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Samstag, 24. Oktober 2009

Erklärungsnot


Beim Schreiben kommt es ja doch mal häufiger vor, dass man sich in spezielle Gefilde begibt, die entweder Fachwissen oder Verständnis für entsprechende Abläufe/Mechanismen bedürfen, um eine glaubwürdige Darstellung im fiktiven Kontext zu garantieren. Der Autor hat dafür bekanntermaßen Recherche zu betreiben oder aber ist glücklich genug, entsprechendes Wissen aus eigener Lebenserfahrung angesammelt zu haben. Den Punkt Recherche habe ich hier schon mal zerpflückt, aber nicht vom Standpunkt des Lesers aus.

Neulich stolperte ich über einen Fachtext für Übersetzungsstrategien und sah, dass sich der Übersetzer, um in der Zielsprache nicht existente Fachtermini zu erklären oder aber auf kulturspezifische Andeutungen im Quelltext hinzuweisen, der berühmt-berüchtigten Benutzung von Fußnoten bedient hat. Das hat er dann aber derart inflationär betrieben, dass die Fußnoten teilweise 50% der Seite eingenommen haben. Ich will aber, wenn ich einen Roman oder eine Fanfiction lese, die Geschichte lesen, nicht ergänzende informative Anmerkungen. In einem Roman stolpert man über so etwas sicherlich äußerst selten, und wenn, dann häufiger in Übersetzungen, die den Spagat meistern müssen, wenn etwas in der Quellsprache vorhanden ist, das die Zielsprache nicht hergibt (nehmen wir zum Beispiel die höfliche Anrede im Deutschen, die es im Englischen pronominal nicht gibt - man kennt ja das verkorkste Beispiel "you can say 'you' to me"), ich glaube, in "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" findet man die Anmerkung im englischen Text.

In Fanfictions ist das Ganze noch problematischer, da man nicht seitenweise veröffentlicht und demnach keine Fußnoten im wörtlichen Sinne einfügen kann. Und welcher Leser mag es schon, wenn Sternchen andeuten, dass es noch eine Erklärung zum Inhalt oder gewählten Ausdruck gibt, diese dann am Ende des Kapitels stehen und man gezwungenermaßen zum Hin- und Herspringen im Text genötigt wird? Ich streue ergänzende Informationen äußerst selten ein; nötig war es hier und da in meinen HdR-Schmonzetten, da ich mich des Sindarins bedient hatte und dementsprechende Übersetzungen nötig waren, um Verständnis zu ermöglichen.

Aber wie sieht das generell aus? Wie viel Wissen darf man als Autor beim Leser voraussetzen? Gerade in der Belletristik geht es darum, zu unterhalten, nicht primär zu belehren und den Leser auf die Schulbank zu zwingen. Erklärungen kann man natürlich geschickt in den Fließtext einstreuen, durch Beschreibungen diverse Praktiken illustrieren und Wissen vermitteln. Aber gerade in sehr politischen oder juristisch angehauchten Texten Marke Grisham oder Clancy mag es schwierig erscheinen, den Leser nicht zu sehr zu belehren oder aber mit Fachwissen zu überschwemmen. Hier könnte man natürlich argumentieren, dass entsprechende Genres eben ein entsprechendes Publikum haben, das mit dem Vokabular oder den geschilderten Umständen vertraut ist. Aber der Büchermarkt und die dort repräsentierten Genres existieren nicht getrennt voneinander; einen Grisham haben sicherlich hunderte oder tausende von Lesern verschlungen, die keinerlei Ahnung vom Rechtswesen (in den USA) haben. Man kann also nicht einfach eine Käseglocke über den Text stülpen und meinen, er würde ohnehin nur von denen gelesen werden, die ihn sicher irgendwie verstehen.

Ich erinnere mich, vor Jahren ein Robin Cook Buch gelesen zu haben und mich irgendwann überfordert von den medizinischen Termini gefühlt zu haben. Zu fachspezifisch, fast schon zu unnahbar für den Leser. Der Belletristikautor schreibt keine Fachbücher, sondern sinngemäß "schöngeistige Literatur". Ich glaube, es fällt Autoren, deren Tätigkeitsbereich vor dem Beginn der Autorenkarriere andernorts angesiedelt war, schwer, dieses Wissen als nicht selbstverständlich anzusehen. Natürlich sind übermäßig lange Erklärungen ermüdend und bremsen den Fluss einer Story aus, aber den Leser kann man andererseits auch nicht völlig im Dunkeln stehen lassen.

Wieder einmal bietet sich die goldene Mitte an. Aber wie sieht sie aus? Und merkt man als Autor selbst, dass man über die Stränge schlägt? Gut, dass professionelle Autoren immer noch die lieben Korrektoren und Lektoren haben, die sich ihrer annehmen. Im Fanfictionbereich sieht das schon mal anders aus, da nicht jeder einen Beta hat, der zudem noch ein Auge für solche Angelegenheiten hat. Balance ist wie so oft das Ideal, aber jeder, der schon mal auf einer schmalen Brüstung entlang gelaufen ist, weiß, dass es manchmal schwierig sein kann, das Gleichgewicht zu halten.

In diesem Sinne, macht euch einen schönen Abend und vergesst nicht, morgen früh an der Uhr zu drehen!

Stoffi

Donnerstag, 10. September 2009

Alles eine Frage der Perspektive


Ich erinnere mich noch recht deutlich daran, wie meine Deutschlehrerin in der fünften Klasse meinen Mitschülern und mir zum ersten Mal das Konzept des "kreativen Schreibens" nahezubringen versuchte. Zuvor habe ich auch schon meine superspannenden Schildkrötengeschichten und Weltraumabenteuer einer Crew (Ähnlichkeiten zu meinen damaligen Schulkameraden waren natürlich reeeein zufällig ;)) zusammengesponnen, aber das Ding hatte für mich keinen Namen. Ich hab irgendwann einfach angefangen. Jedenfalls endete unser erster Ausflug ins Land der Fantasie damit, dass wir alle ein Märchen schreiben sollten. Dabei kreisen mir immer noch die Faustregeln zum Verfassen eines Prosatexts im Kopf herum: Erzählzeit Präteritum, eine feste Erzählperspektive und nach Inhalt gliedernde Absätze.

Heute frag ich mich manchmal noch, ob man sich wirklich daran halten muss. Immer öfter stolpere ich über Fanfictions, die im Präsens geschrieben sind. Oder die permanente Perspektivwechsel drin haben, oder aber auch zwischen verschiedenen Tempora hin und her springen. Es gibt keine Gesetze, wie ein Text geschrieben sein sollte; was ich mir als Leser allerdings wünsche, ist Konstanz. Kein permanentes Hin und Her, Perspektivensprünge, bei denen ich nicht mehr weiß, ob gerade A oder B spricht (von den hübschen ***POV Harald*** - Einschüben mal ganz abgesehen), oder gar willkürliche grammatikalische Zeitreisen.

Ich muss gestehen, ich finde es unglaublich schwer, einen Text im Präsens zu schreiben. Nicht, weil das erzähltechnisch unmöglich für mich ist, sondern weil ich viel zu lange schon im Präteritum schreibe. Ich entsinne mich daran, wie ich damals "Wer nicht wagt..." geschrieben habe, ein kurzes Episödchen über Joaquin Phoenix. Ich-Perspektive, Präsens. Ich bin immer wieder ins Präteritum abgedriftet und musste ein halbes Dutzend mal drübergehen, bis ich auch alles auf Präsens abgeändert hatte. Warum also Präsens wählen? Nun, weil es durchaus an manchen Stellen spannend sein kann und atmosphärisch verdichtet. Der Leser hat noch ein stärkeres Gefühl, hautnah dabei zu sein. Besonders bei Action-Sequenzen ist mir das öfters aufgefallen.

Ich bevorzuge allerdings beim Lesen wie auch beim Schreiben das Präteritum. Keine Ahnung, wieso. Ich merke nur, dass ich automatisch Präteritum lese, obwohl da Präsens steht. Irgendwie mag sich die fiktionale Abteilung meines Hirns, die für Fantastereien jeglicher Art zuständig ist, nicht damit anfreunden. Insbesondere eben nicht, wenn mittendrin plötzliche Sprünge und Wechsel kommen. Ist was anderes, wenns speziell gekennzeichnet ist - meinetwegen kursiv für Erinnerungen, Gedanken - aber wenn abrupt im Erzählfluss gewechselt wird, irritiert es mich. Ganz selten hab ich auch mal gesehen, dass die Erzählperspektive mehrfach gewechselt wurde. Jetzt nicht auf personaler Ebene (wie ich oben bereits anmerkte: "POV Harald"), sondern wirklich die ganze Palette durch: Ich-Perspektive, auktorial, personal...das find ich irgendwann einfach schwierig zu lesen. Irgendwie hab ich dann auch das Gefühl, dass der Autor selbst nicht recht weiß, was er jetzt wie erzählen möchte.

Noch seltsamer find ichs, wenn die Ich-Perspektive reihum geht. Also so nach dem Motto: In jedem Absatz ist das Ich ne andere Figur. Wenn man sich schon für die erste Person entscheidet, sollte man auch konsequent genug sein, sie auf eine Person zu beschränken und durchzuziehen. Das ist nicht immer einfach, gerade wenn man mal die Gefühle oder Gedanken eines anderen Charakters zur Geltung bringen will, aber das muss man dann in Kauf nehmen.

So offen ich für Experimente und Stilbrüche auch bin, aber Tempus und Perspektive sind zwei Sachen, bei denen ich gern n bisschen Stabilität haben möchte. Für mich ist das das Fundament einer Geschichte, der Rahmen, der alles irgendwo in Ordnung und beisammen hält. Als Leser wirft mich sowas einfach raus, so leid es mir auch tut. Nichts gegen Flashbacks, mit denen arbeite ich selbst gern, ich meine halt den erzählten Text als Ganzes. Da sollte irgendwo ne klare Linie und formale Struktur gegeben sein. Einen POV-Wechsel sollte man glaub ich auch ohne dicke Anmerkung erkennen und herauslesen können (sofern die Geschichte nicht in der 1. Person erzählt wird, dann ist das wieder ne andere Kiste). Generell hab ichs gern, wenn die Ich-Perspektive an einem Chara hängen bleibt, so viele Nachteile das auch mit sich bringen mag, aber es macht meiner Meinung nach keinen Sinn, bei ner Ich-Perspektive ständig zu wechseln. Dann kann ich gleich nen personalen oder auktorialen Erzähler wählen.

Ich überlege selten vorher, aus welcher Perspektive ich eine Geschichte erzählen will/soll. Es muss passen, sich stimmig genug schreiben lassen. Daher gibt es kein "Richtig" oder "Falsch", kein "Gut" oder "Schlecht" in Sachen Perspektive; ich denke, man sollte sich als Autor hauptsächlich beim Erzählen wohlfühlen. Wenn man das tut, kommts zumeist auch beim Leser gut an, ist zumindest mein Erfahrungswert. Sobald man beim Schreiben anfangen muss, richtig zu überlegen und nachzudenken, fehlt es dem Text an gewissem Fluss. Ich merks zumindest bei mir, dass ich oft Passagen verwerfe, die nur sehr zäh von der Hand gehen.

Wie so vieles sind diese beiden Aspekte Geschmackssache. Wie der eine lieber Schnulzen liest und der andere eher Krimis, so geht der eine in der Ich-Perspektive auf, die der andere wiederum tunlichst meidet. Das Gute am weiten Feld der Fikion ist, dass für jeden etwas dabei ist. ;)

Bei meiner kleinen Schmonzette hab ich mich wieder für die personale Variante entschieden. Da gibt es lediglich klar abgegrenzte Wechsel zwischen Robyn und Finn, wobei ich mich noch nicht entscheiden kann, welche Sichtweise die interessantere ist. Es sind zwei völlig unterschiedliche Lebenswelten, die da kollidieren, unterschiedliche Ansichten und Wahrnehmungen des anderen. Es ist spannend, damit zu experimentieren und einige Szenen aus anderen Winkeln zu beleuchten, auch wenn ich es vermeide, die gleichen Szenen mit einer anderen Perspektive aufzuwärmen. Das dürfte den Leser irgendwann langweilen, glaub ich.

Kapitel 6 steht in den letzten Zügen, ich gedenke es nachher noch zu beenden. Ist es eigentlich schlimm, wenn nach 6 Kapiteln noch keine sichtbaren Funken gesprüht sind? Ach, ich weiß, Romanzen und ich...wir brauchen viel Zeit.

Macht euch einen schönen Abend!


Stoffi

Sonntag, 6. September 2009

Große Erwartungen...


...traue ich mich gar nicht mehr zu hegen und ich glaube, das ist auch besser so. Wovon ich rede? Von Veröffentlichungen in neuen Fandoms/Genres. Ich glaube, man hegt immer automatisch eine gewisse Erwartungshaltung, wenn man sich traut, eine Geschichte auf die Öffentlichkeit loszulassen, was Feedback angeht. Zumindest erhofft man sich überhaupt irgendeine Resonanz, eine Reaktion, sei sie nun überwiegend kritisch oder lobend. Mir kann keiner erzählen, dass er's nur zur Belustigung der Leute online stellt. Ich teile mich doch mit, um ein Echo auf meine Texte zu bekommen, um in Erfahrung zu bringen, was ich besser machen und was vielleicht schon in Ordnung so ist.

