie in "Die Farbe Lila" der afroamerikanische Südstaatenslang dominant eingesetzt wurde, oder man denke nur an "Pygmalion" und den netten Cockney-Accent. Ich entsinne mich an einen Artikel, der zurzeit des HdR-Film-Booms erschienen ist und die Sprechvarianten der einzelnen Rassen diskutiert hat, die in Mittelerde vertreten sind. Im englischen Original kann man da ja hervorragend mit regionalen Akzenten spielen, von amerikanischem Englisch bis hin zu RP war da alles dabei. Nun fragte sich der Autor, wie das wohl aussähe, würden wir ein deutsches Äquivalent in der Synchronisation benutzen. Legolas wurde da ein herrlicher Berliner Dialekt angedichtet: "Ey Frodo, ick glob', ick hör wat trapsn!" Man stelle sich das mal auf über 10 Stunden Filmmaterial vor. Ich glaub, das wäre die beste Parodie, die dem Film passieren könnte. Nun ist das natürlich in synchronisierten Filmen eine Sache. Im Original verkaufen sich Dialekte sicherlich besser, man denke nur an den Schuh des Manitu. Da werden sie aber auch effektvoll eingesetzt.

In der Literatur ist das wiederum eine andere Geschichte. Ist es erwünscht, Charakteren Dialekte anzudichten? Im Sinne von Charakterisierung sicherlich, aber wie sieht das beim Leseempfinden aus? Ich wüsste, dass es mich sehr irritieren und bald unglaublich nerven würde, wenn ich permanend dechiffrieren müsste, was der Autor von mir will oder sehr regionales Vokabular benutzt. Nein, auf Dauer würde ich so einen Text nicht durchhalten, fürchte ich. Es ist etwas anderes, wenn man jemandem informale Sprache andichtet, leichtes Nuscheln, eine Mundart oder sehr spezielle Wortwahl/-wiederholung. Bei "I woas a net" wäre ich da schon vorsichtiger. Heißt nicht, dass es ein No-Go ist, aber es sollte denke ich sparsam verwendet werden, gerade wenn man ein Publikum im Sinn hat, das nicht aus entsprechendem Sprachraum stammt. Interessant ist es, wenn man anhand des Textes herauslesen kann, aus welcher ungefähren Ecke der Autor stammt. Manche Floskeln, Wendungen oder gar grammatikalischen Eigenarten (ich sag nur "Ich bin gestanden" vs. "Ich habe gestanden") verraten dich einem aufmerksamen Leser.

Noch ist die deutsche Schriftsprache nicht völlig vermündlicht; manche bemühen sich noch um die Erhaltung des Genitivs (auch wenn ich immer mehr FFs entdecke, die einem Wegen bevorzugt einen Dativ zur Seite stellen), andere haben diese unangenehme Entwicklung in ihre Schriftsprache übernommen. Sprache entwickelt sich kontinuierlich, ist kein fixes, geschlossenes System. Nur manchmal graut mir ein bisschen davor, in welche Richtung sie sich noch entwickeln mag. Solange kein "Ey Alder" in den Bestsellerlisten erscheint, ist glaub ich noch nicht aller Tage Abend.

Den, also einen schönen Abend, wünsche ich euch trotzdem!

Stoffi

Sonntag, 25. Oktober 2009

Let's wind the clocks back a year


...um es mit den Worten des Jokers zu sagen; und nein, ich beziehe mich nicht auf die Zeitumstellung, der wir einmal mehr eine Extrastunde Schlaf zu verdanken hatten. Ich reflektiere. Heute bin ich endlich dazu gekommen, Kapitel 25 von Scar Tissue upzudaten, nachdem ich unbeabsichtigt einen Updateumlauf aussetzen musste. Und ja, was soll ich sagen, wir haben die Hälfte der Story überschritten. Das lädt doch zu einem Rückblick ein, oder nicht?

Vor einem Jahr habe ich rege an Scar Tissue geschrieben, um diese Zeit des Jahres womöglich an den Kapiteln 12/13, wenn ich mich recht entsinne. Es war eine Zeit, in der ich feste Schlagzeiten hatte, und das meine ich wörtlich. Ich kann mich nicht entsinnen, jemals produktiver (sowohl qualitativ als auch quantitativ gesehen) geschrieben zu haben. Über eine Veröffentlichung dachte ich da längst noch nicht nach; die Idee steckte zu sehr in ihren Kinderschuhen und Dark Knight war ein Genre, das ich mir noch nicht ganz zutraute, ganz zu schweigen vom Joker als Hauptcharakter. Nun, wie sich zeigt teilen andere Autoren diesen Respekt vor dem Genre nicht unbedingt und gehen weitaus weniger zaghaft zu Werke, aber das sei jedem selbst überlassen. Dann, im Januar, hab ich den Schritt gewagt und das Ding online gestellt. Dark Knight war zu der Zeit Dank DVD Erscheinung im Dezember noch in aller Munde und ein recht gut besuchtes Fandom. Die Resonanz war überwältigend, ich ging die ersten Kapitel mit nicht weniger als 10 Reviews pro Teil ins Rennen.

Natürlich konnte das nicht anhalten. Mittlerweile sind so viele Leser abgesprungen, bzw. ins Land der Stille untergetaucht, dass ich treue Leser an einer halben Hand abzählen kann. Zeiten ändern sich und auch wenn ich oft darüber gegrübelt habe, woran es denn liegt, sehe ich der Entwicklung gelassen gegenüber. Es ist meine Story und sie ist in Ordnung so wie sie ist, mit all ihren Macken und Längen. Sie ist schlüssig, sie ist episch, sie bemüht sich zumindest um Charaktertreue und -tiefe und erreicht im gegenwärtigen Updatestatus so langsam ihren Klimax. Ja, doch, mit den Kapiteln, die im Moment online kommen, bin ich mehr als zufrieden. Hundertprozentig zufrieden bin ich mit Scar Tissue nicht, aber das ist in Ordnung. Ich bin kein Perfektionist und ich strebe es auch nicht an, zufrieden zu sein. Zufriedensein heißt irgendwo ausruhen, an einem Punkt aufhören, sich zu entwickeln.

Es ist ein bisschen traurig, dass so viele sich gegen diese Geschichte entschieden haben und wohl nie das lesen werden, was mir persönlich die meiste Freude bereitet hat, die nie sehen werden, was diese Geschichte ausmacht. Weil sie zu lang(-atmig) ist? Weil sie keinen sexy Joker mit romantischen Allüren oder weichem Kern zeichnet? Oder gar weil sie Batman nicht ins Zentrum des Geschehens rückt? Weil der Stil nicht gut genug oder nicht ansprechend ist?

Weiß der Kuckuck, ich kann nicht in Leserköpfe schauen und ich habe weder Zeit noch Lust, mich länger mit Sackgassengedanken wie diesen zu befassen. Was ich sagen will: ich bin nach wie vor stolz auf Scar Tissue, mein Dark Knight Baby. Die Geschichte war für mich eine weitere wichtige Erfahrung, ein Ausflug in ein unbekanntes Territorium, eine Herausforderung. Jetzt, ein Jahr später, hat sich vieles verändert. Meine Prioritäten, meine Schreibbedingungen, mein Genre, meine stilistischen Vorlieben. Ich habe nicht aufgehört, The Dark Knight zu lieben, aber es ist über ein Jahr vergangen und es ist Zeit, weiter zu gehen. Ich habe noch einige Geschichten über den Joker in petto und werde sie sicher auch schreiben, aber alles zu seiner Zeit. Ich weiß nicht, wie ich in einem Jahr auf meine gegenwärtige Arbeit zurückblicken werde oder aber was ich dann schreiben werde. Es ist auch nicht von Bedeutung im Moment. Wichtig ist nur, dass das Schreiben Bestand hat.

Macht euch einen schönen Sonntag!

Stoffi

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Reanimation


Mit einem Auge spähe ich immer mal wieder in die Archive, in denen ich veröffentliche, um natürlich auf dem aktuellen Stand der Dinge zu bleiben, was sich in Sachen Reglement oder Neuerungen so tut. Die letzte große Veränderung gab es auf FF@OBL mit der Kategorieerweiterung, um dem Archiv neues Leben einzuhauchen. Jetzt sind schon ein paar Monde ins Land gezogen, aber viel getan hat sich nicht. Da stellt sich doch die Frage, was man als Archivleiter tun kann?

Man kann glaube ich nicht behaupten, dass es an der Beteiligung von Autoren liegt, denn wir posten recht fleißig zu diversen Schauspieler- und Filmkategorien. Was auffällt, ist, dass das Publikum nicht reagiert. War in gewisser Weise abzusehen. Um es bildlich auszudrücken: Man kann einem strengen Vegetarier nicht mir nichts dir nichts ein (blutiges) Steak vorsetzen, man kann nicht erwarten, dass er davon kostet und begeistert ist. Ähnlich verhält es sich mit der Filmkost, schwant mir. OBL war bislang ein auf Orlando Bloom konzentriertes Fanfiction Archiv, sprich, es beinhaltete FFs zu seinen Rollen als auch zur realen Person. Orlando Bloom ist im Moment aber offenbar so angesagt wie ein Schneesturm im Hochsommer, weswegen die Beteiligung von Leser- und Autorenseite her sichtlich nachließ. Es ist nur logisch, dass ein Schritt in Richtung Erweiterung unternommen werden musste und mit dem absoluten Teeniemagneten Twilight/Bis(s) hat man eigentlich mit einer regelrechten Flut an neuen Geschichten gerechnet. Aber wenn's unterm Strich zwei waren, ist das schon das höchste der Gefühle.

Autorenaktivität hängt immer in gewisser Weise mit Leseraktivität zusammen. Sicher obliegt es dem Individuum, ob es Updates bringt, selbst wenn die Leserbeteiligung absolut stagniert ist, aber wenn ein Genre nicht gut aufgenommen oder unterstützt wird, werden es Autoren künftig meiden, ihren Senf in diesem Bereich hinzuzugeben.

Ich möchte hier nicht kritisieren, denn es ist eine verzwickte Situation, aber was mir unter anderem auffällt, ist die schläfrige Mentalität des Teams. Der Ruf nach neuen Kategorien war schon Anfang des Jahres da, erst im September hat sich allmählich was getan; mehrere Autoren vermerkten, dass eine allgemeine Filmkategorie Nährboden für ihre Geschichten wäre, aber auch da hat sich das simple Hinzufügen einer Kategorie um Wochen hingezogen, die Diskussionen um ein Wettbewerbsthema hält seit Wochen an, einige sehr interessante Vorschläge kamen von den Nutzern, aber mehr als ein "Wir denken drüber nach" passiert derzeit nicht. Ich weiß, dass jeder ein Leben außerhalb des WWW hat, mir geht es doch selbst nicht anders, aber gerade wenn einen das reale Leben derart einnimmt, dass man mit den Entwicklungen im eigenen Archiv nicht mehr mithalten kann, wäre es zumindest für mich ein Grund, meine eigene Arbeit zu überdenken. Verantwortung übernehmen die Wenigsten gern, daher wird sich niemand gern um einen Posten als Admin oder Moderator oder was weiß ich reißen. Das ist mir bewusst. Aber irgendwas muss passieren, denn der Eindruck, dass alles immer mehr einschläft, verstärkt sich, und das liegt nicht immer nur an der allgemeinen Situation in den FF-Genres. Vielleicht ist das Archiv auch Opfer seiner eigenen Bürokratie geworden, wer weiß. Dass viel Arbeit dahinter steckt, so ein Ding am Laufen zu halten, ist mir bewusst, aber wenn andererseits auf klare Impulse nicht ausreichend reagiert wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis alles wieder in alte Muster zurückfällt.