Fanfiction ist nun mal ein sehr interaktives Medium, dessen Möglichkeiten man bestmöglich nutzen möchte. Aber kann man wirklich erwarten, dass man gelesen wird? Es vielleicht sogar voraussetzen? Ich muss sagen, ich bin da sehr vorsichtig geworden. Nur weil man in einem Fandom erfolgreich war, heißt das noch lange nicht, dass man überall die Offenbarung ist oder auf ähnliche Resonanz stößt.

In gewisser Weise fängt man bei Null an, sieht sich neuen "Kollegen" gegenüber, die vielleicht mit einer ganz anderen Qualität aufwarten können als die übrigen Mitstreiter in einem anderen Fandom. Die Lesergruppierungen und -interessen sind zumeist andere, das Genre an sich birgt neue Herausforderungen. Ich glaube, man KANN sich gar nicht auf alten vertrockneten Lorbeeren ausruhen und es als gesetzt ansehen, Feedback zu erhalten. Es ist ein bisschen wie ein Sprung ins kalte Wasser.

Warum ich drüber nachdenke? Hm, weil ich überlege, ob ich mein freies Werk irgendwann tatsächlich online stellen soll. Die Sparte "Liebesromanzen" ist auf ff.de wesentlich stärker frequentiert als das einstaubende Dark Knight Eckchen; will heißen, dass man schnell "durchgereicht" wird, was Veröffentlichungen angeht. Demnach verringert sich die Chance, wirklich bemerkt zu werden. Dann hab ich mal ein bisschen exemplarisch Beispielgeschichten herausgepickt und angelesen, um mir ein Bild vom dort gängigen Stil und Niveau zu machen, und ich muss sagen, dass da zahlreiche interessante Sachen darunter zu entdecken sind, bei denen man sich selbst wieder unglaublich klein und unfähig vorkommt. Nächste Sache: Slash. Ich bin kein Slash-Verfechter, hab aber auch nichts gegen solche Geschichten, solange sie gut geschrieben sind. Jedenfalls scheinen sie sich da ein wenig zu häufen. Die guten alten Het-Stories scheinen sich also auch geringerer Beliebtheit zu erfreuen als noch vor ein paar Jahren. Alles in allem fällt mein Resümee dahingehend aus, dass ich mir keine großen Hoffnungen mache, mit meinem kleinen Dingelchen in den freien Werken Fuß fassen zu können.

Macht aber nichts, denn die Schreiberfahrung ist die Arbeit auf jeden Fall wert und stellt mich vor neue Herausforderungen. Ich mag mir nicht wirklich Chancen ausrechnen, dass die Story wirklich gelesen wird. Lieber mit keiner oder geringer Erwartung rangehen, als dann bitter enttäuscht zu werden, weil man zu hoch hinaus wollte. Umso mehr freut man sich dann auch, wenn es doch jemanden gibt, der lesen mag.

Ich setze ebenso nicht voraus, dass mir Leser in alle Fandoms und Genres folgen, ich hab da glaub ich schon ein paar entgegensätzliche Haken geschlagen, genauso wenig geb ich was auf "Wah, ich will das dann unbedingt lesen, wenns online steht" oder bild mir was drauf ein. Nehmts mir nicht übel, Leute, aber ich hab das in 7 Jahren schon sehr oft gehört und nur ein schwindend geringer Anteil hat dem anfänglichen Begeisterungsgeplapper auch wirklich Taten folgen lassen. Irgendwann resigniert man einfach. Ist besser, als sich auf irgendwas zu verlassen und es als sichere Option stehen zu lassen. Ich sehe es ja selbst an mir, dass ich wankelmütig bin, was Lese- und Schreibstoff angeht. Daher mach ich es auch keinem zum Vorwurf, wenn sich Interessen verschieben oder man trotz Ankündigungen doch nichts von manchen Leuten hört. Ist halt so und ich renn da keinem hinterher und geh ihnen auf die Nerven.

Die Frage ist halt, ob es einem gelingt, neue Leser zu gewinnen, ob man in einem neuen Genre überzeugen kann oder nur vorgehalten bekommt, dass man in der Fanfiction-Sparte besser aufgehoben ist. Ich hege keine Ambitionen, mich bei den freien Werken einzunisten. Eigentlich ist mir das ehrlich gesagt eine Nummer zu groß und ich bin immer noch nicht sicher, wie gut ich es meistere. Aber es ist halt mal wieder ein Experiment, das nötig ist.

Ich glaub, keiner kann sich seines Feedbacks sicher sein; selbst die nicht, die den Dreh mit der Massentauglichkeit raus haben. Denn so wie der Autor eine Erwartungshaltung seinen Lesern gegenüber hat, hat auch der Leser eine gegenüber dem Autor. Er will unterhalten werden und nicht immer auf banalstem Niveau. Den Nerv des Lesers zu treffen, ohne ihn vorher richtig zu kennen, ist ein kleines Abenteuer. Letztlich kann man spekulieren, bis man wirr im Kopf wird - man wird nie erfahren, wie ein Text ankommt und ob er gelesen oder gar kommentiert wird, wenn man ihn auf der Festplatte versauern lässt. Daher auch auf die Gefahr hin, dass nichts als eine Nullrunde herausspringt, werde ich nach wie vor eine Veröffentlichung in Betracht ziehen, wenn sich die Geschichte weiter so entwickelt wie im Moment. Denn es läuft gut. Kapitel 5 ist bisher das längste und erwartungsgemäß gestern fertig geworden, Kapitel 6 verspricht spaßig zu werden und meine Charaktere haben die Zügel längst selbst in der Hand. Vielleicht kann ichs ja irgendwann auf sie schieben, wenn ich totalen Schrott fabriziere :P Jaja, um Ausreden nie verlegen, ich weiß.

So...und nachdem ich heut schon ordentlich geschwitzt hab, leg ich mal für ein halbes Stündchen die Füße hoch und gönne mir eine heiße Tasse Tee. Lasst die Woche gemütlich ausklingen!

Stoffi

Sonntag, 30. August 2009

Mimikry


Ich hab mir kürzlich ein Buch zugelegt, das auch in meiner momentanen Leseliste steht, von dem ich aber wohl schnell wieder die Finger lassen werde, wenn in den nächsten 50 Seiten keine Besserung eintritt. Christopher Ransoms "Haus der vergessenen Kinder" klang vom Klappentext her furchtbar interessant, hab schon lang keine subtile Gruselgeschichte mehr gelesen und musste bei Inhaltsangabe an "The Orphanage" denken, einen Film, den ich wirklich gelungen fand. Tja...angefangen hab ich vor knapp einer Woche und ich bin jetzt noch nicht wirklich weit. Liegt einerseits ganz klar daran, dass ich wie eine Besessene geschrieben hab und demnach weniger Lust zum Lesen hatte, andererseits aber auch an einem delikaten Detail, das mir mit jeder weiteren Seite sauer aufstößt. Hier versucht jemand ganz angestrengt Stephen King zu kopieren und das auf nem Niveau, bei dem sich mir die Fußnägel hochrollen. Er klaut nicht wirklich, aber man merkt beim Lesen, dass er richtig darauf versteift ist, ähnliche Atmosphäre zu kreieren wie King. Mit dem Unterschied, dass es King kann und er nicht. Nicht nur das, er greift Elemente auf, die King für gewöhnlich clever mit tieferer Bedeutung versieht, nur dass sie in diesem Buch keinen Sinn ergeben. Alles wird zwangssexualisiert, der Protagonist denkt alle zwei Seiten über seinen Ständer nach und die Gruselmomente sind alles, nur nicht gruselig. Der Plot wird viel zu schnell aufgezogen, dass es einfach nur unglaubwürdig wirkt, sondern auch jegliche Spannung aus der Handlung nimmt. Ransom verpasst es, sich Zeit für Charakterisierung zu lassen; überhaupt mangelt es in seinem "Werk" an einem Personenensemble, das der Bezeichnung "Roman" würdig wäre. Als wäre das nicht schlimm genug, fasst er bei den Charakteren, die er drin hat, sämtliche Stereotypen ab.

Am witzigsten ist jedoch sein Nachwort zu seinem Buch, in dem er sich als großer King-Bewunderer bekennt. Äh...ja. Hätte man ja gaaar nicht gemerkt. Da stellt sich mir die Frage, wie viele solcher Mimikry-Werke den Büchermarkt überschwemmen? Besonders kategorisch dürfte das Prinzip der Nachahmung im Bereich der Vampirbücher funktionieren, die sich momentan absoluter Beliebtheit erfreuen. Aber anstatt damit an den Erfolg ihrer Vorbilder anzuknüpfen, geben sie nur wirklich lächerliche Kopien ab, die versagt haben, einen eigenständigen Stil zu entwickeln.

Klar, beim Lesen wird man zwangsläufig von anderen Autoren beeinflusst, das geht glaub ich gar nicht anders und ist auch wichtig für eine weitere Entwicklung, aber zwanghaft versuchen, andere Autoren zu imitieren, find ich irgendwie daneben. Wenn man eine Geschichte erzählen will, sollte man immer noch eigene Worte dafür finden und nicht ganze Schreibweisen oder Motive abkupfern und diese dann auch noch drittklassig verarbeiten. Wir alle haben unsere Vorbilder und lassen uns von ihnen inspirieren, aber bei allem äußeren Einfluss ist das Schreiben - meines Erachtens - ein so intimer Vorgang, in dem man die einmalige Gelegenheit hat, pur und unverfälscht man selbst zu sein, die eigenen Worte und den eigenen Weg zu finden, diese aufs Papier zu bringen. Warum also platt nachäffen? Mit Hommage hat das nicht viel zu tun - besonders nicht, wenn dann so ein Schrott wie im oben genannten Beispiel bei rauskommt.

Das hat mich wirklich ein wenig abgeschreckt. Man muss kein Stephen King sein, um qualitativen Horror zu schreiben; man muss sich nicht der gleichen Werkzeuge bedienen wie er, muss nicht krampfhaft seinem Stil nacheifern. Geht eh nicht. Nur King kann schreiben, wie ein King nun mal schreibt. Er hat seinen Trott, seinen Faden, seinen Zugang zur Welt der Fiktion gefunden. Das ist was, das jeder Autor selbst stemmen muss, und meiner Meinung nach der einzige Weg, sein Potential voll auszuschöpfen. Wie gesagt, ich geb dem Buch noch eine Gnadenfrist, aber wenn ich die nächste misslungene King-Referenz lesen muss, landets ganz hinten im Regal oder wird als Spende der lokalen Bibliothek überlassen.

Wenn man kopieren muss - sei es Gedankengut oder Stil - hat man in der Sparte Schreiben nichts verloren. Kreativität zeichnet sich durch geistige Eigenleistung aus, nicht durch die beste Nachahmung.

Schreibtechnisch geht es weiterhin mit großen Schritten voran. Ich glaube, es war eine gute Idee, dieses Schmonzettchen anzufangen, das sich doch wesentlich lockerer schreiben lässt als ein Ausflug in psychologische Abgründe. Das brauche ich gerade, um den Kopf ein wenig aufzulockern nach all dem Schwermut, den ich innerhalb des letzten Jahres fabriziert habe. Kapitel 2 will ich gleich noch fertig schreiben. Fakt ist, dass ich mich jetzt schon ein bisschen in drei meiner Charaktere verknallt hab. Rein platonisch gesehen natürlich. Ich hoffe nur, dass die nächtlichen Exzesse ein Ende finden. So langsam macht es mir ein bisschen Angst, dass ich die letzten Nächte kaum geschlafen habe, weil ich es einfach nicht konnte. Da musste erst geschrieben werden, damit das Kopfkino für ein paar Stunden die Klappe halten konnte. Na ja, man muss den Schwung bekanntlich nutzen. Ich lasse mich überraschen.

Habt einen geruhsamen Sonntag!