Ein schwieriges Thema, wie ich finde, und um es noch einmal zu betonen: ich kritisiere hiermit niemanden. Ich überlege nur, was man machen kann, um Archive zu reanimieren. Mehr als posten kann ein Autor nicht, mehr als Lesen und kommentieren/kritisieren kann ein Leser nicht. Was also können alle übrigen Beteiligten?

Nur ein paar Gedanken zu einer Sache, die mir schon seit einer Weile durch den Kopf geht.

Macht euch einen schönen Nachmittag!

Stoffi

Montag, 12. Oktober 2009

Ausgelutscht


Es bricht diese herrlich atmosphärische Zeit zum Schreiben an, im Herzen des Herbstes, und ich bleibe nicht ganz davon verschont. Bester Ausdruck hierfür ist wohl mein neues Layout, in stimmungsvollem Orange gehalten für das kommende Halloween-Fest. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber in dieser Zeit des Jahres juckt es mir immer besonders in den Fingern. Hunderte Ideen strömen auf mich ein, von denen ich mindestens 4/5 schon im selben Moment wieder verwerfe, aber kaum eine unter ihnen ist wirklich originell.

Eine Gruselgeschichte zu schreiben, weil Halloween naht, eine Weihnachtsgeschichte für den Dezember im Sinn haben...das ist glaub ich schon eine so abgegriffene Routine, dass Ergebnisse aus solchen Gedankenspielen selten innovativ genug sind, um im Gedächtnis des Lesers kleben zu bleiben. Oder? In Sachen Film geht es mir immer so, dass ich besonders in Herbstzeiten, wenn's draußen ungemütlich und stürmisch wird, Lust hab, einen atmosphärischen oder gruseligen Film zu schauen. Neulich war Sleepy Hollow dran, The Nightmare Before Christmas liebäugelt jetzt schon mit mir. Nennt es visuelle Stimulation, aber es fördert meine eigenen mehr oder weniger kreativen Gedanken, ist irgendwie Schlüsselreiz, etwas Unheimliches zu schreiben. Letztes Jahr war das mehr als passend. Im Oktober saß ich noch fleißig an den ersten Kapiteln von Scar Tissue und das ein oder andere Element, wie z.B. die Halloweenparty hatte ich schlichtweg meiner Herbst-Laune zu verdanken.

Aber...besteht denn noch "Bedarf" für solche Geschichten? Ich meine jetzt nicht Dark Knight, sondern generell das Genre. Oder ist es schon ausgelutscht, wie im Moment so schön auf FF@OBL in Sachen Contest-Thema diskutiert wird? Schwer zu sagen. Nicht jeder Markt ist berechenbar, und die Fanfiction-Ecke erachte ich in gewisser Hinsicht als solchen; als Umschlagplatz für Fiktion. Welche Themen sind in dieser Saison in? Steht man immer noch auf Traditionelles? Ich glaube, so viele Macken die Leserwelt auch hat, aber gewisse Trends sterben allmählich aus. Die Mary-Sue ist längst nicht mehr so populär in der FF-Welt wie noch zu ihrer Sternstunde vor einigen Jahren. Natürlich ist das auch abhängig von der Zielgruppe und deren Alter und Interesse an diversen Fandoms. War gestern noch Legolas Objekt der wildesten Sue-Fantasien, ist es nun ein glitzernder Vegetariervampir.

Vielleicht ändern sich auch gar nicht die Bedürfnisse des Lesers, vielleicht verschieben sie sich auch nur. Möglicherweise ist eine Halloweengeschichte gar nicht so abwegig, man muss sie nur ins dicht gefüllte Vampirgenre schmuggeln. Oder eine herzerweichende Weihnachtsgeschichte rund um ein neues Sabberobjekt stricken. Oder aber man verzichtet ganz auf Fanfiktion und versucht sich an den Originalen. Allerdings weiß ich nicht, wie abgetragen Standardthemen wie diese dort sind. Wäre mal ein Querlesen wert, sozusagen im Sinne der Marktforschung. Bevor Fragen aufkommen - nein, ich schreibe gerade keine Halloweenstory und auch keinen Weihnachtskitsch, aber muss gestehen, dass meine Muse sich gerad von Impressionen mästen lässt. Nun ja, solange es ihr wohl bekommt, lass ich sie machen.

Viel Spaß euch, was auch immer ihr gerade schreibt :)

Stoffi

Sonntag, 11. Oktober 2009

Abgeblogt


Asche auf mein Haupt, ich vernachlässige mein kleines Plaudereckchen wirklich drastisch in letzter Zeit. Das liegt nicht daran, dass mir die Themen ausgehen oder ich nichts von der Schreibfront zu berichten hab, ich hab lediglich viel zu tun und ehrlich gesagt dieses Blögchen fast schon vergessen. Aber nein, soweit kommt's nicht; ich pflege das Dingelchen schon seit knapp einem Jahr (zumindest an diesem Ort) und bin froh, dass es wächst und gedeiht, auch wenn Leser wie auch Interessen kommen und gehen...das ist glaub ich der Lauf der Dinge; nichts bleibt auf ewig in Stein gemeißelt. Ich ertappe mich in letzter Zeit dabei, meine Updates ein bisschen schleifen zu lassen und das tut mir sehr leid. Bevor jetzt einer spekuliert und meint, das läge an der Abstinenz der Leserschaft, der irrt sich. Mir fehlt im Moment die Zeit, mich mit Updates und Veröffentlichen zu beschäftigen, weil's ja doch nicht in fünf Minuten getan ist. Alles formatieren, Reviews beantworten (haha, als ob mich das noch überfordern könnt :P) und den Zeitplan im Auge behalten. Ich muss sagen, ich habs letzten Donnerstag zwar ohnehin nicht vorgehabt, ein Kapitel zu posten (zumal ich Stormy immer noch zwei Antworten schuldig bin), aber ich hätte es wohl bei allem Herumgewusel ohnehin vergessen.

Schreibtechnisch bin ich dennoch nicht untätig. Natürlich kann ich nicht mehr so viel Zeit und Energie investieren wie noch vor ein paar Wochen, aber es ist ein entspannender und notwendiger Ausgleich für mich, den ich sehr genieße. Auf Wordcounts geb ich nichts, muss ich sagen. Ich steh nicht drauf, mich unter Druck zu setzen, wenn schon 90% meines restlichen Tages genau daraus bestehen. Robyn und Finn kommen sich allmählich näher und es ist irgendwie stimmungssteigernd, wenn sich das Wetter draußen allmählich dem im Text angleicht. Im Moment muss ich mir sogar auf die Finger klopfen, keinen Weihnachtstext zu schreiben. Schlimm ist das, es sind noch 2 1/2 Monate hin, aber der Weihnachtsflair liegt (nicht zuletzt Dank des Massenkonsums) schon in der Luft. Mich verzaubert diese Zeit immer wieder aufs Neue, weil sie schöne Assoziationen weckt. Allerdings sind Weihnachtsgeschichten genauso abgedroschen wie Schnulzen. Hilfe, ich fürchte, ich entwickle mich doch zu einem Arzt-Roman-Pseudo-Autor *hust* na ja, was solls. Wenn ich mich schon den ganzen Tag mit intellektuellem Quark herumschlage, möchte ich wenigstens in meiner Freizeit n bisschen Weichspüler haben. Was hoffentlich nicht heißt, dass es qualitativ unter aller Sau sein und vor Klischees nur so strotzen wird. Ich hab nach wie vor noch Würde in mir *lach*

Wundert euch bitte einfach nicht, wenn ich nicht mehr den strengen Rhythmus bei den Updates einhalte. Das ist nicht Absicht, sondern vielmehr Verpeiltheit meinerseits. Und ich denke, so wirklich tragisch vermissen wird mich eh keiner auf der FF-Spielwiese. Da ist ja schon seit Monaten die Luft raus. Zumindest für mich. Entweder mach ich was falsch, wenn ich seh, WAS reviewt wird und was nicht; wahrscheinlich muss ich mich da wohl angleichen...oder aber ich bin andererseits nicht gut genug und muss härter an mir feilen. Für meine Dark Knight Babies fehlt mir dafür im Moment ehrlich gesagt die Kraft. Ich investiere meine Energie nach wie vor lieber in aktuelle Projekte und ich muss sagen...auch wenn weder Scar Tissue noch das Handwerk perfekt sind, sinds doch zwei der besten Geschichten, die ich je fabriziert hab (was nicht gerade für meine noch älteren Kamellen spricht *prust*). Dass diese Ansicht ein Publikum nicht teilt, das immer noch mein Erstlingswerk für supertoll hält, ist etwas, womit ich leben muss. Wichtiger sind für mich die Maßstäbe, die ich mir selbst setze, und ich ruh mich nun mal nicht gern auf Asbach Uralt aus, sondern versuch mich zu steigern. Eine neue Geschichte ist nicht automatisch Garant dafür, aber es ist ein Anfang. Und solange man immer noch schreibt, ganz gleich, wie laut oder stark das Echo ist, hat man das eigentliche Ansinnen dieses Hobbys nicht aus den Augen verloren.

Hach ja, ein bisschen was von allem heute...aber ich wollt nur sagen, dass es mich noch gibt!
Macht euch einen schönen Sonntag!

Stoffi

Sonntag, 27. September 2009

Umgesattelt


Ich habe nach wie vor einen Heidenrespekt vor freien Werken, muss ich sagen, denn dort ist man mit massenhaft abgehandelten Schemata á la "Kam, sah, liebte" denke ich längst nicht so erfolgreich wie in der Sparte der Fanfiction, deren Rezipienten zumeist genau das suchen. Da ist Originalität gefragt und das ist alles andere als einfach aus dem Hut zu zaubern. Insbesondere wenn man besonders beliebte und stark frequentierte Genre wie Fantasy oder Romanzen betrachtet. Wie schreibt man etwas, das so noch nie da gewesen ist? Kann man so etwas überhaupt schreiben oder ist es schier unmöglich für Otto Normalverbraucher, der nicht als literarisches Genie zur Welt gekommen ist?

Fakt ist, dass so ziemlich jeder den Anspruch hat, sich von der Masse abzuheben. Stilistisch wie auch inhaltlich. Aber das ist bekanntlich leichter gesagt als getan. Völlig neue Impulse sind rar, weil sie voraussetzen, dass der Autor gegen bereits vorhandene Denkstrukturen und existente Gangarten agiert. Man kann aber nicht einfach so raus aus seiner kulturellen Haut, kann nicht einfach mit dem Finger schnippen und einen revolutionären Plot entwickeln. Ich fürchte, fast alles hat es auf bestimmte Art und Weise schon einmal gegeben; Texte unterscheiden sich lediglich in der Form ihrer Präsentation. Zumindest auf dem Gebiet der Fanfiction und bestimmten Bereichen der Freien Werke (die wenigsten Fantasy-Autoren erfinden das Rad neu, sondern greifen eher auf bereits bestehende Konstrukte von Fabelwesen zurück; wie z.B. Elfen, Drachen, Vampire, usw.) erfreuen sich bestimmte Thematiken einfach großer Beliebtheit.