Stoffi

Montag, 3. August 2009

Kratzen, Beißen, Schlagen


So in etwa könnte man zusammenfassen, was ich gerade fabriziere. Es geht haarig zur Sache, wird auch mal Zeit nach 5000 Wörtern Herumgeeier. Ich tu mich schwer mit diesem Experiment; es entpuppt sich als wahre Herausforderung und ich weiß nicht, ob das, was ich bisher zusammengeschustert hat, wirklich lesenswert ist. Prinzipiell muss es das nicht, online erscheint der Spaß nach wie vor nicht, aber nur weils nur n paar Augenpaare zu sehen bekommen - wenn sie es wollen - heißt das nicht, dass ich schludrig arbeiten möchte. Gerad der Joker ist mir heilig und ich hab letzte Nacht mal wieder lange wach gelegen und gegrübelt, gedanklich an einigen Feinheiten geschliffen. Ich merke, dass ich diese Ablenkungen brauche, denn wenn ich mich nach einer halben Stunde Arbeit an dieser kleinen Zote an ZeitLos setz, gehts da gleich viel lockerer von der Hand. Kann mir nicht erklären, wieso. Vielleicht, weil die Szenen da noch nicht so schwierig sind wie diese eine pikante. Mei...ich hab schon einige Kussszenen mehr oder weniger freiwillig geschrieben, aber die gestern Nacht. Uh...da hab ich mich glatt ein bisschen gegruselt. Eine sehr kuriose Erfahrung ist das. Mal schauen, wann ich damit fertig werde, und was am Ende bei rauskommt. Man gebe mir die Gabe, kurze Sachen zu schreiben *seufz*

Heute hab ich auch wieder ein bisschen gelesen, aber hatte vor lauter Terminen noch nicht den Kopf frei, Feedback zusammenzuschustern. Kommt aber die nächsten Tage. Gut Ding will bekanntlich Weile haben, auch wenn ich selbst weiß, wie verzweifelt man als Autor manchmal Feedback herbeisehnt. Apropos Feedback - ist es eigentlich normal, wenn man bei einer Story mehr Favoriteneinträge als (Gesamt-)Reviews hat? Oo Find ich irgendwie faszinierend/merkwürdig. Ist mir vorher noch nie passiert. Aber man muss ja auf alles gefasst sein.

Hätten wir den Montag auch mal hinter uns gebracht. Macht euch einen schönen Feierabend!

Stoffi

Dienstag, 28. Juli 2009

Alleinunterhalter

Ja, so fühl ich mich im Moment ein bisschen in der Sparte Dark Knight. Ich meine...klar, der Film ist nicht mehr der aktuellste und mittlerweile hat sich auch der Hype um Heath Ledgers tragisches Ableben gelegt...aber was ist mit denen, die seine Leistung als Joker als zeitlos bezeichnet haben? (no pun intended) Wo sind all die begeisterten Batmanfans hin? Seht euch das mal an, so sieht gerade die Updateleiste auf ff.de aus:
Klar, ich weiß, wir haben alle ein Leben da draußen, ich habs auch, aber es ist irgendwie traurig, dass im Moment im Fandom so ne tote Hose vorherrscht. Seht mal, ich hab das Handwerk letzten Donnerstag aktualisiert, seither gabs nur von meiner Warte aus Updates. Zu Schlagzeiten, als ich gerade angefangen hab, Scar Tissue online zu stellen, gab es täglich Updates von mindestens 2 bis hin zu 5, 6 Geschichten. Nicht übermäßig, aber doch eine ordentliche und lebendige Zahl. Dass sich Interessen verschieben ist völlig legitim, aber ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum wirklich weit fortgeschrittene Geschichten auf einmal stillstehen und das Interesse offensichtlich so derb nachgelassen hat.

Klar, ich schreib im Moment auch bei den X-Men, aber deswegen ist meine Begeisterung für den Film und den Joker nicht gesunken. Natürlich wirkt sich das nicht nur auf die Seite der Schreiberlinge aus, auch vonseiten der Leser kommt nur noch wenig. Damit meine ich nicht zwingend meine Feedbackausbeute allein (Danke an dieser Stelle an alle, die sich immer noch durch meinen Wörterdschungel kämpfen), generell fasst kaum noch einer was ab; auch ein Grund, warum der ein oder andere die Lust am Fandom verliert. Ich finds schade und verstehe an dieser Stelle wieder mal Leser nicht, die die Geschichten lesen und wohl auch mögen, aber nichts dalassen. Man sieht bei Dark Knight gerad recht deutlich, wie so ein Leseverhalten die Motivation anderer Autoren schmälert. Dass gelesen wird weiß ich zumindest dahingehend, dass die Klicks kein bisschen nachgelassen haben. Ich würds schade finden, wenn Dark Knight als Fandom irgendwann einstaubt. Ich bemüh mich jetzt schon, Spinnwebenbildung zu verhindern und hoff, dass ich nicht länger Alleinunterhalter bin. Wer weiß, worans liegt, die Entwicklung geht nur schon seit Monaten so und ich finds schade, weils der Film einfach nicht verdient hat.

Abwarten, irgendwann kommt die Begeisterung hoffentlich wieder zurück. Gestern ist noch Kapitel 3 fertig geworden, an die 4 setz ich mich nachher noch, aber erstmal...such ich mir was zu essen und freue mich über den endlich (und hoffentlich sicher) gebuchten Wohnheimsplatz. Engländer schreiben die niedlichsten E-Mails.

Nun denn, kommt gut durch den Tag!

Stoffi

Montag, 27. Juli 2009

Kokelfritzen und andere Unruhestifter


Heute war Lesetag angesagt. Hab das schöne Wetter genutzt und mich in die Sonne geparkt, gelesen, gelesen und noch mal gelesen, was mir immer dabei hilft, neue Ideen zu finden. Manchmal funktioniert das so gut, dass ich mich letztendlich nicht mehr aufs Lesen konzentrieren kann, sondern schreiben muss. Aber es ist ein guter Ausgleich und wie gesagt eine Notwendigkeit. Lesen ist ein wichtiger Bestandteil des Schreibens, und wenn man erstmal selbst schreibt, weiß man seine Lektüre auch wählerischer und kritischer zu beurteilen. Ein Grund, warum es gewisse Bling-Bling Bücher nie in mein Bücherregal schaffen werden.

Zuhause hab ich mir dann gleich mal ein weiteres Kapitel von Stormys Mammutwerk Weathered einverleibt; ich hänge sträflich hinterher, aber hab trotzdem mal wieder festgestellt, dass sich mein X-Men-Wissen traurigerweise auf die ersten beiden Filme beschränkt. Ich glaub, das werd ich in gigantischen Blockbuchstaben ankündigen müssen, sollte die Geschichte je online erscheinen. Stormy vereint in ihrem Epos so viele verschiedene Charaktere, dass es eine reife Leistung ist, jedem Chara einen gewissen Platz zu bieten und ihn mit Respekt vor dem Canon darzustellen. Dagegen stümpere ich hier echt gerade rum, sodass ich mir mal wieder lieber ne finstere Ecke suchen würde, in der ich mich verstecken kann. Ich hab jetzt schon Bammel vor nem eventuellen Leserecho. Wie gesagt, ich verzeih auch nur schwerlich Darstellungen, die völlig out of character sind und ich weiß partout nicht, ob ich den Charas gerecht werde. Das ist im Moment ein reines Pokern. Ich will meinen Joker zurück *HEUL* Dessen kranken Geist hatte ich wenigstens halbwegs verinnerlicht.

Aber gut, ich treffe auf erste Schwierigkeiten und was anderes hab ich mir auch nicht gewünscht. Man wächst an seinen Aufgaben. Ich hab vor, heute noch Kapitel 3 abzuschließen, das eine für mich recht überraschende Wendung genommen hat. Ursprünglich wollte ich mich an ner Magneto-Szene versuchen, letztlich ist kein Geringerer als Pyro auf die Idee gekommen, mir die Ohren vollzujammern. Aber gut, der Mann spielt zumindest zu Beginn eine relevante Rolle, da geht das schon in Ordnung, auch wenn ich ihn nicht leiden kann. Seltsamerweise hat sich der olle Kokelfritze völlig verselbstständigt und aus ner kurzen Einstiegsszene sind letztlich 3 Seiten geworden. Der Plot wird immer transparenter und ich weiß mittlerweile, wo ich hin will. Fragt sich nur, in welcher Länge das machbar ist. Die Kapitellänge hab ich immerhin auf rund 5,000 Wörter gedrosselt, aber wie viele Kapitel die Geschichte umfassen wird, steht noch in den Sternen. Gerad weil ich noch am Anfang herumstolpere. Auf Kapitel 4 freu ich mich schon. Da ist der erste Rückblick geplant und ich hoffe, ich kanns halbwegs geschickt einstreuen. Es ist gerad generell eine unruhige Situation, obwohl noch nicht viel passiert. Anspannung hier, Anspannung da, Trauerklöße aufgrund Jeans vermeintlichen Ablebens und größenwahnsinnige Hitzköpfe, jede Menge offene Fragen und einige rätselhafte Ereignisse. Auch wenn ich nicht gleich mit Action ins Haus falle, ist der Anfang hoffentlich nicht uninteressant. Ich mag die kleinen Interaktionen mit den Charakteren. Wird Zeit, dass auch mal der gute Scotty auf den Plan tritt, aber das erledige ich im nächsten Kapitel.

Erstmal gilt es, den dritten Streich zu beenden und das mach ich in Begleitung von lauter Schrammelmusik von The Offspring über Metallica bis hin zu Billy Talents neuer Single. Fragt mich nicht, warum ich sowas gerade zum Schreiben höre, aber es ist inspirierend.

Des Weiteren hab ich n paar Leseausschnitte in meine Sidebar geschustert und auch so ein paar kleinere Modifikationen vorgenommen, nichts Weltbewegendes, aber vielleicht trotzdem für den ein oder anderen von Interesse.

Macht euch einen schönen Abend!

Stoffi

Freitag, 10. Juli 2009

Heiße Ware


Jaja, ich weiß, ich hab mal wieder nicht alle meine Gedanken beisammen und setz nen Doppelpost, aber ich muss gerad mal irgendwie meine Begeisterung loswerden. Ich komme in den Genuss, snoopys hoffentlich bald online erscheinende Fantasy-Chronik "Venatrix" zu betan und habe mit jedem Kapitel, das ich vorab lesen darf, mehr und mehr Hummeln im Hintern. Sehr unterhaltsam geschrieben, nicht zu hochgestochen, aber wunderbar flüssig. Ich denke und hoffe auch, dass die Geschichte um Laura, die nach London zieht, um sich dort eine neue Existenz aufzubauen, den ein oder anderen Leser ähnlich fesseln und auch amüsieren wird, wie sie es mit mir bereits tut.

Ich bin sicher nicht autorisiert, zu spoilern oder zu viel zu verraten und das liegt auch nicht in meiner Absicht. Ich möchte lediglich auf die Story aufmerksam machen, weil sie mir jetzt schon unglaublich gut gefällt. Und das, obwohl Vampire und Werwölfe drin vorkommen werden ;) Aber ich glaub, bei Snoopy glitzert keiner von beiden. Grund für meine Begeisterung ist nicht nur der liebenswert verpeilte sympathische Hauptcharakter, den Snoopy auf den Leser loslässt und in dem man den einen oder anderen Teil seiner selbst entdeckt, sondern der gesamte Charakter der Handlung. Amüsant, spannend, geheimnisvoll, intelligent. Man erahnt, wie viele Gedanken dahinter stecken und das mag ich an einer guten Geschichte. Ich hoffe, Snoopy fasst sich bald ein Herz und stellt die Geschichte online. Einen Vorgeschmack auf ihre Arbeit und ihre Gedanken dazu findet ihr in ihrem Blog, wo auch unter anderem ein visueller Vorgeschmack gegeben wird, den ich hier ebenfalls mal eben verlinken möchte.



Schaut doch mal rein, ich denke nicht, dass ihr es bereuen werdet. Freien Werken zolle ich ohnehin meinen größten Respekt und dieses ist meines Erachtens besonders gelungen. Ich bin jedenfalls noch immer beschwingt! Es lohnt sich, darauf neugierig zu sein!

Stoffi

Mittwoch, 1. Juli 2009

"Ich werde zum ersten Mal sterben...da ist ein wenig Muffensausen wohl erlaubt?"


Das will man zumindest meinen. Aber wir wissen ja mittlerweile, dass der Joker Angst amüsant findet, aber nicht nachempfinden kann. Elena weiß es auch, aber sie erinnert sich gern selbst daran, so auf den letzten Zügen.

Es läuft...nein, es fließt, es strömt und das ist nicht nur auf den Schweiß bezogen, der einem schon auf die Stirn tritt, wenn man den Kopf zu schnell dreht. Es ist drückend schwül, ich warte auf das nächste Gewitter, höre Rob Thomas auf unmenschlicher Lautstärke und schreibe wie besessen, während mein Wasservorrat schrumpft. Der kleine nostalgische Ausflug in die Welt von Scar Tissue, bzw. das Experiment mit etwas seichterer oder netterer Thematik hat mir einen absoluten Höhenflug beschert und meine übliche "Ich-drück-mich-davor-ein-Ende-zu-schreiben" - Phase abrupt beendet. Gestern noch bis 4 Uhr morgens in die Tasten gehämmert, weil tagsüber nicht viel Zeit zum Schreiben ist und ich auch gleich wieder los muss. Ich liebe es.

Dann hat mich ein Amazonpäckchen mit wundervoller Lektüre bereichert, hab gestern in einem Schwung Heath Ledgers Bio gelesen, an vielen Stellen geseufzt oder auch zustimmend genickt, mich inspirieren lassen und einmal mehr zutiefst bedauert, dass ein so großartiger Künstler wie er es war so früh abtreten musste.

Ich bin immer noch fleißig und so langsam macht es mir etwas Angst. Ich meine...klar hatte ich Tage, an denen ich nicht schreiben konnte, aber das lag nie daran, dass ich nicht die Muße dazu hatte. Meistens hatte ich zu tun und kam zeitlich einfach nicht dazu, weiterzuschreiben. Aber insgesamt kann ich behaupten, seit meiner Arbeit an Scar Tissue, die im vergangenen September begonnen hatte, keiner langwierigen Schreibunfähigkeit ausgesetzt gewesen zu sein. Es gibt Szenen, die gehen leichter von der Hand als andere, an manchen Kapiteln hab ich tagelang gesessen, wieder andere waren binnen weniger Stunden geschrieben. Und wenn das Handwerk zu Ende ist und ich mich an Neuem probiere, werde ich mich überraschen lassen, ob dieser Lauf anhält. Mir macht er fast schon ein wenig Angst. Unter richtig langen Blockaden hab ich nie gelitten, aber andererseits hatte ich auch noch nie eine so intensive Arbeitsphase. Na ja...man schweigt und genießt.

Ebenso in vielerlei Hinsicht, bezüglich dessen, was in so einigen Archiven im Moment abgeht. Zumindest sind zum Teil vielversprechende Neuerungen da. Auf ff.de kann man endlich Reviews im Reviewtext beantworten, was einem ermöglicht, auf anonyme Reviews einzugehen, ohne den Fließtext der Geschichte bemühen zu müssen - oder (weswegen es eigentlich verändert wurde) - um zu verhindern, dass sich Autoren selbst Reviews schreiben, um auf andere zu antworten. Jetzt müsst ich nur noch wen haben, der überhaupt reviewt, haha (mind the sarcasm). Na gut. Für Reviews schreib ich nicht mehr, seit ich 16 bin und mir kommt die Galle hoch, wenn ich Leute in meinem Alter oder älter sehe(
Kiddies verzeih ich sowas ja noch, die wissens z.T. einfach noch nicht besser.), die in Kapitelanmerkungen schreiben: "Hinterlasst mir bloß viele Reviews, dann gibts eventuell schon Freitag ein neues Kapitel!"

D'oh. Für mich ein Grund, eine Geschichte nicht mehr weiterzuverfolgen. Dann sinds auch noch solche Leute, die im Gegenzug nur dann selbst Reviews hinterlassen, wenn es sich für sie lohnt, nein danke. Ich gehe selbst sparsam mit Reviews um, bin ein eher nachlässiger ff-Leser, aber ich erpresse auch nicht die, die sich dazu herablassen, meinen Blödsinn zu lesen. Ich frag mich echt, was das soll. Schneidet man sich damit nicht ins eigene Fleisch? Feedback wollen wir alle, das ist doch klar, das muss man glaub ich gar nicht mehr sagen, weil's langsam in den Köpfen der Leser angekommen sein sollte. Aber man kann keinen zum Kommentieren zwingen. Klickzahlen sagen mir nach wie vor, dass meine Geschichten Beachtung finden, aber Klicks heißen nicht unbedingt, dass auch gelesen wird. Klicken und Lesen sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe und wie mit allen Statistiken, die es im ff-Bereich so gibt, sollte man bekanntlich laut Churchill an keine glauben, die man nicht selbst gefälscht hat.

Betteln bringt nix, hausieren gehen und Interesse vorheucheln ist Selbstbetrug, und ich denke, so ein Dämpfer im Reviewbereich bringt einen immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Es ist leicht, in alte Muster zu verfallen und sich von Feedback motivieren oder demotivieren zu lassen; vielleicht einer der Gründe, warum ich mittlerweile daran setze, eine Geschichte so weit zu schreiben, dass ich weiß, dass sie ein Ende finden wird, ganz gleich, wie der Anklang aussehen wird, wenn sie irgendwann mal online steht.
Dass Reviews beeinflussen, kann glaub ich keiner von der Hand weisen, es kommt nur drauf an, wie groß dieser Einfluss ist. Ist man reviewverwöhnt, ist es natürlich bitter, wenn irgendwann keiner mehr schreibt, dann kommen die lieben Selbstzweifel zurück; hat man wiederum generell verhältnismäßig wenig Feedback, kommt man mit "geringer Ausbeute" vielleicht eher zurecht. Ich hab mich arrangiert. Ich war nie der Typ, der 100e oder gar 1000e Reviews abgefasst hat und mir fallen regelmäßig die Augen aus den Höhlen, wenn ich Autoren sehe, die sich mit beachtlichen Zahlen schmücken können. Aber dann klickt man rein und schaut sich das Feedback an und ist eben doch froh über seine 12 Reviews bei 50 Kapiteln, weil die, die was dagelassen haben, auch etwas zu sagen hatten und sich nicht auf einen "Toll weiter" - Oneliner oder "SUPER, KNUDDELKNUTSCH" beschränkt haben.

Aus mir spricht kein Neid, ich bin die Letzte, die sich weder über Anzahl noch Qualität ihres Feedbacks beklagen will/kann/darf/muss und jeder (insbesondere die Abräumer) sollte mit Resonanz zufrieden sein. Wenig ist besser als gar nichts und auch die, die gar kein Feedback bekommen, sollten nicht glauben, dass das heißt, sie seien schlecht.

Reviews...Fluch und Segen eines jeden Hobby-Schreiberlings. Gerade am Anfang ist es schön, Hinweise und (gute wie negative) Kritik zu bekommen und wenn die ausbleibt, lassen sich allzu viele davon abbringen, weiterhin zu schreiben; Leute, die Potential haben, Leute, die die ff-Welt mit Perlen bereichern könnten, wenn man sie nur ließe. Es ist schade, wie viel von Feedback abhängt und wie klein der eigentliche Anteil qualitativ hilfreicher Reviews ist, wenn man mal querliest, wie wenig Wert teilweise auf richtige Kritik gelegt wird.

Niemand wird gern kritisiert, aber es ist notwendig. Einerseits, um auf dem Teppich zu bleiben und sich nicht für den Nabel der (FF-)Welt zu halten, andererseits um Fehler zu erkennen, die man aus eigener Betriebsblindheit übersieht, und dann aus ihnen zu lernen. Es ist ein ewig leidiges Thema, das man totdiskutieren kann und grundsätzlich ändern wird sich im Leseverhalten einfach nichts, als dass ein Appell an Qualität vor Quantität in Sachen Reviews fruchten könnte. Es ist schade, es ist nicht gerecht, es ist oft ne Frage von Cliquen und Gefälligkeit und es ist in wenigen Fällen etwas, das man auf seinem Weg mitnehmen kann. Manchmal wäre es cooler, Reviews abzuschaffen, doch wo bliebe dann der primäre Sinn, einen Text mit anderen zu teilen? E-Mails zu schreiben, um eine Bewertung zu einem Text loszuwerden, ist ja offensichtlich noch anstrengender, als auf einen Reviewbutton zu klicken ;). Wer weiß...solange es Leute gibt, die lesen, bin ich glücklich. Und wenn diese auch noch dabei mitdenken und es mich ab und an wissen lassen, bin ich sogar richtig glücklich.

Jetzt muss ich aber los, hab mich mal wieder festgequatscht. Macht euch einen schönen Tag und denkt dran, viel zu trinken!

Stoffi

Samstag, 20. Juni 2009

Lang lebe der König!


Oder sollte es besser heißen "Lang schreibe der König"? Denn ich stolperte in den letzten Tagen vermehrt über die Gerüchte um den neuesten Roman des Königs der guten Horrorliteratur - Stephen King. Und diesen zufolge soll der gute Mann seinen Fans im November einen etwa 1,200 Seiten langen Roman mit dem Titel "Under the dome" präsentieren. Man darf gespannt sein.

Einer Inhaltsangabe gemäß soll sich eine Art unsichtbare Kuppel über eine Kleinstadt senken und diese von der Außenwelt im wahrsten Sinne des Wortes abschneiden. Unter dieser Kuppel beginnt dann ein Wettrennen gegen die Zeit, denn allerhand düstere Geheimnisse werden durch die Isolation der Einwohner nach und nach an die Oberfläche befördert. Mein erster Eindruck, als ich die Zusammenfassung gelesen habe, war: "Da hat sich Mister King sogar von dem Simpsons Film inspirieren lassen" Sofort hatte ich das Spiderschweinlied im Kopf und einen Motorrad fahrenden Homer im Sinn, der die Welt rettet. Eh...ich hoffe doch, dass diese Assoziation einzig meinem wirren Geist entspringt und ansonsten nichts mit dem Roman zu tun hat.

King scheint jedenfalls wieder in guter alter "Es" oder "The Stand" Form zu sein, was die Länge seiner Werke angeht. Obs qualitativ noch mal ein "Oho" entlockt, ist unsicher, es ist eher schwer, an legendäre Werke wie "Es" oder "The Shining" anzuknüpfen. Aber man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben. Natürlich mehren sich drumherum die Gerüchte, dass es auch gleichzeitig sein letzter Roman sein soll, aber das wurde schon nach der Veröffentlichung von "Cell" und "Lisey's Story" behauptet und er selbst hüllt sich darüber immer noch in andächtiges Schweigen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es für einen professionellen Schriftsteller eine Art Ruhestand gibt, einen Fixpunkt, ab dem man sagt, man schreibt nicht mehr. Rein finanziell hat das Mister King schon lange nicht mehr nötig, es wird einfach ein innerer Drang bei ihm sein, Geschichten zu erzählen. Ich meine...das kennt man doch schon als absoluter Amateur und Hobby-Autor, dass man schreiben MUSS, weil man sonst irgendwann durchdreht. Wieso sollte das dann bei den richtig Großen anders sein?

1,200 Seiten...hach, das verspricht wieder sehr viel Lesespaß und Gänsehautmomente...auch wenn mich das Lesen dieses Artikels auch ein bisschen an die FF-Sparte hat denken lassen. Was sagen Seitenzahlen oder eine Kapitelanzahl schon aus? Ich kann mich damit brüsten, 20 Seiten zu schreiben, aber wenn ich nach jedem Satz nen Absatz und ne Leerzeile reinschlag, sinds unterm Strich auch nur 10 Seiten Realtext. Gleiches gilt für Kapitel. Ich kann 80 Kapitel schreiben, aber wenn dann die Gesamtwortzahl unter 100,000 herumschwirrt, weiß ich auch, was ich von der Storyeinteilung zu halten hab. Kurze Kapitel geben mir nichts, und was in bestimmten Fandoms als Kapitel verkauft wird, macht mich stutzig. Ohne Witz, ich hab bereits mehrere Geschichten entdeckt, in denen ein Kapitel nicht mehr als eine Din-A4 Seite, etwa 600, 700 Wörter umfasst. Und es war kein Prolog oder Epilog, sondern die generelle Kapitellänge.

Ich weiß nicht, worauf ihr achtet, wenn ihr euch eine Story vornehmt, aber ich lass mich von einer bloßen Kapitelanzahl nicht beeindrucken, sondern setze diese ins Verhältnis zur Gesamtwortzahl. Wenn ich lese, dann will ich mich auch in der Story verlieren und darin abtauchen und nicht nach zwei Minuten schon feststellen, dass der Lesespaß schon wieder rum ist. Viel heißt nicht automatisch gut; das will ich damit nicht sagen, aber ich lese lieber viel Text und merke, dass sich der Autor mit der Welt und den Charakteren gründlich auseinander setzt, die er geschaffen hat, als dass ich lieblos dahingeklatschte Fünfzeiler sehe, auf die ich dann auch noch wochenlang warten muss. Lange Kapitel sind für mich nicht abschreckend; eher sind es die, mit denen man nicht einmal eine Bahn tapezieren könnte, wenn man sie ausdruckt - es sei denn, man wählt Schriftgröße 86. Das ist wie so vieles Geschmackssache und ich sehe selbst, wie ich mit der Kapitellänge pro Geschichte variiere. Es muss zur Geschichte passen, zur Stimmung, zum Inhalt. Es gibt keine Faustregel, wie lang eine Geschichte mindestens sein muss. Ich persönlich finde es nur wichtig, dass nicht bloß an der Oberfläche gekratzt, sonderm dem Leser die Chance gegeben wird, in eine andere Welt zu tauchen - und das für mehr als fünf Minuten. Die Zeit zum Lesen muss ich haben und mir auch nehmen; hab ich weniger zur Verfügung, les ich lieber gar nichts. Lesen ist für mich ein Erlebnisprozess, keine Langeweiletherapie, um mich zu beschäftigen.

Aber da die Schreiberei etwas zu kurz gekommen ist letzte Woche, werde ich mich nun exzessiv Elena und ihrer letzten Begegnung mit Batman widmen. Ich hasse Abschiede, hab ich das schon mal erwähnt? Nun denn, genießt euren Samstag!