Was ich mich aber seit gestern Abend frage, ist, ob es funktioniert, ein ehemaliges Fanfiction-Konzept auf freie Werke umzusiedeln, ohne dass es zu sehr nach Fanfiction klingt. Fanfiction ist für mich nichts niedrigeres oder schlechteres als Freie Werke, ich beziehe mich lediglich auf massentaugliche Aspekte, die oft mit einer Fanfiction einhergehen (Junge und Mädel kommen zusammen nach einigen langen Umwegen und jeder Menge Sex).

Die Sache ist folgende; ich habe schon seit 3 Jahren eine Idee am Start, die ich als Fanfiction begonnen habe. Mir fehlt im Moment allerdings jeglicher Hang zu einer Real Person Fanfiction, die Idee ist allerdings nach wie vor in meinem Kopf existent und ziemlich hartnäckig. Ich denke also darüber nach, die Idee auf die Freien Werke zu ziehen. Nicht in dem einfallslosen Sinne, dass ich lediglich Namen austausche und das wars, sondern halt noch mal von vorn beginne, in einem freien Setting, neuen Charakteren, etc. Allein schon aus stilistischen Gründen; drei Jahre sind ne lange Zeit in Sachen Schreiberei und ich glaube, die qualitative Lücke zwischen Ursprungstext und neuer Aufarbeitung wäre zu groß. Ich bin allerdings noch unschlüssig, ob ich es wirklich probieren sollte oder ob die Idee nicht einfach zu fanfiction-artig ist. Es ist zwar kein Kam-Sah-Liebte Konzept, aber besitzt nun auch wieder nicht die Komplexität eines noch nie da gewesenen Novums.

Vielleicht sollte ich auch noch nicht über eine Adaption alter Ideen nachdenken, solange ich meinen ersten Versuch in Sachen Freie Werke noch nicht online gepackt hab. Letztlich wird sich wohl herausstellen, dass die Sparte nicht für mich gedacht ist und ich doch eher bei Fanfictions bleiben sollte, wer weiß. Die Lust zum Schreiben ist aber nach wie vor da und ich denke, es wäre ein Projekt, was vorstellbar wäre. Lediglich ein paar Details gilt es noch zu sondieren.

At First Flight wächst. Gestern ist entgegen meiner Erwartungen Kapitel 8 fertig geworden mitsamt einem spontanen Twist, der viel Spaß in den nächsten Kapiteln verspricht. In Kapitel 9 gehts erstmalig zur Sache. Nicht im expliziten sexuellen Sinne, aber es kommt doch endlich mal zu einer konkreteren Annäherung. Zumindest ist das so geplant. Was mir den meisten Spaß in der Story bereitet, ist die Darstellung dieser kleinen magischen Momente, wie sie manchmal zwischen Menschen entstehen und die mit Worten eigentlich nicht zu beschreiben sind. Ich glaub, der Leser muss vieles einfach fühlen können und Gefühle mit Worten zu transportieren ist nicht immer einfach. Insbesondere, wenn man verkitschtes Vokabular vermeiden möchte.

Ah, dann noch etwas fanfictionbezogenes: Ich hole das nächste Scar Tissue Kapitel Update im Laufe der Woche nach. Gestern hats nicht planmäßig funktioniert, weil mein Internet zwischenzeitlich ausgefallen ist, heute bin ich unterwegs, aber ich denke, ich kann es nächste Woche nachholen und von dort an sollte es wieder im üblichen 10-Tage-Rhythmus funktionieren. Nur als Info für die, die es vielleicht noch interessiert ;)

Ich widme mich jetzt dem Anfang von Kapitel 9, ehe ich mich in die Stadt verkrümle. Macht euch einen schönen Sonntag und geht brav wählen!

Stoffi

Donnerstag, 24. September 2009

Die Rache des Autors


Wie heißt das schöne Sprichwort? "Don't annoy the authoress, she might put you in her book and kill you." Wobei töten doch manchmal wirklich eine viel zu nette Art der persönlichen Abrechnung ist, oder?

Ich muss sagen, ich hab bisher noch niemanden aus meinem Umfeld in meinen Geschichten übel verwurstet oder mit heruntergelassenen Hosen dastehen lassen. Aber wäre es nicht einmal reizvoll, dem ein oder anderen Störfaktor eins mit der fiktiven Keule drüberzuziehen? Hm, ich denke schon, auch wenn ich es noch nie selbst ausprobiert habe.

Was ich mich frage, ist wie andere (FF-)Autoren das handhaben. In einem früheren Beitrag hab ich über Self-Insert nachgedacht und mich gefragt, ob man das überhaupt so richtig vermeiden kann. Hier ist die Frage, ob es bewusste Aufarbeitungen von zwischenmenschlichen Beziehungen gibt und wenn ja, in welchem Rahmen man private Erlebnisse wirklich ausweiden sollte. Klar, wir haben hier Meinungs- und Pressefreiheit; tagtäglich wird in Medien schmutzige Wäsche gewaschen und abgerechnet, was das Zeug hält. Erlaubt ist so gut wie alles. Wie aber sieht das in der Fiktion aus? Ist es nur eine feige Methode, sich mit ungeliebten Mitmenschen auseinander zu setzen? Verstößt man gar gegen Persönlichkeitsrechte?

Dass das Leben die einzig wahre Quelle der Inspiration ist, da es gern mal ärger über die Stränge schlägt als die skurrilste Fiktion, dürfte keine neue Erkenntnis sein; aber inwiefern darf man reale Personen ins Lächerliche ziehen oder gar beleidigen? Das wiederum könnte man getrost auf die Real Person Seite ziehen - darf man über einen Menschen schreiben, den man (wie es eigentlich immer der Fall ist) gar nicht kennt? Fanfictions haben das schöne Hintertürchen, dass sie mit Disclaimern um sich werfen können und damit aus dem Schneider sind, wenn sie sagen "kenn ich nicht und xyz will ich damit nicht beleidigen" oder "Ähnlichkeiten zu realen Personen sind absolut zufällig", obwohl das vielleicht nicht immer der Fall ist. Ich selbst hab Real Person geschrieben und es auch gern geschrieben, und der Umstand, dass man die berühmte Persönlichkeit nicht selbst kennt, lässt sie wiederum zu einem gewissen Grad zum eigenen Charakter werden, den man - basierend auf gefestigten Fakten - formen kann. Kaum einer wird sich anmaßen, den ein oder anderen Star wirklich zu kennen oder alles über ihn zu wissen, ergo ist es im schlimmsten Fall eine Karikatur der öffentlichen Wahrnehmung jener Personen, nicht aber eine auf Fakten beruhende Satire.

Fiktion ist voller Möglichkeiten und vieles lässt sich so oft durch die Mangel drehen, dass alles letzten Endes Auslegungssache ist. Ich glaube nicht, dass jemand so mutig ist und schreibt: "Charakter A stellt in Wirklichkeit reale Figur B dar, der mir in der Schule immer aufs Pausenbrot gespuckt hat und mit dem ich hiermit abrechne", denn dann würde er sich womöglich gehörigen Ärger einhandeln. Fiktion mag kritisch, hinterfragend und kommentierend sein; aber sie tut all dies hinter einem Schleier aus Metaphern, Personifizierungen, Allegorien, usw. Kurz: Der Autor hat fast immer die Option, sich rauszureden. Ist das nicht herrlich? Und ist das nicht bequem? Menschen in meiner Umwelt sind hervorragende Versuchskaninchen für Verhaltensforschung. Man pickt diese Macke auf, dann jene, und puzzelt sich aus dem Fundus realer Bekanntschaften einen eigenen Charakter zusammen. Fast immer passiert das unbewusst. Eigentlich ist es doch faszinierend. Wenn ich mir nen Roman nehme, in dem ein Typ völlig veralbert wird, weiß ich nicht, auf wem diese Darstellung beruht und ob sie demnach zutreffend ist. Aber der Autor weiß es und manchmal eben auch der Gelackmeierte, über den die Leserwelt lacht. Natürlich gibts in der Literaturgeschichte zahlreiche Karikaturen auf große Persönlichkeiten, aber das mag Teil von Gesellschaftskritik sein. Was mancherorts aber aufgearbeitete private Fehden sind, steht in den Sternen. Aber ich bin sicher, sie existieren.

Ist dann wohl Teil der "Verarbeitung", wie es beim Schreiben immer so schön heißt. Der Autor setzt sich mit seinen Wünschen, Hoffnungen, Ängsten auseinander, warum also auch nicht mit Menschen, die ihn (auf positive oder negative Weise) geprägt haben? Nun...ich wäre damit vorsichtig. Denn der Spieß ist oftmals schneller umgedreht, als einem lieb sein kann und die eigenen hässlichen Seiten will kaum einer unter die Nase gerieben bekommen. Da tritt das Prinzip von Austeilen/Einstecken an die Tagesordnung. Denn nur weil B so frech war, auf dein Pausenbrot zu spucken, heißt das nicht zwangsläufig, dass er Analphabet ist und nicht auch die literarische Keule zu schwingen versteht. Dann ist man wohl doch am besten dran, wenn man das olle Ding vergräbt und genug Kreativität beweist, einen eigenen, nicht angelehnten Widerling zu erschaffen. Oder wenn man sich in ausgefeilterer Subtilität übt. ;)

Entschuldigt meinen wirren Gedankenstrom, der wahrscheinlich ohne jedwede Struktur ist. Aber es war ein langer Tag und ich habe meine Finger gewähren lassen, als sie sich bereitwillig zeigten, hier ein paar Worte beizusteuern.

Ich wünsche eine angenehme Nacht!

Stoffi

Samstag, 12. September 2009

Wunschkonzert


Hab neulich mal eine Abhandlung gelesen, in der es um die Interaktion zwischen Leser und FF-Autor ging und bin da an einem Argumentationspunkt hängen geblieben, der mich ein wenig hat grübeln lassen. Jener Punkt besagte in etwa, dass der Leser Wünsche äußern und der Autor darauf eingehen soll. Automatisch hab ich hinterfragt, ob ich das selbst so handhabe.

Vielleicht ist es auch nur eine unglückliche Formulierung gewesen, aber für mich besteht ein klarer Unterschied zwischen Anregungen und Wünschen. Anregungen haben für mich was mit konstruktiver Kritik zu tun. Natürlich entspringen die auch rein subjektiven Leseeindrücken, aber weisen auf Unklarheiten im Text oder Logikfehler, etc. hin. Auf Anregungen gehe ich ein, lasse sie mir durch den Kopf gehen und ziehe Änderungen in Betracht. Ich springe aber nicht sofort, wenn jenem dies und anderen jenes nicht gefällt. Für mich ist das deswegen keine Kritikunfähigkeit, solange ich mich mit dem Feedback auseinander setze. Kritische Anmerkungen haben ihre Berechtigung, aber nicht jede Anmerkung hat zwingend ihre Richtigkeit und entspringt, wie gesagt, reiner Subjektivität.

Meinen Lesern Wünsche zu erfüllen, ist aber etwas, das ich nicht als meine Verpflichtung als Hobbyautor ansehe. Ich bin nicht der Nikolaus und auch nicht der Osterhase und ich schreibe auch keine interaktiven Fanfictions oder Geschichten, in denen der Leser den Fortgang der Handlung herbeiwünscht oder selbst angibt. Bin doch keine Marionette. Anders ist das bei so genannten Wichtelgeschichten, wenn man sich gegenseitig mit einer kleinen Geschichte beschenkt, aber sowas hab ich noch nie geschrieben.

Noch kurioser finde ich diesen "Wunsch-Punkt" allerdings in Anbetracht einer fortgeschrittenen Geschichte. Wenn jetzt einer z.B. zu Scar Tissue ankommen würd und sagte: "Ich wünsche mir, dass dieser Drecksack von Talburne abnippelt", würd ich doch nicht nach Lesewunsch meinen kleinen Fiesling abschießen, wenn es so im Plot nicht vorgesehen war. Ich weiß nicht, ob nachvollziehbar ist, was ich meine, aber die Geschichten, die ich online stelle, sind oft so weit fortgeschritten, dass grundlegende inhaltliche Änderungen gar keinen Platz mehr finden oder unmöglich werden. Ich hab bisher 2 alternative Kapitel auf Anregung von Stormy geschrieben, aber online steht (zum Glück) keins von beiden, einfach, weil's reine Ausnahmen waren. Keine Ahnung, worin mein Widerstreben begründet liegt, es den Lesern dahingehend recht machen zu wollen. Ich hab schon trotz zahlreicher Bitten für einen dritten Teil nach "Sonne über Ithilien" das Fandom gewechselt (und ja, ihr dürft dankbar sein, dass ich euch von einem weiteren Kitschbrocken verschont hab).

Dahingehend bin ich glaub ich einfach zu sehr Egoist. Ich kann nicht schreiben, was andere von mir erwarten. Ich muss es schreiben wollen. Da kann mir jemand mit einer grenzgenialen Idee und zahlreichen Vorschlägen kommen, wenn sich der Schalter nicht umlegt, schreib ich keine müde Zeile. Vielleicht liegts auch daran, dass ich nicht gerne Ideen entlehne. Selbst wenn sie als Anregung oder Inspiration direkt an mich herangetragen werden. Wenns nicht mein eigener Einfall ist, fühlt es sich komisch an, etwas Längeres zu schreiben. Außerdem...weiß nicht...bin ich der Meinung, dass - wenn man denn schon Wünsche und Vorstellungen hat - diese auch getrost selbst aufschreiben kann. Wie heißt es so schön? Schreib die Geschichte, die du unbedingt lesen willst. Und nicht: Schreib die Geschichte, die dein Leser von dir erwartet.

Schreiben ist ein sehr egoistischer kreativer Prozess, in erster Linie ist es Arbeit, die ich für mich selbst leiste; sei es als Verarbeitung von Gedanken, Gefühlen oder Erlebnissen, oder aber, weil mich selbst eine Idee so dermaßen fesselt, dass ich sie niederschreiben muss. Im Prozess ist - zumindest bei mir - der Leser völlig ausgeklammert, so blöd das auch klingt. Da gehört die Geschichte nur mir, ich selbst erfreue mich daran, ärgere mich darüber oder verarbeite meine persönlichen Vorlieben und Wünsche. Wenn es dann irgendwann mit geneigten Lesern geteilt wird, ist es immer noch meins, und es bleibt auch meins, aber ich erhalte im Idealfall zusätzlich Meinungen, Kritiken und Gedanken von außerhalb, die ich mitnehmen und überdenken kann. Aber ich verbiege mich nicht, um es dem Leser genehm zu machen, das muss ich ganz ehrlich sagen. Ich bin kein Ghostwriter.

Es ist ne andere Sache bei Rechtschreibung, Grammatik, Formalem oder Logiksachen; da ist es mir selbst unangenehm, wenn wirklich blöde Fehler online stehen bleiben. Sofern ichs nicht vergesse, setze ich Anmerkungen auch um, aber ich lass mir wirklich ungern in den Inhalt reinreden. Ich schreibe keine perfekten Geschichten, nicht für jeden sind sie nachvollziehbar, bei weitem nicht jedem gefallen sie, mein Stil spricht nicht jeden an und meine eigens erschaffenen Charaktere regen auch niemanden dazu an, einen Fanclub zu entsprechenden Figuren zu gründen. Aber all das sind Teile meiner Geschichten und gleichzeitig Teile von mir. Einen Inhalt umzukrempeln, z.B. einen Charakter vor dem geplanten Ableben zu verschonen oder ein eigentlich trauriges Ende in ein Happy End umzupulen, ist für mich, wie dazu genötigt zu werden, sich einer Schönheitsoperation zu unterziehen. Klar, nachher finden einen alle anderen oft schöner und sind zufrieden, aber das bin dann nicht mehr ich. Ich bin nicht fehlerfrei, demnach sind es meine Geschichten ebenso wenig. Aber sie sind in ihrer Form aufrichtig und authentisch, geben in irgendeiner Form das wieder, was mich zurzeit des Entstehens beschäftigt oder bewegt hat.

Perfektionisten mögen mich nun faul schimpfen, aber ich sag damit nicht, dass ich rein gar nicht überarbeite. Nein, ich streich schon fleißig und gehe über diverse Absätze drüber, die mir zäh von der Hand gingen. Ich möchte nur ungern, dass meine Inhalte auf den Kopf gestellt werden - es sei denn, sie sind völlig abstrus und verdienen es, vernichtet zu werden. Keine Ahnung, wie man sowas wirklich als einen grundlegenden Punkt in der "Beziehung" Leser/Autor ansehen kann. Ich krieg schon zu spüren, dass ich nicht das schreibe, was jeder lesen will, aber ich fühle mich gut dabei, und das ist doch die Hauptsache. Ich lass mich nicht in meiner Kreativität beschneiden oder richte meinen Plot so aus, um möglichst viele Leser bei der Stange zu halten. Weniger ist in dem Sinne wirklich mehr. Nichts gegen Anmerkungen oder Wunschäußerung. Aber ich sehe mich nicht verpflichtet, Wichtel für den Leser zu spielen. Vor allen Dingen dann nicht für solche, die sich erst eine Geschichte wünschen, und von denen man dann nicht mal ein Sterbenswörtchen hört.

Als Beta hab ich auch öfters auf meiner Unterlippe rumgekaut, weil mir Plottwists nicht gefallen haben oder ich inhaltlich andere Vorstellungen gehabt hätte. Ich habe diese auch immer geäußert, aber nicht vorausgesetzt, dass der Autor diese auch unbedingt berücksichtigt. Bei aller Kritik sollte man dem Autor noch die Freiheit lassen, selbst entscheiden zu dürfen, was er/sie schreiben möchte oder nicht, und diese Entscheidung dann auch respektieren, ob man sie nun gutheißt oder nicht.

Soviel von mir. Ich hab endlich ein paar Minuten, um mir Robyn zur Brust zu nehmen. Die Frau jammert mir gerad ein bisschen zu viel, dem muss ich nun den Riegel vorschieben.

Ich wünsche einen schönen Samstagabend!

Stoffi

Donnerstag, 10. September 2009

Alles eine Frage der Perspektive


Ich erinnere mich noch recht deutlich daran, wie meine Deutschlehrerin in der fünften Klasse meinen Mitschülern und mir zum ersten Mal das Konzept des "kreativen Schreibens" nahezubringen versuchte. Zuvor habe ich auch schon meine superspannenden Schildkrötengeschichten und Weltraumabenteuer einer Crew (Ähnlichkeiten zu meinen damaligen Schulkameraden waren natürlich reeeein zufällig ;)) zusammengesponnen, aber das Ding hatte für mich keinen Namen. Ich hab irgendwann einfach angefangen. Jedenfalls endete unser erster Ausflug ins Land der Fantasie damit, dass wir alle ein Märchen schreiben sollten. Dabei kreisen mir immer noch die Faustregeln zum Verfassen eines Prosatexts im Kopf herum: Erzählzeit Präteritum, eine feste Erzählperspektive und nach Inhalt gliedernde Absätze.

Heute frag ich mich manchmal noch, ob man sich wirklich daran halten muss. Immer öfter stolpere ich über Fanfictions, die im Präsens geschrieben sind. Oder die permanente Perspektivwechsel drin haben, oder aber auch zwischen verschiedenen Tempora hin und her springen. Es gibt keine Gesetze, wie ein Text geschrieben sein sollte; was ich mir als Leser allerdings wünsche, ist Konstanz. Kein permanentes Hin und Her, Perspektivensprünge, bei denen ich nicht mehr weiß, ob gerade A oder B spricht (von den hübschen ***POV Harald*** - Einschüben mal ganz abgesehen), oder gar willkürliche grammatikalische Zeitreisen.

Ich muss gestehen, ich finde es unglaublich schwer, einen Text im Präsens zu schreiben. Nicht, weil das erzähltechnisch unmöglich für mich ist, sondern weil ich viel zu lange schon im Präteritum schreibe. Ich entsinne mich daran, wie ich damals "Wer nicht wagt..." geschrieben habe, ein kurzes Episödchen über Joaquin Phoenix. Ich-Perspektive, Präsens. Ich bin immer wieder ins Präteritum abgedriftet und musste ein halbes Dutzend mal drübergehen, bis ich auch alles auf Präsens abgeändert hatte. Warum also Präsens wählen? Nun, weil es durchaus an manchen Stellen spannend sein kann und atmosphärisch verdichtet. Der Leser hat noch ein stärkeres Gefühl, hautnah dabei zu sein. Besonders bei Action-Sequenzen ist mir das öfters aufgefallen.

Ich bevorzuge allerdings beim Lesen wie auch beim Schreiben das Präteritum. Keine Ahnung, wieso. Ich merke nur, dass ich automatisch Präteritum lese, obwohl da Präsens steht. Irgendwie mag sich die fiktionale Abteilung meines Hirns, die für Fantastereien jeglicher Art zuständig ist, nicht damit anfreunden. Insbesondere eben nicht, wenn mittendrin plötzliche Sprünge und Wechsel kommen. Ist was anderes, wenns speziell gekennzeichnet ist - meinetwegen kursiv für Erinnerungen, Gedanken - aber wenn abrupt im Erzählfluss gewechselt wird, irritiert es mich. Ganz selten hab ich auch mal gesehen, dass die Erzählperspektive mehrfach gewechselt wurde. Jetzt nicht auf personaler Ebene (wie ich oben bereits anmerkte: "POV Harald"), sondern wirklich die ganze Palette durch: Ich-Perspektive, auktorial, personal...das find ich irgendwann einfach schwierig zu lesen. Irgendwie hab ich dann auch das Gefühl, dass der Autor selbst nicht recht weiß, was er jetzt wie erzählen möchte.

Noch seltsamer find ichs, wenn die Ich-Perspektive reihum geht. Also so nach dem Motto: In jedem Absatz ist das Ich ne andere Figur. Wenn man sich schon für die erste Person entscheidet, sollte man auch konsequent genug sein, sie auf eine Person zu beschränken und durchzuziehen. Das ist nicht immer einfach, gerade wenn man mal die Gefühle oder Gedanken eines anderen Charakters zur Geltung bringen will, aber das muss man dann in Kauf nehmen.

So offen ich für Experimente und Stilbrüche auch bin, aber Tempus und Perspektive sind zwei Sachen, bei denen ich gern n bisschen Stabilität haben möchte. Für mich ist das das Fundament einer Geschichte, der Rahmen, der alles irgendwo in Ordnung und beisammen hält. Als Leser wirft mich sowas einfach raus, so leid es mir auch tut. Nichts gegen Flashbacks, mit denen arbeite ich selbst gern, ich meine halt den erzählten Text als Ganzes. Da sollte irgendwo ne klare Linie und formale Struktur gegeben sein. Einen POV-Wechsel sollte man glaub ich auch ohne dicke Anmerkung erkennen und herauslesen können (sofern die Geschichte nicht in der 1. Person erzählt wird, dann ist das wieder ne andere Kiste). Generell hab ichs gern, wenn die Ich-Perspektive an einem Chara hängen bleibt, so viele Nachteile das auch mit sich bringen mag, aber es macht meiner Meinung nach keinen Sinn, bei ner Ich-Perspektive ständig zu wechseln. Dann kann ich gleich nen personalen oder auktorialen Erzähler wählen.