Stoffi

Dienstag, 16. Juni 2009

Powered by emotion


Ja, ich sollte mich eigentlich schämen, uralte Werbeslogans von Sat. 1 für meine Zwecke zu missbrauchen, aber ich fand den Titel ganz passend zu meinen neuerlichen Gedanken über die Welt des Lesens und Schreibens. Mir ist mal wieder aufgefallen, was für mich als Leser wichtig bei der Lektüre von Büchern und auch Fanfictions ist - das Spiel mit den Gefühlen. Es muss nicht immer eine Achterbahnfahrt sein, auf die ich mitgenommen werde, ich muss nicht alle verfügbaren Emotionen beim Lesen eines Textes durchleben - das wäre zum Teil auch wirklich zu viel verlangt. Fakt ist nur, dass ich irgendetwas fühlen MUSS, wenn ich das Buch nicht aus der Hand legen, bzw. die Fanfiction wegklicken will. Und genau diesen Effekt heraufzubeschwören; den Leser empfinden zu lassen, ist meines Erachtens schon eine Herausforderung. Es geschieht mir nicht oft, dass ich beim Lesen Tränen in den Augen habe, weil mich der Text sehr berührt oder bewegt; das trifft bei mir allerdings auch auf die meisten Filme zu. Manchmal wird mir die Emotionalität eines Holzklotzes nachgesagt *hust* Das wiederum heißt: es ist eine umso größere Leistung, mich tatsächlich zum Weinen zu bringen (auch wenn man meinen könnte, dass Einfallslosigkeit, Nichtvorhandensein von Rechtschreibung und Grammatik, und Absenz jeglichen Stils dafür sorgen könnten: nein, ich meine richtige Tränen). Zugegeben: viele Texte haben das noch nicht geschafft; dafür lass ich mich umso lieber zu einem lauten, herzhaften Lacher hinreißen oder zu einem tiefgehenden Seufzer, Herzrasen, Abscheu, Hass und Ekel sind ebenfalls keine Seltenheit. Was ich damit sagen will: man hat zumindest bei mir persönlich schon gewonnen, wenn man mich gefühlstechnisch mitreißen kann.

Ich erinnere mich manchmal gern an die Schulzeit zurück, als wir uns in unseren ersten behelfsmäßigen Interpretationsaufsätzen gern der Phrase "Die Intention des Autors ist es, mit seinem Text zum Nachdenken anzuregen" bedienten. Heute kann ich darüber nur grinsen. Wie viel von den verfassten Texten ist wirklich Intention und was fließt unbewusst in sie hinein? Ist Interpretation und Gefühl nicht immer auch leserabhängig?

Was den einen zum Lachen bringt, mag dem nächsten höchstens ein Braueheben entlocken; wo andere schmachtend zerfließen, rollen sich anderweitig vielleicht Zehennägel hoch; wo der eine zitternd das Buch zuklappt und am besten weit, weit wegwirft, liest eine weniger zartbesaitete Seele vielleicht in aller Ruhe weiter. Emotionen sind wie Interpretationen zu einem gewissen Teil sehr subjektive Bestandteile eingängiger Lektüre. Natürlich kann es der Autor auch darauf anlegen, bestimmte Stimmungen zu erzeugen, kann versuchen, auf die Tränendrüse zu drücken oder aber mit Humor Lacher zu entlocken.

Wie so vieles ist aber gerade Emotionalität für mich intuitiv: will heißen - ich will eine Emotion nicht erzwingen. Bei eigener Lektüre stolpere ich oft über Fälle, in denen zu viel "gewollt" worden ist. Zum Beispiel: da stapeln sich die schmalzigen Klischees, um mir visuelle Karies zu bescheren, sodass ich nur noch seufze, weil es abgedroschen, aber keineswegs schön ist; da wird Humor zu Slapstick oder taucht zu oft unter die Gürtellinie, um langfristig unterhaltsam zu sein; da fließt extra viel Blut oder kommen extra viele Monster vor, die eher den Eindruck erwecken, man selbst wäre als Leser Zeuge einer Kindergeburtstagsfeier von Zombies anstatt in einem guten Horrorthriller. Da schließ ich mich selbst nicht aus. Was ich fabriziere, mag für meine Verhältnisse im Rahmen des Erträglichen sein, Leser mögen manches als zu heftig erachten. Es ist schwer, einen allgemeinen Nerv zu treffen, weil jeder anders emotional gestrickt ist und das schlägt sich sicherlich auch in Leserreaktionen nieder. Die einen gähnen nur müde, während andere vor Spannung fast in die Schreibtischkante beißen.

Allen kann man es sicherlich nicht recht machen, wenn es um Emotionen geht; aber für mich persönlich ist es ein großes Lob, wenn ich jemanden zum Lachen, Weinen, Grübeln, Seufzen oder Mitfiebern bringen kann - insbesondere, wenn ich dasselbe beim Schreiben entsprechender Szenen empfunden habe.

Emotionen sind das Salz in der Suppe. Ich ertappe mich oft dabei, wie ich Geschichten nicht mehr weiterverfolge oder Bücher weglegen, weil sie mich nicht ansprechen. Da mag der Stil in Ordnung, die Storyline nachvollziehbar und logisch sein - wenn nur der Kopf beansprucht wird und nicht das Herz, verliere ich schnell das Interesse.

Wie kann man Emotionen transportieren? Wohl am besten über die Charaktere. Sympathie ist dafür nicht wirklich ausschlaggebend, schließlich sind Wut und Abscheu gleichsam Empfindungen wie Freude oder Mitgefühl. Lebendige Gefühle kann man erst dann erzeugen, wenn die Charaktere selbst lebendig sind. Hölzerne Protagonisten, deren Klone man in einem Dutzend anderen Stories wiederfindet oder ein Einheitsbrei aus nichtssagenden Nebendarstellern können den Job nur schwer erfüllen. Wie es dann letztlich beim Leser ankommt...nun, darauf hat der Autor wohl nicht immer Einfluss. Die Hauptsache ist nur, dass es ankommt.

Habt einen schönen Abend!

Stoffi

Montag, 1. Juni 2009

In Ehrfurcht erstarrt...


...bin ich irgendwie immer noch. Kennt ihr das, wenn ihr eine Geschichte lest und es euch einfach nur umpflügt, weil einfach alles stimmt? Stil, Charaktere, Setting, Plot? Weil sich einfach alles so weglesen lässt wie in einem richtig guten Roman? In der Fanfiction-Sparte passiert mir das zugegeben selten, aber gestern, als ich Stormys neuestes Meisterwerk gelesen hab, ist mir echt die Spucke weggeblieben und ich hab jetzt noch Mühe, neue zu produzieren, so sehr hat mich das umgehauen. Das war einfach ein wahnsinnig toller Lesegenuss, nach dem ich keine Zeile mehr aufs Papier gekriegt hab, weil mir immer noch der Wortlaut dieses genialen Ficlets im Kopf herumschwirrte und ich wusste, dass ich das nie so hinbekommen werde. So gehts mir manchmal, besonders, wenn ich ein super Buch gelesen habe. Dann mag ich am liebsten den Stift in die Ecke werfen und alles löschen, was ich je verbrochen habe. Am meisten ging mir das so bei King, aber auch bei Süskind hätte ich mich für meinen eindimensionalen Wortschatz kasteien können.

Mein Word-Dokument ist nun wieder offen und die Schreibmarke hat auch nicht lange Zeit, um zu blinken, aber trotzdem kommt mir das nur zweitklassig vor, was ich hier zusammengrütz und meine Gedanken an eine X-Men Story entwickeln sich im Angesicht dieser Perle zur reinsten Blasphemie. Wie gut, dass gerade eine hässliche Messerszene ansteht, so was kann ich wenigstens langsam.

Ich gewinne solchen Dämpfern immer etwas Positives ab. Es stutzt einen gehörig zurecht und macht einem irgendwo begreiflich, dass man noch ne Menge zu lernen und hoffentlich auch das entsprechende Potential dazu hat. Lieber so als irgendwann abzuheben und sich für das unfehlbare Nonplusultra zu halten, das schon die Spitze des Eisbergs erklommen hat. Denn wenn wir meinen, schon angekommen zu sein, legen wir uns im Prinzip nur Steine in den weiteren Weg, ruhen uns auf Lorbeeren aus und lassen unsere Fähigkeiten stagnieren, anstatt sie weiter zu entwickeln. Damit zu prahlen, besser als 13-jährige Schreibanfänger zu sein, kann jeder zweite. Erkennen, wo die eigenen Schwächen und Defizite liegen, erfordert Selbstkritik, etwas, wozu komischerweise die, die offensichtlich Verbesserungsbedarf haben, nicht fähig zu sein scheinen. Aber so ist das glaub ich. Die schreien immer am lautesten, hinter deren großer Klappe nicht wirklich was steckt, die erlauben sich Arroganz und ein Profilieren gegenüber anderen, obwohl sie auch nicht gerade die Offenbarung auf zwei Beinen sind. Ich hoffe, ich werde so einen Punkt nie erreichen und nie vergessen, dass es da draußen Texte gibt, die mir die Schuhe ausziehen, bei denen ich nur mit offenem Mund lesen kann und idiotisch die Augen weite, weil ich so gefesselt bin.

Ich werd jetzt was Essbares suchen und mich dann an mein Kapitel setzen, auch wenn es schwer fällt, weil ich mich einfach nur unfähig fühle. Mal sehen. Vielleicht fällt das von mir ab, wenn ich ein bisschen tiefer ins Geschehen tauche und ein wenig Blut vergieße. Danach steht mir erschreckenderweise gerade der Sinn.

Genießt den Pfingstmontag!

Stoffi

Montag, 25. Mai 2009

"Und für wen hältst du dich? Für Luzifer persönlich?" - "Es geht nicht darum, für wen man sich hält, sondern darum, wer man IST"


Ein langer Tag geht zu Ende und es war endlich mal wieder ein sehr produktiver. Da ich die letzten Tage über recht wenig daheim war und noch weniger zum Schreiben kam, tat es heute Morgen mal wieder richtig gut, nen 5000-er hinzuklatschen.

Kapitel 20 ist noch nicht ganz fertig, mal sehen, wie weit ich gleich noch komme, es ist ein recht...nun ja...philosophisches Kapitel, ein Schwellenkapitel, in dem Elenas Fall beginnt, natürlich mit reichhaltigen Wortwechseln mit dem Joker, wie der Blogtitel impliziert. Es macht unglaublich viel Spaß, über den infernalischen Clown zu schreiben, wenn ich über ihn schreibe, fühl ich mich wie ein Fisch im Wasser, seine Szenen fließen nur so aus mir heraus, sodass ich mir wünschte, die ganze Geschichte würde nur aus ihm bestehen. Was nicht ist, kann ja noch werden *muha*

Ich hab geglaubt, ich könnte irgendwann müde werden, über ihn zu schreiben, aber dem ist nicht so. Ganz und gar nicht. Einfach, weil er nicht mit zwei drei Sätzen analysiert und beschrieben ist. Er ist komplex, nicht einfach nur ein daher gelaufener Bösewicht, sondern ein brillanter, unberechenbarer Psychopath mit dem Kaliber Hannibal Lecters. Ich kann nicht behaupten, ihn 1:1 getroffen zu haben, ich glaub, das kann so an sich nur der Drehbuchautor und konnte nur Heath Ledger auch so spielen und intensiv umsetzen. Aber ich hab trotzdem Spaß mit ihm.

Und wenn ich da so in Kapitel hinein schiele, die noch kommen...wächst die Vorfreude. Gerade wenn ich so an das Kapitel denke, das am Freitag online kommt...eines meiner Lieblingskapitel, aber gerade ab den 20-ern geht es richtig zur Sache. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt, aber es gibt so Kapitel, Passagen, Dialoge oder Szenen, die einfach passen, an denen man nichts mehr drehen muss, die einfach so aus einem herausfließen. Ich glaub, das schlägt sich auch auf die entsprechenden Kapitel nieder. Manchmal liest man es heraus, wenn etwas zäh oder mühsam ging und auch andersrum. Es ist manchmal schon toll. Und auch das Handwerk Kapitel für diese Woche wird es in sich haben...muha...so viel Joker und kein Ende...man könnte meinen, ich sei besessen, aber er gibt auch unglaublich viel her.

Heute war ich fleißig, werd jetzt noch ein bisschen herumdümpeln, nachdem ich mir abends endlich das Finale des Weathered-Piloten gegönnt habe, und dann früher ins Bett...der Wecker klingelt früh und ich will nicht erst nen halben Liter Kaffee intus haben müssen, um wach genug zu sein, die Augen zum Schreiben offen zu halten.
Ich hoffe, ihr hattet einen schönen Wochenstart! Macht euch einen gemütlichen Abend!

Stoffi

Mittwoch, 13. Mai 2009

"Dass wir Gutes tun, schließt nicht aus, dass wir auch zu Bösem in der Lage sind."