Ich überlege selten vorher, aus welcher Perspektive ich eine Geschichte erzählen will/soll. Es muss passen, sich stimmig genug schreiben lassen. Daher gibt es kein "Richtig" oder "Falsch", kein "Gut" oder "Schlecht" in Sachen Perspektive; ich denke, man sollte sich als Autor hauptsächlich beim Erzählen wohlfühlen. Wenn man das tut, kommts zumeist auch beim Leser gut an, ist zumindest mein Erfahrungswert. Sobald man beim Schreiben anfangen muss, richtig zu überlegen und nachzudenken, fehlt es dem Text an gewissem Fluss. Ich merks zumindest bei mir, dass ich oft Passagen verwerfe, die nur sehr zäh von der Hand gehen.

Wie so vieles sind diese beiden Aspekte Geschmackssache. Wie der eine lieber Schnulzen liest und der andere eher Krimis, so geht der eine in der Ich-Perspektive auf, die der andere wiederum tunlichst meidet. Das Gute am weiten Feld der Fikion ist, dass für jeden etwas dabei ist. ;)

Bei meiner kleinen Schmonzette hab ich mich wieder für die personale Variante entschieden. Da gibt es lediglich klar abgegrenzte Wechsel zwischen Robyn und Finn, wobei ich mich noch nicht entscheiden kann, welche Sichtweise die interessantere ist. Es sind zwei völlig unterschiedliche Lebenswelten, die da kollidieren, unterschiedliche Ansichten und Wahrnehmungen des anderen. Es ist spannend, damit zu experimentieren und einige Szenen aus anderen Winkeln zu beleuchten, auch wenn ich es vermeide, die gleichen Szenen mit einer anderen Perspektive aufzuwärmen. Das dürfte den Leser irgendwann langweilen, glaub ich.

Kapitel 6 steht in den letzten Zügen, ich gedenke es nachher noch zu beenden. Ist es eigentlich schlimm, wenn nach 6 Kapiteln noch keine sichtbaren Funken gesprüht sind? Ach, ich weiß, Romanzen und ich...wir brauchen viel Zeit.

Macht euch einen schönen Abend!


Stoffi

Samstag, 5. September 2009

Kopfkino


Ich habe es immer für einen schlechten Scherz gehalten, als ich des Öfteren gelesen habe, dass es Geschichten geben soll, in denen jegliche Beschreibungen auf ein Minimum reduziert und dafür mit in den Stories verlinkten Bildern ersetzt werden. Neulich stolperte ich dann bei ziellosem Stöbern in diversen Kategorien (Fanfiction wie auch freie Werke) tatsächlich auf solche Exemplare und wusste im ersten Moment nicht, ob das nur ein schlechter Scherz von der Autorin sein sollte. Man muss sich den Text in etwa so vorstellen: "A war blond und klein (Bild.jpg), B war brünett, groß und schlank (Bild.jpg) und trug ein gelbes Kleid (Bild.jpg)". Und das nicht zu knapp. Mir ist beim Drüberfliegen ehrlich gesagt die Kinnlade ein Stück weit gen Süden gewandert.

Ich sag nichts gegen Cover für Geschichten oder Videos, die das Ganze schon wieder etwas künstlerischer verbildlichen, aber...ich weiß nicht. Wenn ich eine Geschichte lesen mag, dann will ich wirklich LESEN und kein Bilderbuch durchblättern. Ist es denn wirklich so schwer, ein paar Beschreibungen einfließen zu lassen, dass man auf Bilder zurückgreifen muss? Schön und gut, wenn man sich ein paar Vorlagen holt und diese dann im Anschluss beschreibt, wenngleich ein eigener Charakter meiner Meinung nach irgendwo unabhängig von Bildervorlagen im Kopf entstehen sollte; aber alles zu illustrieren, weil man unfähig ist, eine etwas bildlichere Beschreibung zu fabrizieren, ist irgendwo arm.

Es gibt beim Schreiben viele knifflige Aspekte, aber Personen- und Gegenstandsbeschreibungen sind so rudimentäre Sachen, dass es mich erschüttert, wenn man nicht mal das hinbekommt. Ich kann mich entsinnen, es in der 6ten Klasse im Deutschunterricht explizit behandelt zu haben, es ist einfach etwas, das dazugehört und ein Grundbaustein ist. Lasse ich Beschreibungen weg, kann ich auch charakterlose Legofiguren als meine Protagonisten einsetzen, die sich absolut nicht unterscheiden. Weiß nicht...mir als Leser sind Beschreibungen einfach wichtig. Ich steh nicht auf steckbriefartige Abhandlungen á la "sie war blond, 1,73m groß, 56kg schwer, hatte braune Augen, trug ein blaues T-Shirt und ausgewaschene Jeans", das bremst schon mal den Lesefluss und ist gern mal zu viel der Information; aber man kann doch wirklich unterschwellig hier und da was einstreuen, ohne groß mit Worten jonglieren zu müssen.

Ist das einfach Faulheit, dem Leser einen Charakter wie einen Knochen an den Kopf zu schmeißen und ein Bild vorzulegen? Faulheit nicht nur vonseiten des Autors, sondern wohl auch beim Leser, der sowas gutheißt. So schön visuelles Material auch sein mag, um die Fantasie anzukurbeln, aber beim Lesen steh ich auf Kopfkino. Sprich, ich erwarte in dem Maße Beschreibungen, dass ich in meinem Kopf ein Bild zusammenpuzzeln kann. Das muss nicht mit dem konform gehen, das der Autor im Sinn hatte, aber Beschreibungen müssen dahingehend ausreichen, dass ich mir eigenständig eine Vorstellung machen kann. Ich hasse es, wenn ich kein richtiges Gesicht im Kopf hab, wenn ich eine Geschichte über mehrere Kapitel verfolge. Mir fehlt dann was und damit auch irgendwo der Zugang zur Story, der persönliche Draht. Genauso gut mag ich es nicht, wenn ich ein Gesicht mit Bildern präsentiert bekomme, das ich mir genauso vorstellen MUSS, ich hab gern Spielraum für meine eigene Fantasie, beim Lesen wie auch beim Schreiben. Sowas schiebt jeglicher Kreativität (sei's beim Sender oder Empfänger) den Riegel vor.

Gerade das Kopfkino ist das Spannende beim Lesen. Umsonst gab es z.B. bei der Verfilmung des Herrn der Ringe nicht die Debatten unter Tolkien-Lesern, wie man sich z.B. Aragorn oder Frodo vorgestellt hat. Da gab es nicht wenige, die sich diesen oder jenen Charakter anders vorgestellt haben. Gleiches gilt für alle möglichen anderen Buchverfilmungen, man denke nur an Süskinds Parfüm und die filmische Darstellung Grenouilles. Der sah in meiner Vorstellung im ersten Drittel des Romans auch nicht so gut aus. Daher können es Verfilmungen unter dem Aspekt der Besetzungscouch glaube ich nie allen Fans recht machen. Muss man auch nicht. Aber ich denke, man sollte den Anspruch haben, die eigene Vorstellung von einem Charakter sprachlich zu präsentieren und es so zu verpacken, dass die Handlung und Dynamik der Geschichte nicht drunter leidet.

Hat mich doch ein bisschen schockiert, wirklich so etwas gefunden zu haben. Weiß nicht. Da hab ich den Eindruck, der Autor weiß selbst nicht so recht, worüber er eigentlich schreibt oder behandelt seine eigenen Charaktere wie willen- und gesichtslose Puppen.

Vielleicht ist's auch nur mein Leseeindruck, es mag genug Leute geben, die eine solche Verbildlichung mögen und gutheißen. Mich ködert man damit nicht. Ich muss nicht bei der Hand genommen und über jeden Pickel des Protagonisten Bescheid wissen, aber ich will wenigstens den Eindruck haben, dass der Autor beim Schreiben ein gewisses (mentales!) Bild von seinem Helden hatte und dieses sprachlich zu übermitteln versucht. Ist das wirklich zu viel verlangt?

Schreibtechnisch geht es nach wie vor flott von der Hand. Kapitel 4 stand innerhalb weniger (Nacht)Stunden, Kapitel 5 krieg ich heute wohl auch noch fertig, da der für heute geplante Grillabend buchstäblich ins Wasser fällt und ich den verregnet-windigen Samstag dann doch lieber mit einer heißen Tasse Tee, einer Kuscheldecke und meinem Schreibprogramm entspannt zubringen werde. Ich mag es, wenn ich nicht darüber nachdenken muss, was ich da schreibe, es passiert einfach von ganz allein. Ein gutes Zeichen, glaube ich. Vorhin hab ich noch ein paar medizinsiche Fachzeitschriften gewälzt, werde wohl noch meine darin fachlich bewanderte Cousine interviewen und dann hoffentlich die nötigsten Informationen zusammengetragen haben, die ich für die Story noch brauchen werde. Erst in relativer Ferne (ich schätze erst in 10-15 Kapiteln), aber ich bin gern vorab vorbereitet und eigne mir das nötige Wissen an, um abzuwägen, ob es wirklich für diese Fiktion machbar ist.

Nun denn, ich gedenke, die ersten 30,000 Wörter der Story heute fertig zu schreiben und dafür sollte ich jetzt die Berichterstattung der plüschigen Schreibfront einstellen und mich an die Arbeit machen. Ich wünsche einen entspannten und kreativen Samstag!

Stoffi

Mittwoch, 2. September 2009

Mit vollem Körpereinsatz


Gestern hab ich einen interessanten Mailwechsel mit einer mir lieb gewordenen Leserin geführt, in dem es unter anderem um eigene Charaktere und deren Glaubwürdigkeit ging. Sie sagte, sie würde nicht gern Geschichten lesen, in denen allzu deutlich heraussticht, dass die weibliche Protagonistin eine fiktionale Kopie der Autorin darstellt.

An diesem Punkt habe ich mich allerdings gefragt, ob es denn überhaupt möglich ist, sich selbst bei der Erschaffung eines Charakters außen vor zu lassen. Es ist etwas anderes, wenn man beschließt, eine Fanfiction mit Self-Insert zu schreiben und demnach bewusst die eigene Persönlichkeit oder gar Geschichte in Worte zu fassen. Das ist meiner Meinung nach völlig legitim und für mich nicht automatisch eine Mary-Sue. Eine Mary-Sue wirds erst, wenn ein flacher Charakter ohne Ecken und Kanten bei rauskommt, den alle toll finden, lieben und...na ja, ihr wisst schon.

Eine Geschichte kann durchaus gut sein, auch wenn sie offensichtlich jede Menge Self-Inserts enthält. Eine Mary-Sue wirds erst, wenn man die eigenen persönlichen Schwächen dabei unterschlägt, wenn man sich selbst sozusagen in der Fiktion stilisiert und in ein besseres Licht rückt. Denn wie jeder wissen dürfte, ist niemand perfekt. Perfektion ist furchtbar langweilig und öde. Das will doch keiner lesen. Also...ich zumindest nicht. Auch der Autor ist es nicht, umso verschlagener wäre es, sich selbst die Hauptrolle im eigenen Werk zuzuschreiben und gänzlich auf vielleicht nicht ganz so sympathische/hässliche Eigenschaften zu verzichten.

Dann gibt es noch den unbewussten Self-Insert, den so ziemlich jeder FF-Autor mit Sicherheit schon gebracht hat und von dem man auch öfters die berühmte Floskel hört: "In jedem meiner Charaktere steckt ein Teil von mir drin". Und es ist meiner Meinung nach auch richtig. Zu einem gewissen Grad ähneln uns die eigenen Charaktere immer, die einen mehr, die anderen weniger, und wenn es nur in ihren Frühstücksgepflogenheiten Ausdruck findet. Und warum ist das so? Ich denke, weil wir einen persönlichen Bezug zu unseren Charakteren brauchen, um wirklich in der Lage sein zu können, gedanklich in sie hineinzuschlüpfen, sie reden, reagieren und handeln zu lassen. Irgendwann fangen Charaktere immer an, ihr eigenes Ding zu machen; dann hält man nicht mehr die Fäden in der Hand. Aber ein gewisser Zugang ist denke ich schon wichtig, dem Charakter den eigenen Fundus an Erfahrungen einzuspeisen und einen Teil von sich selbst darin zu verewigen, ist wie eine Art Signatur im Text.

Der Charakter, der bisher am weitesten von mir persönlich entfernt war, ist wohl Elena Clementine aus "Blutiges Handwerk". Ich schrieb in einem früheren Eintrag, dass es für mich schwierig ist, ihr Wesen nachzuvollziehen und zu erfassen, dass es für mich selbst wie ein Kennenlernprozess mit einem völlig fremden (und stellenweise sehr unsympathischen) Charakter ist. Trotzdem hat auch sie etwas von mir. Wenn auch nicht viel, aber da ist definitiv was vorhanden. Einen Charakter in der Hauptrolle agieren zu lassen, mit dem man sich absolut gar nicht identifizieren kann, den man vielleicht sogar verabscheut, ist ein schwieriges Unterfangen. Mit Sicherheit nicht unmöglich, aber eben doch eine größere Herausforderung, als den Menschen einfließen zu lassen, den man am besten zu kennen meint - nämlich sich selbst.

Wie sich das mit Robyn, Finn und mir verhält, weiß ich nicht. Es macht auch nichts, wenn der eine mehr oder weniger von einem selbst in sich trägt - fatal finde ich es erst dann, wenn man ein und denselben Charakter nur unter anderem Namen wiederholt in seine Geschichten einstreut, wenn man sich nicht traut, auch mal Eigenschaften anzuschneiden, die einem selbst womöglich völlig abgehen. Natürlich ist das schwieriger, als eine bekannte Palette abzufassen, aber das macht gerade den Reiz aus. Jeder Charakter ist ein Individuum, wie ein Mensch draußen vor unserer Haustür, jeder mit eigenen Macken, Vorlieben, Eigenschaften, Stärken und Schwächen. Das macht es gerade so spannend. Kein Grund also, Klonexperimente an den eigenen Charakteren durchzuführen.

Kapitel 3 ist eben fertig geworden mit einem doch recht fiesen Ende...Finn kann ein ganz schöner Arsch sein. Aber er kann noch schlimmer. Und wird zweifelsohne auch. Aber das heb ich mir für später auf. Kommt gut durch die verbleibende Wochenmitte!

Stoffi

Montag, 31. August 2009

Kitsch-o-rama


Kapitel 3 meines Schmonzettchens schreitet beschwingten Schrittes voran, eine Idee hat mich noch genötigt, den Zeitrahmen ein wenig nach vorn zu verschieben, aber das ist nicht weiter tragisch. Jaa, noch ist nicht viel in romantischer Richtung passiert. Ich mag's nicht, wenn alles holterdipolter geht, ich machs meinen Protagonisten gern mal schwerer. Aber trotzdem hab ich das Gefühl, das Kitschbarometer ganz schön ansteigen zu lassen. Ich weiß nicht so recht, worans liegt. Wenigstens malt Robyn noch keine rosa Herzchen an den Rand ihres Tagebuchs. Und dank Penny kommt denke ich ne ordentliche Prise Humor in die Geschichte. Wenn man so jemanden als beste Freundin hat, braucht man glaub ich keine Feinde mehr. Was wäre aber ein Setting wie New York ohne seine Exzentriker? Ich weiß noch nicht, wie viel ich in diesem Kapitel unterkriegen kann, aber wenn das in dem "Tempo" weitergeht, kann der erste Kuss noch ein Weilchen auf sich warten lassen.

Ich versuche so gut es geht die Klischeekiste zu umschiffen, aber es ist ein einziges Riff, ein schmaler Grat und ich bin nicht besonders gut darin, das Gleichgewicht zu halten. Gut, ich werde mir sicherlich verkneifen, meine beiden über irgendwelche "Klippen" springen oder die "höchsten Gipfel" erklimmen zu lassen, aber das Genre ist so dermaßen abgedroschen, dass meine Kitschsensoren regelmäßig ausschlagen.

Ich mag einfach nichts schreiben, hinter dem ich nicht hundertprozentig stehe. Wenn ich nicht mich selbst halbwegs überzeugen kann, wie soll das dann beim Leser funktionieren? Wenn ich beim Schreiben die Nase rümpfe, wird es auch der Leser später tun. Ich bin mir dessen bewusst, dass nicht jeder Leser eine Aversion romantischer Klischeeschmonzetten gegenüber hat, dass viele sogar darauf abfahren. Aber ich klammere beim Schreiben den Leser aus. Es heißt, ein Autor schreibt für seinen idealen Leser; sprich, er stellt sich seine Zielgruppe und deren Wahrnehmung des Textes vor. Und so bequem es vielleicht wäre, auf die Klischeeliebhaber abzuzielen, so weiß ich doch, dass ich mich dabei selbst betrügen würde. Schreib, was du selbst lesen würdest. Wenn aus meinem Schmonzettchen also ein Arztroman werden sollte, könnt ihr sicher sein, dass es das Licht der Öffentlichkeit nicht erblicken wird.

Noch bin ich nicht ins Schlingern geraten, das Schreiben geht nach wie vor lässig und gut von der Hand, aber nur weil etwas locker-fluffig ist, muss es nicht völlig abgedroschen sein. Einerseits hätt ich gern jemanden zum Gegenlesen, andererseits werkle ich gerade zu sehr dran rum, sodass Überarbeitungen noch nicht auszuschließen sind. Hm. Ich fang schon wieder an, unsicher zu werden. Nicht was den Plot und die Charaktere angeht, die sind ein eingespieltes Team; es ist nur meine alte (Ab)Scheu vor dem Genre. Ich weiß, selbst schuld, hätt ja nix anfangen müssen. Aber Ideen haben ihren eigenen Willen. Und es ist die Story, die gerade am fleißigsten von der Hand geht, die ersten 12,000 Wörter stehen bereits und es macht ja auch Spaß. Vielleicht sollte ich einfach mal die Zweifel Zweifel sein lassen und schauen, was so zu Papier kommt. Kitsch kann ich auch nachher noch eliminieren. Noch hab ich keinen tiefen Augenkontakt, kein Hauchen, kein Herzklopfen. Wäre auch ein bisschen früh dafür. Aber was Kitsch ist und was nicht, liegt wie so vieles im Auge des Betrachters, und auf diese Meinung muss ich vorerst einfach noch verzichten. Vielleicht nicht nur vorerst, sondern überhaupt. Aber solange mir beim Schreiben vor lauter visueller Karies keine Zähne ausfallen, sollte alles im grünen Bereich sein.


Ich widme mich Robyn, die gerade verzweifelt versucht, Penny von einer ziemlich fiesen Idee abzubringen. Mal sehen, ob sie erfolgreich ist. Die Chancen stehen eher schlecht ;)

Ich hoffe, ihr hattet einen guten Start in die Woche!


Stoffi

Samstag, 29. August 2009

Pläne und wie man sie durchkreuzt


Die zuckrige, visuelle Karies verursachende Stimmung hält an. Gestern habe ich noch das Video für meine hauseigene Schmonzette fertig gebastelt, auf den öffentlichen Channel pack ich es (noch) nicht, ich wollte mir erstmal zwei fachmännische Meinungen einholen, außerdem mag ich jetzt eigentlich noch nicht allzu viel von der Geschichte erzählen. Einerseits, weil ich nicht zu viel spoilern mag, andererseits, weil ich selbst erst einmal schauen möchte, wohin sich der Plot entwickelt.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich brauche eine gewisse Planung oder zumindest eine Linie, anhand derer ich mich beim Schreiben orientieren kann. Einfach ins Blaue hineinzuschreiben funktioniert bei Experimenten oder kürzeren Geschichten, langfristig kopfloses Schreiben hingegen führt meiner Meinung nach zu schnell in Widersprüche, Sackgassen und unlogische, der Spontaneität verschuldete Plottwists. Mit Sicherheit kann man eine Geschichte nicht von A-Z durchplanen, dafür ist das Schreiben ein zu dynamischer Prozess. Jeder, der etwas längere Sachen geschrieben hat, weiß, dass Charaktere ein Eigenleben entwickeln und manchmal völlig andere Richtungen einschlagen als jene, die man für sie vorgesehen hat. Ideen sind nicht nur im Vorfeld einer Geschichte vorhanden, sondern streuen sich immer mal wieder im Schreibprozess selbst ein. Mir ist es schon oft passiert, dass ich ganze Kapitel umwälzen oder aber einzelne Handlungsstränge umsetzen musste, damit ich noch einzelne Einfälle unterbringen konnte.

Mag sein, dass eine absolute Vorabplanung funktioniert, aber ich lass mir gern noch Schlupflöcher dazwischen frei, um mich nicht zu fest an einen steifen Plot binden zu lassen. Ich brauche eine flexible Linie, die ich schon mal nach Belieben biegen und verdrehen kann. Recherchiere ich mich vorab z.B. um den Verstand, pack ich die Möglichkeiten eines Plots in Schubladen und versteife mich zu sehr auf eine Sache, lasse mir nicht den kreativen Freiraum, den ich brauche.

Das Erste, was mir bei einer neuen Geschichte im Kopf an Ideen festsetzt, ist zumeist der Anfang oder eine einführende Sequenz. Manchmal ist es sogar nur ein Bild, ein Ausschnitt aus einem großen Mosaik. So war auch eine bestimmte Szene Ausgangspunkt für das kleine romantische Intermezzo, das mir im Moment keine Ruhe lässt. Aber ich fange grundlegend nicht richtungslos zu schreiben an. Ich mache mir (manchmal nur gedankliche) Stichpunkte und erstelle mir daraus eine Plotlinie, in der ich alle Elemente unterbringe, die mir durch den Kopf gehen. Ich bin da gern mal vergesslich und bevor ich einen wirklich guten Einfall vermodern lasse, halte ich ihn lieber für den Moment fest. Verwerfen kann man später immer noch, am Anfang heißt es erstmal Sammeln und Hamstern, grob festhalten, um es zu gegebenem Zeitpunkt zu vertiefen und auszubauen.

Das hab ich eben auch für mein freies Werk getan. Ich gehe dabei gern tabellarisch vor. Links Zeitlinie, rechts Handlung. Dabei hab ich nicht nur festgestellt, dass es doch eine längere Angelegenheit werden könnte (ich steh nicht unbedingt auf "kam, sah, liebte" mit vorhersehbarem und vor Kitsch triefendem Allround-Happy-End, auch Romanzen brauchen Höhen und Tiefen, sonst könnte ich glaub ich auch die Drei-Seiten-Schmonzetten in den Zeitschriften meiner Oma konsultieren). Da kommen zwei unschönere Kernthematiken mit rein, die sich nicht mit 1, 2 Kapiteln abhaken lassen.