Eigentlich ist diese Aussage, die ich mal wieder unser aller Lieblingsmilliardär Bruce Wayne in den Mund gelegt hab, der Leitsatz zum Blutigen Handwerk. Gewissen ist ne schlimme Sache und ich kann den Joker voll und ganz verstehen, dass er sich dessen entledigt hat. Elena quälts zurzeit ganz schlimm und Kapitel 17, das ich gerad in der Mache hab, stellt sie da ganz arg auf die Probe. In diesem Kapitel darf ich den Joker wieder willkommen heißen, schließlich war es in Kapitel 15 und 16 viel zu ruhig ohne sein Zutun, was jedoch nicht heißt, dass die Kapitel langweilig zu schreiben gewesen wären. Gerade die 16 mausert sich momentan zu meinem bisherigen Favoriten, wer hätte gedacht, dass ich so viel Spaß mit Bruce Wayne haben würde? Und Elena hatte seit langem mal wieder die Chance, wirklich Frau sein zu dürfen. Bevor ich aber tapfer voranpreschen und weiterhin recht schnell Kapitel verzapfen kann, werde ich meinen Zitatevorrat aufstocken müssen, sowohl fürs Handwerk, als auch für ZeitLos, denn da ist gestern endlich das erste Kapitel fertig geworden.

Mir ist aufgefallen, dass es seit meinen größeren HdR-Stories zur Gewohnheit für mich geworden ist, den Kapiteln Anhängsel zu verpassen. In Mad Season & Back 2 Good warens Liedtexte, bei Scar Tissue eigene Haiku, beim Handwerk sinds Filmzitate und bei ZeitLos "normale" Zitate. Mal sehen, wann das wieder aufhört *lach*, hält immerhin schon 5 Jahre an.

Des Weiteren hab ich gestern mal meine Lese-To-Do-Liste editiert, da sie mir einfach zu lang geworden ist. Da musste ich schon mit kritischem Auge drübergehen und sehen, wovon ich mich eher trennen kann, denn manches reißt mich doch nicht so vom Hocker wie anfänglich vermutet. Außerdem will ich das, was ich verfolge, übersichtlich halten. Das betrifft vorerst nur die Genre, in denen ich momentan auch lese, es gibt Kategorien, da komm ich gerade weder schreib- noch lesetechnisch ran, man möge es mir verzeihen.

Ich les nicht gern vieles parallel, auch bei Büchern nicht und da tut mir gerad ein bisschen Genrevielfalt ganz gut, sodass ich Kükchens Meisterwerk für Dark Knight hab, Stormys Weathered-Serie (was mit sagenhaften um die 1000 Seiten wohl auch für 4 Stories reicht *lach*) für die X-Men und so ganz nebenbei harre ich auf die Veröffentlichung von Snoopys eigener Fantasyserie Venatrix, weil sie mich mittlerweile so neugierig drauf gemacht hat, dass ich keine Folge von "The Mentalist" schauen kann, ohne nicht noch ungeduldiger zu werden. (auf ihrem Blog findet ihr einen entsprechenden Trailer und Infos, die Appetit auf mehr machen!)
Ja und das muss erstmal reichen. Ich will nicht überall nur ein "Super, olé, olé" da lassen, sondern der Story das geben, was sie verdient und ich denke, da hab ich schon qualitativ die Spreu vom Weizen getrennt und mir jeweils das meiner Meinung nach Beste auf dem "Markt" kategoriebezogen herausgepickt. Außerdem find ichs n bisschen schwach, wenn bei gut gemeinten kritischen Anmerkungen nicht mal n Danke kommt, so vergrault man Leser, anstatt sie für sich zu gewinnen, aber das nur am Rande.

Meine Liste ist jedenfalls beachtlich geschrumpft, was nicht heißt, dass ich den vorläufig von ihr gestrichenen Geschichten keine Chance einräumen will. Was es mir erschwert, bei so vielen am Ball zu bleiben, ist einfach die Anzahl an Kapiteln, die ich aufzuholen hab. Außerdem merke ich gerad, dass ich wirklich gefesselt werden will und das kriegt nun mal nicht jede Geschichte und jeder Autor hin. Und da halte ich es wie mit dem Appell an meine Leser: es soll nicht zur Pflicht ausarten, sondern Spaß machen und nur weil ich lesetechnisch bei vielen Geschichten einfach pausiere, heißt das nicht, dass entsprechende Autoren nie wieder etwas von mir hören werden.

Natürlich bin ich offen für Empfehlungen, denn ich krieg auch nicht alles mit, da entgehen mir bestimmt auch so manche Perlen, aber in meinem momentanen Lesepensum ist nicht viel Platz, was unter anderem einfach auch an meiner produktiven Phase liegt.

Apropos produktiv, da wartet noch ein Kapitel auf mich. Ich werd mich mal ransetzen und weiter Melone mümmeln. Habt noch einen kreativen Nachmittag!

EDIT: Jetzt gibts auch was auf die Ohren. Eine Zusammenstellung jener Lieder, die bei der Arbeit am Blutigen Handwerk rauf und runter rasseln. Rechts in der Sidebar unter "Soundtrack" könnt ihr gern mal reinhorchen. Nun bin ich aber weg!

Stoffi

Freitag, 17. April 2009

Der Orca von nebenan

Heute hab ich dem Sohn meines Cousins eine kleine Orcafamilie an die Wand gepinselt, weil er so auf die Tierchen steht. Innerhalb von 2 Stunden war das auch erledigt und ich hoffe, es wird ihm gefallen. Für alle Neugierigen hier eine Impression:

War mal eine willkommene Abwechslung zum monotonen Weißgepinsel in der Küche. Da Letztere nun wieder fast komplett eingerichtet ist, kann ich mich auf ein entspanntes Wochenende einstellen. Gestern hab ich endlich mit Stormys Weathered-Saga (eine X-Men-Serie über bislang 7 Teile) angefangen und konnte mich gar nicht so schnell loseisen. Muss auch mal sein, dass man was außerhalb des eigenen Genres liest, das tut gut und ich kann jedem auch nur halbwegs Interessierten diese Serie ans Herz legen. Da merkt man schon krasse qualitative Unterschiede zu Sachen, die einem sonst so über den Weg stolpern. Ich bin auch hier noch mit aufholen beschäftigt, aber so nach und nach werde ich alles, was ich angefangen hab, auch zu Ende führen. Gerade, wenn man dann sieht, wie sehr sich die Autoren darüber freuen. Mei, da geht einem das Herz gleich mit auf und sooo viel Mühe ist es auch nicht, ein paar Gedanken zusammenzufassen. Natürlich ging es mir ähnlich, als ich gestern Abend zwei neue Gesichter unter den Reviewern entdecken durfte!! Da freut sich das Hobbyautorenherz, gerade wenn (ehemalige?) Stammleser schon lang nichts mehr von sich haben hören lassen. Schön, dass doch noch gelesen und es mitgeteilt wird. Schon erstaunlich, wie man jemanden mit nur wenigen Worten zum Strahlen bringen kann, aber ich lese auch gern und nehm mir entsprechend Zeit für Texte, da ist es für mich als Reviewer schon irgendwie ein kleiner Lohn, wenn ich merk, wie sehr sich der Autor drüber freut :)

Derweil geht Kapitel 2 gut von der Hand, heute hab ich endlich wieder etwas mehr Zeit, um zu schreiben, vielleicht krieg ichs dann fertig...ich werds aber wohl eher splitten. So lange Kapitel wirds beim Blutigen Handwerk nicht geben, Kapitel 1 hat etwas mehr als 8000 Wörter, in dem Bereich will ich mich auch einpendeln und es bestmöglich nicht überschreiten. Konkrete Beschwerden über die Länge hab ich zwar noch nicht bekommen, aber ich wills selbst ein bisschen drosseln und 8000 Wörter, mit Absätzen ca. 15 Seiten reicht vollkommen aus, will ich meinen. Oh, ich freu mich...die Szene wird nervenkitzlig ohne Ende, es lebe der Joker. Es ist komisch...den Plot hab ich noch nicht zu Ende gesponnen, aber die Story will raus und je mehr ich schreibe, desto klarer werden die Bilder vor meinen Augen. Interessante Erfahrung, die man mit jeder neuen Story so sammelt.

Jetzt hol ich mir nen Tee, kuschle mich in eine Decke und lass den Regen draußen, im Blutigen Handwerk ist es schließlich gerade Spätsommer, ein Grund mehr, sich für kurze Zeit dorthin zu flüchten. Kommt gut ins Wochenende!

Stoffi


Montag, 6. April 2009

Lesen oder lassen?


Heute nur einen kleinen Zwischenstopp hier, weil ich gleich wieder in die Spur muss. Ich bin vorhin nur über eine (englischsprachige) Autorin gestolpert, die sich ganz arg gegen so genannte "Joker Fangirls" ausgesprochen hat und vehement alles zu lesen ablehnt, was auch nur entfernt die Möglichkeit einräumen könnte, dass es ein romantisches Techtelmechtel mit dem luziferischen Harlekin geben könnte. Ich muss sagen, ich bin auch kein Fan von Weichspüljokers oder plötzlichen Emo-Sensibelchen mit Clownsschminke, die sich plötzlich daran erinnern, wie schön die Liebe doch ist und Schmetterlingen auf ner bunt blühenden Wiese hinterher jagen...weil...mal ehrlich, weiter OOC gehts gar nicht mehr...aber kategorisch alles abzulehnen, was einen weiblichen Protagonisten hat...wow...hey, da sollte man besser gleich die Fanfictionsparte bleiben lassen und zum Buch greifen. Ich weiß, dass es viele Autoren auch im deutschsprachigen Raum gibt, die gern alles über einen Kamm scheren, was auch nur annähernd in die Richtung "Kuscheljoker" (an dieser Stelle einen Dank an Herzlos für diese Bezeichnung, die mich sehr zum Lachen gebracht hat!) geht, sprich, was einen weiblichen Hauptchara hat, der irgendwie mit dem Joker verstrickt wird. Klar ist es ein schmaler Grat zwischen Schund und Qualität, zwischen Klischee und Innovation, aber hey, solange man nicht gelesen hat, kann man sich doch schlecht ein Bild machen. Zumal es allein auf ff.de genügend Gegenbeweise gibt, in denen ein weiblicher Chara nicht zwingend zur Liebe des Lebens für den Joker gemacht wird. Und solange der Joker in character bleibt, kann man meinetwegen auch ne Romanze spinnen. Würde ich persönlich zwar sicher mit etwas Vorsicht genießen, aber doch nicht gleich als schlecht abstempeln.

Ich denke, manche haben wirklich seltsame Kriterien, die sie zum Lesen bewegen. Meine sind recht simpel und übersichtlich. Vorurteile durch falsche erste Eindrücke kann man sicher nie ganz ausschließen, aber ich denke, es gibt ein paar Punkte, die einen einfach dazu bewegen, zumindest mal reinzuschnuppern oder vielleicht sogar dranzubleiben. Und wie mit so vielem versuche ich mich sowohl beim Lesen als auch beim Schreiben an meinen eigenen Vorlieben zu orientieren.

1. Der Titel: Sicher mögen das viele als Kleinigkeit ansehen, aber hey, der Titel ist das Präsentationsmittel Nummer 1. Auch da scheiden sich die Geister, ob englische Titel besser sind als deutsche. Ich mag beide, es muss halt einfach zur Story passen. Ich hätte Scar Tissue auch "Narbengewebe" nennen können, aber mir persönlich gefällt nun einmal die Klangfarbe im Englischen besser, was mich deutsche Titel generell nicht ablehnen lässt. Was auf jeden Fall wichtig ist, ist die Rechtschreibung. Es gibt nichts Peinlicheres, als wenn man Rechtschreibfehler oder (besonders im engl. Gebrauch) falsche Vokabeln einbaut. Der Titel ist das, was im Gedächtnis hängen bleibt und man will doch, dass an die Story an sich erinnert wird und nicht an ein Malheur, über das sich Klugscheißer ausschütten. Nicht zu lang, nicht zu kurz, wobei ich persönlich darauf plädiere, dass der Titel nicht zu lang sein sollte. Wenn allein im Titel 2, 3 Nebensätze vorhanden sind, schalt ich generell ab und klick nicht drauf. Sicher mag mir da was Gutes entgangen sein, aber man kann ruhig ein bisschen überlegen, bevor man sich für einen eher holprigen Titel entscheidet.

2. Die Zusammenfassung: Wohl einer der schwierigsten Parts beim Schreiben überhaupt. Zumindest empfinde ich es immer wieder als furchtbar, einen Plot, der sich weit über 300 Seiten erstreckt, auf drei Zeilen zu reduzieren. Eine Zusammenfassung sollte meines Erachtens nach die Handlung nicht schnöde nacherzählen. Sie sollte kurz, prägnant sein und natürlich Lust auf mehr machen. Aber das klingt oft einfacher als es ist. Jemanden nur über die Summary zu ködern ist sicher schwierig, oftmals klicken sich Leser auch aus Neugierde durch, aber die Zusammenfassung ist nach dem Titel ein wirksames Mittel, um Interesse zu wecken. Auch hier gilt: Eher kurz fassen. Zitate sind ein gutes Mittel, um Interesse zu wecken, aber ich finde, sie haben in Summaries nichts verloren. Zusammenfassungen stecken die Dreh- und Angelpunkte ab. Wer sind die Protagonisten, was ist der Ansatz, der den Stein ins Rollen bringt? Teasersätze, die Fragen in den Raum werfen, sind ideal. Mich kann man zumindest prima damit ködern. Fragen können ähnlich gut wirken.