Für das meiner Meinung nach fiesere Thema hab ich schon recherchiert, das ist ein recht sensibler Punkt, mit dem ich mich einfach umfassender auseinander setzen muss, damit dieser Aspekt der Geschichte nicht nur wie Mittel zum Zweck wirkt, sondern ungeachtet der Protagonisten die Hauptaufmerksamkeit bekommen wird, wenn es soweit ist. Ich mag es nicht, wenn unbequeme Themen als Aufhänger für völlig einfallslose Zuckerwattenromantik hinzugezogen werden und dadurch abgemildert oder gar verharmlost werden. Paradebeispiele wären da z.B. Todesfälle, Vergewaltigungen, suizidale Tendenzen, Drogenmissbrauch oder psychische wie auch physische Misshandlung. Wenn man einen allgemeinen Querschnitt in Fanfictions und freien Werken macht, ist es nahezu die Regel, dass eines dieser Traumata verarbeitet wird. Ist ja auch völlig legitim, es ist auch nicht richtig, schwierige oder anrüchige Themen totzuschweigen, aber wenn man sich ihrer annimmt, gehört einfach Taktgefühl und Hintergrundwissen dazu. Anders gehts meiner Meinung nach nicht, da ist Fingerspitzengefühl unbedingt notwendig. Daher mag ichs nicht, wenn solche brenzligen Themen nur dazu "benutzt" werden, um einen Charakter interessanter zu gestalten oder eine bestimmte Plothandlung zu erzwingen. So ein Thema braucht Platz und kann nicht in zwei, drei Nebensätzen abgehandelt oder stereotypisiert werden.


Also muss schon mal Platz her. Demnach wird die Kapitelanzahl wahrscheinlich nicht auf 20 oder 30 beschränkt sein und der zeitliche Rahmen muss sich entsprechend dehnen lassen. Ich halte keine strenge Datumsvorgabe ein, orientiere mich mehr an groben Zeiträumen, aber es könnte schon etwas üppiger werden. Gerade wenns realistisch bleiben soll.

Um noch mal auf die spontanen Eingebungen zurückzukommen - so eine hatte ich heute und die wird das Ende noch einmal auf den Kopf stellen und für einen (für romantische Verhältnisse) dramatischeren Showdown sorgen. Also ohne Knall und Peng und Explosionen (auch wenn ich die sicher vermissen werd :P). Und Enden sind so ein Punkt, für den ich mir auch gern kreativen Raum lasse. Manchmal habe ich so viele alternative Enden im Kopf, dass es mir schwerfällt, mich für eine Variante zu entscheiden. Aber ich denke, die, die ich heute konstruiert und in mir in Ansätzen notiert hab, dürfte zum geplanten Charakter der Geschichte passen. Der wiederum ist doch ein bisschen heiterer. Nicht so beinahe parodistisch komisch wie Mad Season; ich denke, einfach reifer, mit ernsten, etwas melancholischen Zwischentönen, ohne dabei depressiv oder emo zu wirken. Hoffe ich :P.

Planung die Dritte: Kapitel. Wie gesagt, die Anzahl mag ich nicht prophezeien, das ist etwas, das ohnehin nur beim Schreiben funktioniert, wenn man weit genug in der Handlung drin ist, um erste Schätzungen zu äußern. Ich lasse mich ungern vorher in fixe Rahmen und Formen pressen, setze mir da einfach keine Limits. Auch wenn Leser vielleicht kürzere Geschichten um die 15-25 Kapitel bevorzugen mögen, mag ich meine Plots nicht beschneiden, nur um sie angenehmer für den Massenkonsumenten zu gestalten. Es muss stimmig sein, das ist alles.

Was Kapitellängen angeht, bin ich etwas bedachter darauf, einen Rahmen einzuhalten. Vorab lege ich mir keine Messlatte. Ich muss anfangen und schauen, wie viel in einem Kapitel herauskommt. Und daran orientiere ich für gewöhnlich die Längen für weitere Kapitel. Extreme Schwankungen über 2000 Wörter Unterschied zwischen einzelnen Kapiteln möchte ich eher vermeiden, dann verschiebe ich doch eher Inhalte oder setze zur Not nen Cut. Wenigstens da sollte eine gewisse Gleichmäßigkeit vorherrschen. Mein Schmonzettchen beläuft sich momentan auf etwa 5500-6000 Wörter lange Kapitel. Ist eine solide Länge, denke ich, nich zu lang, nicht zu kurz, genug Raum für Handlung. Mehr will ich gar nicht. Obs am Ende die gefühlte leichte Kost wird, die sich zwischen Tür und Angel lesen lässt, wird sich zeigen. Eines nach dem anderen.

Hoppla, das ist doch länger geworden als gedacht. Na ja, was hab ich gerad zur Planung gesagt? Sie ist ein guter Ansatz, aber selten 1:1 durchzuführen ;)

Bis dahin gibt es noch genug zu schreiben. Ich wünsche ein produktives Wochenende!


Stoffi

Dienstag, 25. August 2009

Hobby und Profession


Dass ich Autoren bewundere, die sich an eigene Sachen wagen, ist hinlänglich bekannt. Alle, die die Disziplin, Übersicht und Sorgfalt besitzen, eine eigene Welt auf die Beine zu stellen, haben meinen Respekt verdient und ich denke, es haben nicht wenige das Potential, etwas aus ihrem Talent zu machen.

Was mich jedoch seit Längerem erstaunt, ist der Zugzwang, sich Verlagen anbieten zu müssen. Immer häufiger stolpere ich über Profile oder Autorenseiten, in denen die Veröffentlichung des eigenen Werks proklamiert wird. Da stutzt meine-eine schon mal ehrfürchtig, aber auch nur solange, bis ich hinter die Fassade geschaut habe. In 90% aller Fälle bin ich auf Autoren gestoßen, die bei einem Verlag angeheuert haben, der gar keiner ist. Denn äugt man auf diversen Verlagshomepages hinein und liest das Kleingedruckte für die Bedingungen zur Manuskripteinsendung, wird schnell deutlich, dass der Autor stellenweise selbst für die Finanzierung der Verlegung aufkommen muss. Und das ist nicht Sinn und Zweck der Sache. Wird ein Manuskript bewilligt, sorgt der Verlag für Herstellung, Druck und Finanzierung, das Urheberrecht des Autors wird sozusagen aufgekauft. Alle Verlage, die eine Eigenfinanzierung einfordern, können nicht die seriösesten Anlaufstellen sein, um sein Werk publik zu machen.

Warum wählen aber immer mehr Hobby-Autoren diesen Schritt zur Publikation? Mir schwant, es ist zurzeit ein echter Trend, professionelles Veröffentlichen ins Auge zu fassen, teilweise sogar um jeden Preis (im wahrsten Sinne des Wortes). Aber warum? Nur um die eigene Geschichte im Bücherregal stehen zu haben? Ich kann diesen kleinen Traum eines jeden Schreiberlings nachfühlen, der mit Herzblut an die Sache rangeht, aber ist so ein Weg nicht eher die erkaufte Befriedigung eines unstillbaren Geltungsbedürfnisses?

Ich selbst hab noch nie über etwas derartiges nachgedacht, muss ich gestehen - um Himmels Willen, da müsste ich erstmal was schreiben, was auch was taugt, ganz zu schweigen von einem Original - aber ich bekomme hier und da mit, wie verbissen nach Verlagen gesucht wird, um den großen Traum der Schriftstellerei zu erfüllen. Ich möchte diesen Traum nicht kleinreden, aber realistisch betrachtet werden in der Regel aus 1000 unverlangt eingesandten Manuskripten etwa 1-2 am Ende tatsächlich für eine Publikation in Frage kommen. Dabei kommt es nicht nur auf Inhalte an, denn ein Großteil an Manuskripten schafft es nicht mal bis ins Lektorat, wenn gravierende Formfehler vorherrschen. Einige Autoren legen da eine Verbissenheit und einen Ehrgeiz an den Tag, der mich staunen lässt. Ob es nun ein Kampf für den eigenen Traum oder eher einer gegen Windmühlen ist, sei mal dahingestellt.

Die, die es am Ende schaffen, nicht über einen Selbstverlag zu publizieren, können getrost stolz auf sich, ihre Ausdauer, Beharrlichkeit und Disziplin sein, aber schaut man andererseits auf den Büchermarkt und auf das, was so manches Mal die Bestsellerlisten angeführt hat, kommt bei mir die Frage auf, ob es so erstrebenswert ist, dort wirklich dazugehören zu wollen. Schriftstellerei ist nichts, womit man sein tägliches Brot verdienen kann, es sei denn, man hat einen Bestseller á la J.K. Rowling verfasst. Nüchtern betrachtet ist das aber eher die Ausnahme und ich glaube, daran denken die Wenigsten. Man kann sich durch einen Zufall etablieren, oder aber durch jahrelange harte Arbeit; aber ich will die Zahl jener Autoren, die das Zeug zum Publizieren haben, es aber nie geschafft haben, gar nicht wissen. Das dürfte der wesentlich größere Teil der Autoren sein.

Hm, der Eintrag mag recht pessimistisch angehaucht sein oder so wirken. Ich will niemandem den Wind aus den Segeln nehmen, da es meiner Meinung Mut kostet, sich ernsthaft an (nicht nur) einen Verlag zu wenden, aber genauso oft stolpere ich über Möchtegern-Autoren, die sich für die Offenbarung halten und dumm genug waren, der Eitelkeit wegen ihre Finanzen für einen Selbstverlag auf den Kopf zu stellen. Wer sich traut - schön und gut, aber viele Reviews oder eine große Anhängerschaft an FF-Lesern ist noch lange kein Garant dafür, dass man auch wirklich gut ist. Und - selbst wenn man gut ist, ist es zweifelhaft, ob es gerade das ist, wonach der Markt verlangt.

Ich verstehe nicht ganz, warum das Schreiben für so viele nicht einfach Hobby bleiben kann. Warum da immer im Hinterkopf der Gedanke herumspukt: Ich muss ein Buch schreiben, ich muss viel Geld damit verdienen und das allen unter die Nase reiben können. Natürlich war irgendwann selbst der renommierteste Autor ein blutiger Anfänger mit Träumen vom großen Prestige - aber wie gesagt, es sind Ausnahmeerscheinungen, denen der Schritt wirklich glückt. Da genügt es in den seltensten Fällen, einen Hit zu schreiben und sich jahrelang auf den Tantiemen auszuruhen. Man lese nur "On Writing" von Stephen King. Der Mann hat nicht einfach so aus dem Blauen heraus geschrieben, er schildert in diesem teils biografischen Werk den harten Werdegang zu dem Schriftsteller, der er jetzt ist. Es mag mir nur so vorkommen, aber ich hab den Eindruck, dass viele im Bezug auf diesen Berufszweig eine rosarote Brille tragen und von der Härte des Geschäfts erst Wind bekommen, wenn die ersten Absagen von Verlagen eintrudeln.

Letztlich muss jeder selbst wissen, was er sich zutraut und was nicht. Man muss keine Reinkarnation von Goethe sein, um publiziert zu werden, was die Bestsellerlisten vergangener Jahre eindrucksvoll beweisen, daher hat rein theoretisch selbst der dämlichste Text irgendwo eine Chance (ich erinnere an Frau Roches Hommage an menschliche Ausdünstungen und Exkremente). Ich allerdings wäre für meinen Teil schon glücklich, wenn das künftig die Ausnahme bliebe.