3. Leseproben: Leider gibt es nicht in jedem Archiv die Möglichkeit, einen kleinen "Schnuppertext" zu veröffentlichen, der einem vorab einen Einblick in Stil oder sogar Handlung geben kann und somit noch mehr Eigenwerbung verspricht. Das heißt, Eigenwerbung, wenn man die richtige Passage ausgesucht hat. Andernfalls können Leseproben auch das ganze Gegenteil von der eigentlichen Absicht bewirken. Aber wie findet man den idealen Schnuppertext in einem langen, langen Werk? Ich habe mich bisher immer an die Stellen gehalten, die mir selbst persönlich am besten gefallen haben. Manchmal kann man sich partout nicht entscheiden, dann wohl eher auf kürzere Auszüge bestehen. Auf jeden Fall sind Leseproben etwas Tolles, sie geben einen Einblick und wecken das Interesse, wenn schon Titel und Summary allein nicht ausgereicht haben.

4. Die Optik: Darunter zählt die Einteilung in Absätze, Kapitellänge und evtl. spezielle Formatierung (für Rückblenden o.Ä.). Auch wieder etwas, wo sich die Geister scheiden. Ich gehe sparsam mit Absätzen um, schreibe eigentlich immer ohne Absätze, hau die dann aber nachträglich immer in den Text ein, weil glaub ich kein Leser einen Monstertext vor sich hat, bei der man sich der Wortsuche begnügen muss, um die Zeile wiederzufinden, bei der man verrutscht ist. Aber ich mag persönlich auch keine Texte, bei denen jeder Satz auf ner Einzelzeile steht. Stört mich mindestens genauso sehr wie ein Block. Da ist die Mitte wohl goldwert. Ebenso bei der Länge der Kapitel. Manche mögens eher kurz, andere lang. Ich gehöre zu letzterer Sorte. Das ist wohl wirklich Geschmackssache, aber ich denke, auch hier ist ein Mittelweg angebracht. Eine Kapitelwortzahl, die ein Drabble nur mühsam überschreitet, ist - sofern es nicht als Drabble eingeordnet ist - immer strittig. Wenn ich lese, mag ich mich gern in der Story verlieren, ganz in sie eintauchen. Das mit nur sehr wenigen Worten zu bewerkstelligen, ist glaub ich nicht wirklich möglich. Andererseits finde ich Leser immer kurios, die anhand des Scrollbalkens verfolgen, wie viel sie noch zu lesen haben. Entweder ich möchte lesen oder nicht. Simple as that. Wenn's zur Qual verkommt, sollte man es besser bleiben lassen. Außerdem spielt für mich Formatierung schon eine wichtige Rolle. Wenn die Chance auf Format besteht, sollte man sie nutzen, hier und da etwas hervorheben und wenn es nur der zentrierte Kapiteltitel ist. Macht einen Text gleich etwas ansprechender.

5. Die Reviews: Ja, ganz richtig, die Reviews. Natürlich geht das nur als Orientierung für Geschichten, die schon Feedback erhalten haben, aber sie helfen auch ganz gut dabei, herauszufinden, ob der Inhalt nach dem eigenen Geschmack ist. Dabei können Reviews allerdings auch sehr fehlleiten. Sieht man eine Story mit wenig Reviews, heißt das nicht, dass diese Geschichte schlecht ist. Hat eine übermäßig viele, ist sie deshalb nicht herausragend gut. Reviews spiegeln auch die Leserqualität wieder. Sind von 100 Reviews 80 nur sogenannte "toll weiters", sagt das natürlich nicht viel, aber manchmal wird man durch interessantes Feedback auf die Fährte einer Geschichte gelockt. Manchmal kann es daher durchaus hilfreich sein, ein bisschen zu stöbern und zu reflektieren, was für eine Art Leser eine Geschichte anzieht und natürlich wird durch Reviews auch ein wenig gespoilert, was manchmal auch ein Anstoß sein kann, reinzulesen, insbesondere, wenn eine Art Leseprobe nicht vorhanden ist.

6. Der Stil: Jetzt nehmen wir mal an, man hat es geschafft, draufzuklicken. Das Erste, was mir ins Auge fällt, ist der Stil und die Rechtschreibung. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich eine Story wegklicke, in der es vor Fehlern nur so wimmelt, denn Fehler sind nicht nur kleine Makel, sondern können dazu führen, dass man manchmal den Sinn einiger Sätze gar nicht mehr versteht. Klar passieren Tippfehler und klar hat nicht jeder Autor einen Betaleser, aber ich rede auch nicht von Flüchtigkeitsfehlern, sondern wirklichen Stilproblemen. Nicht jeder Stil muss packend sein und einen sofort vom Hocker reißen, aber er muss sich gut lesen lassen. Ich bin ein Bilderfreak, liebe Beschreibungen und Details, andere sind besonders Freunde von Dialogen. Jeder hat seinen eigenen Stil und jeder findet ihn früher oder später, ich denke, man sollte einer Geschichte die Chance geben, sich den Stil anzuschauen, sollte einen der Rest (Titel, Inhaltsangabe, usw.) nicht vom Hocker reißen.

7. Der Inhalt: Last but not least: der Inhalt. Wenn ich mich schon durch alle anderen Kriterien erfolgreich geschlagen habe, lasse ich mich natürlich auf die Geschichte ein, achte auf Logik, stimmige Zusammenhänge, vielleicht Fragen, die beantwortet werden oder offen bleiben. Wendungen in der Handlung, usw. Obwohl es vielleicht der letzte Punkt ist, auf den ich bei der Bewertung einer Geschichte Acht gebe, ist es wohl auch gleichzeitig der wichtigste, zu dem, so habe ich den Eindruck, die meisten gar nicht vordringen, die diese "Ich hab was gegen OCs"-Meinung haben. Dabei kann man dort erst dann ein (qualitatives!) Urteil über eine Geschichte fällen, wenn man wenigstens mal reingelesen hat, sich 1, 2 Kapitel zu Gemüte geführt hat. Wer von vornherein eine Geschichte ablehnt, ohne hineingeschaut zu haben, verpasst was. Inhalt und Stil gehen natürlich Hand in Hand...die Grundidee kann super sein, aber die stilistische Umsetzung unter aller Sau, daher gehen Punkte 6 und 7 bei mir immer einher. Aber ich gebe prinzipiell allem eine Chance, selbst wenn es sich um mein persönliches Lesetabu Slash handelt. Ist er gut geschrieben, glaubhaft umgesetzt und besteht nicht nur aus PWP-Kapiteln, les ichs mir sogar durch und lass meinen Senf zu da.

Was ich damit sagen will, ist keine Anleitung zum Lesen, sondern nur ein Einblick, worauf ich als Leser selbst reagiere. Dabei ist mir selbst schon aufgefallen, dass man manchmal vorschnell aufgibt, weil einem vielleicht irgendwas nicht in den Kram passt (sei's die Reviewzahl oder der Titel...). Klar ist es mühsam, so ausführlich und bedacht vorzugehen und ich lese bei weitem nicht alles, was meinen Weg kreuzt. Aber es gibt Geschichten eine Chance, lehnt sie nicht von vornherein kategorisch ab. So hab ich schon manche Perle gefunden.

Manchmal sind es FFs wirklich wert, einmal reinzuklicken. Zu entscheiden, ob man etwas mag oder nicht, dauert für gewöhnlich nur wenige Minuten, manchmal sogar nur Sekunden.

Macht euch einen schönen Abend!

Stoffi

Montag, 23. März 2009

Keine Jugendfreigabe


Was ich schon seit einiger Zeit beobachte (und das nicht nur im Dark Knight Genre, sondern generell), ist, wie leichtfertig einer Geschichte ein P-18 aufgedrückt wird. Es geht ja das Gerücht um, dass P-18 Stories eher gelesen werden als niedriger eingestufte, aber ich frag mich, was entsprechende Leser dann von einer Geschichte erwarten? Als ich noch insbesondere im Real Person Bereich tätig war, fiel mir auf, dass viele Autoren das Rating ihrer Geschichte hoch gesetzt haben, weil 1...wohlgemerkt 1 popeliges Sexkapitel darunter war. Rechtfertigt das die P-18 Einstufung einer, sagen wir, 30 Kapitel langen Geschichte, in der ansonsten eher seichte Herzschmerzthemen oder Ähnliches behandelt wird? Ich selbst habe in Mad Season damals ein Kapitel gehabt, in dem es explizit zur Sache ging. Eines. Deswegen hat die Gesamtstory immer noch ein P-12 Rating, ganz einfach, weil die Geschichte pure Unterhaltung ist. Hätte ich wegen eines erotischen Kapitels die ganze Story auf ab 18 gesetzt, hätten nicht nur meine Leser mir nen Vogel gezeigt, sondern allen voran ich mir selbst. Um eine Story P-18 zu setzen, muss es schon wesentlich deftiger zugehen, was nicht heißt, dass es in jeder Story heftig zugehen MUSS. Das Rating sollte nicht der einzige Ansporn sein, eine Story zu lesen, es sollte eine Richtlinie sein, um den Leser darauf einzustimmen, was ihn in etwa erwartet. Wenn ich P-12 oder P-16 lese, erwarte ich nicht, explizite nicht jugendfreie Inhalte zu lesen, wie z.B. äußerst explizite sexuelle Handlungen oder minutiös dargestellte Gewalt. Bei P-18 erwarte ich sowas wiederum. Umso überraschter bin ich, wenn ich durch P-18er klicke und das höchste aller Gefühle eine oben genannte 08/15 Sexszene ist. Da bin ich ehrlich gesagt...enttäuscht. Andererseits habe ich schon P-12er gelesen, bei denen ich ordentlich geschluckt hab. Manchmal ist das wirklich verdrehte Welt, aber ich habe generell den Eindruck, dass gerade jüngere Autoren ein Rating für ihre Geschichten ansetzen, das sie selbst noch nicht einmal erreicht haben. Genau genommen dürften sie gar nicht auf den Bildschirm schauen, während sie schreiben.

Klar, P-18 ist reizvoll, weil es den Hauch des "Verbotenen" trägt. Aber es ist leider auch sehr verwirrend für den Leser, wenn diese Alterseinstufung ungerechtfertigt inflationär verwendet wird. Wonach soll man sich als minderjähriger Leser, der sich an die Alterseinstufung hält (jaha, ich weiß, davon gibts nicht allzu viele), noch orientieren, bevor man mit dem Lesen anfängt? Was mir außerdem aufgefallen ist, ist, dass viele nicht begreifen, was mit Slash gemeint ist. In manchen Stories ist kein homoerotischer oder homosexueller Inhalt beabsichtigt, aber jemand, der nicht gern Slash liest (moi), wird durch ein falsches Rating schlichtweg abgeschreckt und das leider unnötigerweise. Dabei wird in Archiven wie ff.de oder ff.net deutlich genug differenziert, welches Rating für welche Inhalte angebracht ist. Komisch. Entweder es ist schiere Unaufmerksamkeit oder der Autor hat Probleme mit der Einstufung des Ratings.

Scar Tissue hat ebenfalls ein 18-er Rating, aber ich denke...*hust* das ist berechtigt. Auch ohne die Anwesenheit eines reißerischen Sexkapitels. Aber das ist wohl immer auch eine Sache der individuellen Einschätzung. Generell ist Rating immer Orientierungssache, jeder muss selbst wissen, was er sich zumuten mag, selbst wenn er altersgemäß noch unter der Freigabe liegt. Dennoch sollte man abschätzen können, für welche Altersgruppe die Inhalte der eigenen Geschichte zuträglich sind und für welche nicht. Und das sollte wiederum nicht an einem einzelnen Kapitel festgemacht werden.

Jaja, ich lamentiere wieder vor mich hin...nun ja...ich setz mich dann mal wieder an den Endspurt. Lasst euch nicht verwirren!

Stoffi

Sonntag, 15. März 2009

Die Sache mit dem Feedback


Nein, nein, nein, keine Angst...jetzt kommt kein Vortrag darüber, dass sich einige Stammleser nicht mehr melden (auch wenn ich da wirklich gern wenigstens wissen würde, warum das so ist), sondern vielmehr ein Gedanke, der mich heute beschlichen hat. Feedback. Eine schöne Sache. Eine der schönsten für einen Geschichtenschreiber, der seine Gedanken in Form einer Story mit anderen teilt. Ich habe Reviews und Mails immer als sehr bereichernd empfunden. Die Zeiten sind vorüber, in denen Reviews der einzige Motor für mich waren, um weiterzuschreiben. Ja, diese Phase hatte ich auch, gerade zu Beginn, als ich meine ersten Fanfictions online gestellt hatte; ich denke, jeder hatte sie einmal, viele sind aus ihr immer noch nicht raus. Aber was macht viele Autoren so abhängig, bzw. dankbar über ein paar kleine Worte der Resonanz?