So viel zu meinen mittäglichen Gedanken. Ich bin dann mal weg, es gibt noch einiges zu erledigen.

Stoffi

Sonntag, 23. August 2009

Eine Epiphanie, bitte!


So oder ähnlich könnte man die letzte Nacht beschreiben. Um 4 war die nach wenigen Stunden Schlaf schon wieder zu Ende, Anlass dafür gab ein hübsches Alpträumchen, das mir ganz schön die Pumpe gehen ließ. Notiz am Rande: sowas hab ich selten. Wenn ich schlecht träume, kann ich mich am nächsten Morgen meist nicht mehr dran erinnern. Aber das...wow, das hat sich eingebrannt wie ein ein glühendes Eisen, das man damals Kühen in den Hintern zu rammen pflegte. Und es war so schrecklich inspirierend, dass ich glatt mein Werkzeug rausgeholt und bis in die Morgendämmerung geschrieben hab. Ja, es ist einiges Wirres bei rausgekommen, das ich mit Sicherheit noch streichen werden muss, aber der Grundgedanke zählt...und er ist hässlich. Ich merke, dass die Arbeit an "One" zäher voran geht als meine übrigen Dark Knight Stories, aber das ist in Ordnung so. Da muss mehr Sorgfalt her, jedes Wort will bedacht gewählt werden. Es frustriert mich nicht, dass es keine Akkordarbeit wird, vielmehr entspannt es mich, es ist ein durchdachtes, bewusstes Schreiben, im Moment weniger Wahn als sonst. Ob das besser ist, müssen letztlich die entscheiden, auf die ich den Schund irgendwann loslasse.

Bei ZeitLos läuft es ebenfalls solide. Ich bin guter Dinge, Kapitel 5 heute oder morgen zu beenden, für Kapitel 6 hab ich Dank Logan, dem fiesen Drecksack, eine wunderbare Idee und Pyro bekommt auch endlich was zu tun. Noch ist alles recht undurchsichtig, glaub ich. Aber das ist in Ordnung. Erhellende Momente streue ich wohldosiert ein. Zumindest ist das der Plan. Logan macht mir gerad ungeheuer Spaß, auch wenn er im nächsten Kapitel recht fies zu Werke geht. Aber der Kerl ist schließlich nicht unbedingt für seine netten und weichen Charakterzüge bekannt.

Ich merke, dass beiden Stories eine andere Herangehensweise zugrundeliegt, und in gewisser Weise auch ein anderer "Stil". Ich glaub, aus meiner "Haut" kann ich stilistisch gesehen nicht mehr heraus, da hat sich zu viel eingebürgert. Aber es ist ein anderes Schreiberlebnis. Keine Ahnung, wie ich es beschreiben soll. "One" zu schreiben ist ein bisschen so, als würde man es bei aller Sorgfalt nicht selbst zu Papier bringen. Ein bisschen unheimlich, das Ganze. "ZeitLos" erfordert wiederum eine ganz andere Taktik, allein schon perspektivisch gesehen, da ist die Charakterfülle schon eine kleine Herausforderung. Ich hab kein so weit gefächertes Charakterensemble wie z.B. Stormy, aber stoße hier schon an meine Grenzen, allen wenigstens ein wenig Platz einzuräumen. Wird sich zeigen, wie sich das entwickelt, im Moment muss ich ein wenig aufpassen, dass in Westchester keiner zu isoliert unterwegs ist. Jean Greys vermeintliches Ableben hin oder her, deswegen ist das immer noch ne Schule und kein permanentes Trauerhaus.

In der kommenden Woche stehen viele Termine an, aber für ein paar Zeilen sollte dennoch Platz sein. Wir werden sehen. Ich wünsche einen schönen Sonntagabend, wer auch immer das hier liest.

Stoffi

Donnerstag, 6. August 2009

Schwarzmalerei


Gestern ist mir mal wieder mehrfach ins Auge gestochen, was längst kein neues Thema mehr ist und doch so ziemlich jeden von uns beschäftigt. "Schwarzleser" ist ein Begriff, der einem bei der täglichen Visite zahlreicher FF-Archive unweigerlich ins Auge sticht, sei es bei der Betrachtung von Autorenprofilen, als Anmerkungen in Vor- oder Nachworten diverser Geschichten, natürlich auch in Blogs. Sicherlich sind so genannte "Schwarzleser" die natürlichen Feinde des veröffentlichenden Hobbyautors, weil dieser durch Statistiken, über die jedes größere Archiv verfügt, Klickzahlen registriert, die oft in solchen Mengen auftauchen, dass mit Sicherheit einige Klicks von stillen Lesern stammen müssen.

Aber ich frage mich, ob es so korrekt ist, so ein Leseverhalten als "Schwarzlesen" zu bezeichnen. Denn...es scheint vom Begriff "Schwarzfahrer" abgeleitet zu sein, der ohne die erforderliche Zahlung eines Fahrtickets öffentliche Verkehrsmittel nutzt. Es ist weithin bekannt, dass man verpflichtet ist, einen gewissen Betrag zu zahlen, um diese Verkehrsmittel nutzen zu können, aber kann man das wirklich so ohne Weiteres auf das Lesen von Geschichten übertragen? Wo steht geschrieben, dass sich der Leser verpflichten muss, Feedback abzugeben? Nirgends. Es ist schlichtweg ein Akt der Höflichkeit und Fairness, Texte, die man intensiv liest, mit Kritik oder Lob zu kommentieren, aber kein fest geschriebenes Gesetz.

Ich selbst bin kein Fan von stillen Lesern, weil ich einfach denke, dass die Ausrede "ich weiß nicht, was ich zu dem Text sagen soll" nicht zieht. Jeder, der genügend Gedanken beisammen hat, um einen komplexen Text wirklich zu lesen, macht sich zwangsläufig dabei Gedanken, zumindest ist das wünschenswert. Das Gleiche gilt für Zeitaufwand: wer Texte lesen, ja, vielleicht sogar verfolgen kann, findet bestimmt auch die fünf Minuten, etwas dazu zu äußern. Nicht jede Review muss eine seitenlange Literaturkritik sein. Ich habe mich oft genug über diesen Zustand beschwert, aber Fakt ist, dass alles Wettern und Schimpfen nicht hilft, dass der Leser immer noch selbst kommentieren wollen muss. Und wenn ich auf manchen Profilen lesen muss, dass es jetzt sogar schon Vereinigungen gegen Schwarzleser gibt oder offene Hassparolen gegen diese Form von Lesern losgetreten werden, kann ich leider nichts anderes als grinsen. Denn...wie wollt ihr bitteschön an diesem Leseverhalten etwas ändern? Wer fühlt sich ernsthaft bedroht, wenn drin steht: "Ich hasse Schwarzleser abgrundtief"...ich meine...wen juckt das? Jemand, der sich noch nie bei irgendjemanden zu Wort gemeldet hat, wird es auch weiterhin nicht tun; im Gegenteil, der wird sich vielleicht gerade denken: "Pff, dann bleib doch, wo der Pfeffer wächst und sieh zu, wer irgendwann noch liest"

Ich weiß nicht, ob es Administratoren möglich ist, Leser zu tracken, aber selbst wenn ist es doch kein Strafdelikt, nicht alles zu kommentieren, was einem unter die Augen kommt. Wie gesagt, ich kann jeden verstehen, den es frustriert, wenn er sieht, dass die Klickzahlen in die Tausende gehen, aber Reviews recht mager ausfallen, aber ich sehe keine realistische Lösung für das Problem. Mich persönlich nervt es irgendwann, wenn Autoren Anmerkungen, Vor- und Nachworte nur für die Bitte um Reviews benutzen und das in jedem Kapitel. Am skurrilsten find ichs, wenns von Autoren kommt, die einen festen und konstanten (!) Leserstamm von 3-4 Leuten haben. Das ist mehr, als manch anderer jemals bekommt. Ganz zu schweigen davon, dass ichs auch schon bei Leuten gesehen habe, deren Ausbeute noch dicker ist. Wahrscheinlich ists in dem Falle dann eher der Größenwahn als nachvollziehbare Frustration. Ich glaub, man muss einfach akzeptieren, dass ein Großteil aller Leser "schwarz" liest und einfach an deren Höflichkeit appellieren, anstatt sie zu verteufeln.

Ich reviewe bei weitem nicht alles, was ich lese, aber auf jeden Fall das, bei dem ich länger als nur ein paar Kapitel hängen geblieben bin. Und den Schwarzleser verteufelnden Autor will ich sehen, der selbst alles kommentiert, was ihm unter die Finger kommt. Das eigene Verhalten berachten, bevor man über das anderer herzieht. Aber das ist ein Teil von Selbstkritik und zu der sind bekanntlich nicht alle fähig. Leider.

Wird ein Schwarzfahrer in der Bahn ertappt, wird ihm ein Bußgeld angehängt und der Schwarzfahrer womöglich noch in der betreffenden Station rausgeschmissen. Outet sich jedoch ein Schwarzleser, wird demnach als Leser "erwischt", wird er umjubelt und mit Dank überschüttet. Ganz klar. Wer freut sich nicht über "neue" Gesichter? Also hinkt der Begriff nicht nur auf eine Weise, sondern gleich auf mehrere. Alles Jammern hilft nicht und ich finds einfach unmöglich, wenn sich permanent über eine Sache beschwert wird, an der man nichts ändern kann, an der man selbst schon nichts ändert, indem man selbst Unmengen an Geschichten "schwarz" liest. Ich freue mich über jeden, der sich zu Wort meldet, der sagt "Hallo, hier bin ich"...denn ich bin nach wie vor der Meinung, dass es gerade Anfänger entmutigt, wenn keine oder nur sehr wenig Resonanz auf die veröffentlichen Texte kommt. Aber man sollte über all den Frust nicht die vergessen, die einem noch Kommentare dalassen oder da gelassen haben. Mit so einem Verhalten stößt man die auch nur noch vor den Kopf, wenn Sprüche kommen wie "Ich lade das nächste Kapitel erst hoch, wenn ich x Reviews bekommen hab". Denn ich persönlich würde mir, wenn ich regelmäßig diese Story reviewe, an so einer Stelle denken: "Mach doch deinen Scheiß alleine".

Nein, auch ich habe keine Idee, wie man das Problemchen zu aller Zufriedenheit lösen könnte. Vielleicht, indem man Reviews ganz abschafft, aber dann würde irgendwann keiner mehr veröffentlichen und dann gäbs irgendwann sowas wie Fanfiction im Internet gar nicht mehr. Man kann Feedback nicht erpressen, und wenn man es erpresst, kann man unterm Strich nicht stolz drauf sein. Oder aber man sollte Statistiken abschaffen. Denen kann man laut Churchill ohnehin nur trauen, wenn man sie selbst gefälscht hat. Favoriteneinträge und Klickzahlen sind keine realistischen Hinweise darauf, wie viele Leute deine Geschichte wirklich lesen und wer sie nur vorgemerkt hat und am Ende nicht mal anschaut. Es ist nur eine weitere Stufe für den Wettbewerb, für den "Schwanzvergleich", aber es sind unterm Strich nur Zahlen. Was zählt, sind die Aussagen, die man wirklich daraus gewinnt.

Heut war ein hektischer Tag, das Schreiben verlege ich auf den Abend und die Nacht und heute will ich auch endlich diese elende Episode zu einem Ende bringen. Man sollte nicht zu viel erwarten, Nerven hats mich zur Genüge gekostet.

Macht euch einen schönen Abend!

Stoffi