Für manche mag es schlicht und ergreifend die Gesamtreviewzahl sein, auch wenn das bekanntlich wenig über eine Story aussagt. Doch für viele ist es einfach unglaublich wichtig, weil sie unsicher mit bestimmten Aspekten ihrer Story sind. Hab ich Charakter xy getroffen oder bin ich völlig OOC gelandet? Ist der Plot logisch? Vielleicht vorhersehbar? Hab ich ein Stilmanko? Rechtschreibprobleme, brauche ich vielleicht eine(n) Beta? Jeder, der sich ernsthaft Gedanken über eine Geschichte macht, grübelt über diese und noch mehr Dinge nach. Und wenn man dann keine Antworten auf diese implizit gestellten Fragen bekommt, ist das frustrierend. Gerade zu Beginn, wenn man ohnehin auf unsicheren Beinen steht und vielleicht noch eine stützende und führende Hand braucht.

Autoren sind nicht gleich reviewgeil oder betteln um Feedback, wenn sie um ein wenig mehr Resonanz bitten. Fanfiction ist ein interaktives Medium, das nach dem Geben-und-Nehmen Prinzip funktioniert. Der Autor sitzt stundenlang an einem Kapitel, investiert Zeit, Mühe, Herzblut und Gedanken an Recherche, feilt hier und da herum, überarbeitet, wo er kann; der Leser bekommt Gelegenheit, das Ergebnis dieser Arbeit zu lesen und sich Gedanken darüber zu machen. Doch Fanfiction funktioniert zu einem gewissen Maß nur dann, wenn der Leser in dieses Prinzip einsteigt. Mal ehrlich, wenn man sich die Zeit nimmt, ein Kapitel von, sagen wir 4,500 Wörtern zu lesen, hat man doch die Zeit, seine Meinung dazu da zu lassen.

Ich hab immer den Eindruck, Reviews werden mit Lob verwechselt. Reviews sind nicht ausschließlich dazu da, den Autor zu beweihräuchern oder ihm auf die Schulter zu klopfen, Reviews bieten Platz für Anregungen, was noch nicht so stimmig ist, Platz für Fragen, die sich beim Lesen ergeben haben, Platz für konstruktive (!) Kritik, eine Sammelstelle für all das, was man beim Lesen empfunden oder gedacht hat. Und ist es nicht spannend für den Leser, mit dem Autor durch dieses Feedback in Kontakt zu treten? Mir geht es immer so, dass ich mich sehr freue, wenn auf ein paar meiner Worte eingegangen wird, wenn mir Autoren ihre Gedanken zu der von mir verfassten Kritik oder Lobrede übermitteln (NICHT über Gegenreviews, das geht auch prima per Mailaustausch). Was ich an Fanfictions mag, ist die Möglichkeit der Kommunikation. Wann hat man bei der Lektüre eines Buchs schon die Chance, dem Autor Fragen zu einer bestimmten Stelle zu stellen? Oder ihn auf Fehler hinzuweisen? Wenn man nicht gerade Lektor oder mit dem Autor persönlich bekannt ist, bieten sich da herzlich wenig Gelegenheiten.

Schade ist es nur, dass relativ wenige von dieser Chance Gebrauch machen. Meine Frage ist daher: Woran liegt das? Halten die von "uns" Autoren so schändlich als "Schwarz-" oder "Gelegenheitsleser" bezeichneten Konsumenten unserer Zeilen uns für reviewgeil? Denken sie, wir wollen nur unseren Account pushen und mit großen Zahlen prahlen und verwehren uns deshalb den Zugang zu ihrer Meinung? Ich habe mal von einem Leser gehört, dass viele angeblich nicht wüssten, was sie zu Texten sagen sollten oder dass sie sich keine Gedanken gemacht hätten. Ist dann der Text gescheitert? Kann man wirklich ohne Eindruck oder Gedanken lesen? Ich kann es nicht, zumindest nicht, wenn ich verstehend lesen möchte. Das Argument der fehlenden Zeit ist, wie Stormy bereits angedeutet hat, eine Ausrede. Wenn man Zeit zum Lesen hat (was bedeutend mehr Zeit kostet als das Hinterlassen von Feedback), kann und sollte man meiner Meinung nach ein paar Zeilen da lassen.

Klar gibt es reviewgeile Autoren oder Schreiberlinge, die nur wegen des Feedbacks schreiben. Aber das ist, wie ich finde, oftmals die Ausnahme. Meistens sind es Frischlinge, die Bestätigung suchen und das Schreiben vielleicht noch nicht ganz so ernst nehmen. Aber ich empfinde es so, dass der Großteil von uns mit Herzblut und Leidenschaft schreibt, weil es einem ein innerstes Bedürfnis ist, diese eine Geschichte zu erzählen. Es ist nicht immer leicht, Geschichten zu veröffentlichen, die einem selbst sehr ans Herz gewachsen sind und einem nahe stehen. Belohnt diesen Mut, belohnt diesen Einsatz, belohnt diese Leidenschaft, mit der ihr unterhalten werdet. Und an alle Autoren: Geht, so gut es geht, auch auf das ein, was ihr erhaltet.

Mein Appell wird nicht viele erreichen. Ich habe keine Ahnung, wer sich auf diesen Blog verirrt und wer ihn tatsächlich liest, vielleicht still verfolgt. Aber ich wollte es dennoch sagen, weil es mir auf der Seele brennt und ich erst heute lesen durfte, wie sehr sich eine meiner Meinung nach äußerst begabte Autorin über mein Feedback gefreut hat, die trotz der Brillanz ihrer Worte verhältnismäßig wenig Resonanz erhält. Anderen eine Freude zu machen ist nicht schwer, ist viel leichter als es sich der ein oder andere vielleicht vorstellt. Wenn ihr Freude empfindet, weil ihr eine Geschichte lesen könnt, die euch zusagt oder euch in Atem hält, dann scheut euch nicht davor, es den Autor wissen zu lassen. Er wird eure Freude mindestens teilen!

Ich kann und will niemanden bekehren, aber ich möchte nur, dass der ein oder andere, der vielleicht nur liest und nicht selbst schreibt, einen Eindruck bekommt, wie man sich als Autor einer Geschichte fühlt. Vielleicht denkt ihr an diese kleinen Zeilen dieses noch kleineren Blogs, wenn ihr das nächste Mal in einer Fanfiction stöbert. Und vielleicht hinterlasst ihr trotz eigentlicher Unlust und Widerwillen eine Review...und vielleicht empfindet ihr auch Freude dabei, wenn ihr seht, was ihr für Freude bewirken könnt.

Und weil ich schon wieder labere...geh ich jetzt schlafen. Oder schreiben, bis mir die Augen zufallen...ja, wohl eher das. Gute Nacht!

Stoffi

Mittwoch, 11. März 2009

Wie du mir, so ich dir?


Es gibt wahrlich nicht viele Dinge, die mir die Hutschnur hochgehen lassen, aber eins davon trudelte heute Morgen in meinem e-Mail Postfach ein und ging auf Scar Tissue ein. An sich etwas, das mich mich freuen und strahlen lässt, wäre da nur nicht das Anhängsel gewesen: "Schau doch mal bei meiner Story rein und lass mir was da, dann les ich auch bei dir weiter." Argh! Scheinbar hat sich doch nichts in der Welt der Fanfictions geändert, viele Leser ziehen immer noch mit der Motivation los: "ich reviewe, damit ich selbst Reviews und Leser bekomme." Aber sollte es nicht eigentlich der Text sein, der überzeugt und Leser dazu bringt, ihre Meinung zu äußern? Muss man wirklich von Story zu Story ziehen mit dem Hintergedanken, somit neue Leser zu gewinnen? Wo sind die Zeiten hin, in denen eine Story um der Story Willen gelesen und kommentiert wurde? Und wie ernst kann man dann noch Feedback nehmen, das man auf diese Weise "gewinnt"?

Ich finds sehr schade und beäuge meine Reviews mit entsprechender Nachdenklichkeit. Ich möchte nicht das Gefühl haben, dass sich andere dazu herablassen, meine Zeilen zu lesen, um selbst daraus Profit in Form von Reviews zu schlagen. Klar sind Reviews schön, aber ich freu mich zehnmal mehr über Feedback, das von Interesse zeugt, als über als Review getarnte Eigenwerbung. Reviews sind immer toll und auch wichtig für jeden Autor, ganz egal, ob Profi oder Hobbyschreiberling, aber sie sind doch nicht die einzige Motivation zum Schreiben, oder??

Ich lese immer noch, weil ich es gern tue und Interesse an einer Story hege. Im Moment ist mein Kopf nicht frei, zu viel von Scar Tissue geistert darin herum, doch sobald ich die Geschichte abgeschlossen haben werde, will ich einiges nachholen. Ich bin schon froh, dass ich bisher Gillians "Die Menschlichkeit des Seins" nahtlos verfolgt habe, Kuschelkueckchens "For want of evidence" reizt mich allein wegen ihres ausgeprägten Stils sehr, aber auch da hinke ich hinterher. Wieso also Lesen zu einem Massenkonsum werden lassen? Weniger ist mehr, lieber nehme ich mir Zeit für einen Text, als alle vorhandenen nach einem 08/15 Prinzip durchzuackern.

Eines ist sicher; der Autor oder die Autorin, die diese liebliche Anfrage an mich zwecks Reviewsymbiose gestellt hat, kann sicher gehen, dass ich mir die Story nicht einmal anschauen werde. Denn so vergrault man meiner Meinung nach potentielle Leser. Ich weiß daher nicht, wie die Erwartungshalter meiner Leser auf ff.de steht, ob insgeheim nur gelesen wird, um selbst einen neuen Leser an Bord zu ziehen. Ich hoffe, dass es nicht so ist, ansonsten haben mich meine lieben Selbstzweifel sehr schnell wieder eingeholt. Ich hoffe, Anmerkungen wie in der oben erwähnten Mail bleiben die Ausnahme. Ansonsten kann ich mir das Veröffentlichen wirklich schenken, dann sind Kommentare und Interesse in den Wind gestreut.

Warum ich mich überhaupt darüber ärgere? Keine Ahnung. So ein Leseverhalten deprimiert mich nur ungemein. Wer gern schreibt, der liest auch gern, das kann man nicht voneinander trennen. Aber ich will gern lesen, nicht aus Gefälligkeit. Ist das so schwer zu verstehen?
Ich mach mir jetzt einen Tee und schreib, mein Mailaccount kann mich mal kreuzweise.
Lasst euch nicht ärgern!

Stoffi

Freitag, 6. März 2009

Ein Joker, viele Gesichter


Passend zum Kapiteltitel hab ich das 35te Kapitel fieberhaft zu Ende geschrieben und damit die 600-Seitengrenze deutlich überschritten. Mit knapp 400,000 Wörtern sieht's ganz so aus, als könnte Scar Tissue die längste Story werden, die ich jemals geschrieben hab; meine Fortsetzungsgeschichten rechne ich jeweils einzeln. Meine Mum kam kürzlich auf mich zu und meinte, wie viel ich denn schon geschrieben hätte. Daraufhin zeigte sie mir einen Zeitungsartikel, der besagte, dass der längste Roman, der bislang geschrieben worden sei, Prousts Suche nach der verlorenen Zeit sei und 5,300 Seiten zählen würde. Was dieser Seitenhieb sollte, weiß ich nicht, denn ich schreib Fanfiction und keinen Roman und schreib auch nicht, um irgendwelche Rekorde zu brechen (Himmel, 5000 Seiten, so viel hab ich vielleicht, wenn ich alles zusammenzähl, was ich je geschrieben hab, Grundschulschreibarbeiten dazugerechnet), aber ich fands amüsant.

Als ich die Story angefangen hab, hätte ich nie damit gerechnet, dass sie so komplex wird. Ich hatte nur eine grobe Vorstellung vom Plot, jetzt fügt sich alles zusammen. Und es wird...düster...ich muss ein bisschen schmunzeln, wenn ich teilweise im Feedback Kommentare á la "Horror" und "düster" erhalte...wenn ich mir anschau, was noch kommt oder woran ich gerade schreibe...frag ich mich, obs vielleicht zu viel für den ein oder anderen wird, ohne jetzt zu viel versprechen zu wollen. Na, wir werdens sehen. In Nummer 35 kommts zu ner sehr haarsträubenden Szene, bei der mir beim Schreiben ein Schauer nach dem anderen über den Rücken gelaufen ist...und nicht nur mir. Es war ein Moment, in dem ausnahmsweise mal dem Joker ein bisschen zunahe getreten wurde und ich fand es sehr interessant, tiefer in diesen absonderlichen Charakter einzutauchen. In ihm schlummert Haarsträubendes.

Umso spannender finde ich es, zu lesen, wie andere Autoren in diesem Genre den Joker darstellen oder interpretieren. Nicht immer korreliert das mit meinen Eindrücken von ihm, aber interessant ist es dennoch. Manchmal entdeckt man Parallelen, oder auch völlig neue Perspektiven auf diesen absonderlichen Charakter, der locker in einer Liga mit Hannibal Lecter spielen könnte. In Kapitel 36 wird er wieder ordentlich austeilen und ich freu mich drauf, auch wenns ein totales Psychospielchen wird. In diesem Sinne tauch ich erstmal ins Schreibprogramm ab und wünsche euch einen schönen Freitagabend!

Stoffi