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Donnerstag, 29. Oktober 2009

Wie von Geisterhand


Ich hab mich schon immer mal gefragt, wie es sein muss, als Ghostwriter tätig zu sein. Also, Artikel, Geschichten oder gar Romane im Namen einer anderen Person zu verfassen. Viele Prominente, die auf den Zug der Mode aufspringen, greifen gern auf einen professionellen Autor zurück, anstatt wirklich selbst die Feder zu schwingen - wofür wir ihnen vielleicht auch dankbar sein sollten. Aber wie muss sich die Person im Schatten des Ruhms fühlen? Abgeschottet von Publicity, Werberummel und Kritik, die dann doch eher der "genannte" Autor einfängt?

Ich bin sicher, dass finanziell für einen Ghostwriter einiges abspringt. Schließlich müsste man doch in gewisser Weise dafür "entschädigt" werden, dass der eigene Name nicht auf dem Buchtitel/Artikel/Buchserie gedruckt steht, oder nicht? Ich glaube, das hängt vom Menschentyp ab. Nicht jeder könnte als Ghostwriter arbeiten, denn ich bin überzeugt, dass ein Großteil der Schriftsteller nicht nur Werk, sondern auch sich selbst veröffentlichen will. So ganz kann man das Ego eines Autors nicht außen vor lassen. Ist ja auch nichts Verwerfliches daran, auf seine eigene, oftmals schweißtreibende Arbeit stolz zu sein. Natürlich findet der Ghostwriter auch Anerkennung, man kann das geistige Eigentum anderer nicht einfach unter den Tisch fallen lassen. Die dicksten Lorbeeren heimsen trotzdem andere ein.

Fakt ist aber, dass es ein schwindend geringer Anteil aller Schreiberlinge da draußen wirklich in die Welt des Publizierens schafft, und ist man dann nicht sogar bereit, eine Gelegenheit wie das Ghostwriting wahrzunehmen? Nicht nur im Bereich der Fiktion ist dieses Phänomen verbreitet. Man kann sich sogar akademische Arbeiten von professionellen Ghostwritern anfertigen lassen (sollte ich vielleicht mal in Betracht ziehen :P), einige beliebte Blogs diverser Persönlichkeiten werden von anderen Leuten unterhalten, die sich nicht zwangsläufig als solche zu erkennen geben. Fiktion und Sachliteratur sind längst nicht mehr so transparent wie zu Zeiten des großen Autorenbewusstseins, und auch wenn wir nicht befürchten müssen, in eine Copyright-Anarchie mittelalterlicher Ausmaße zurückzufallen, ist doch lange nicht mehr alles so, wie es scheint.

In Sachen Fanfiction weiß ich nicht, ob es Ghostwritingfälle gibt. Ich weiß, dass es mancherorts zu Ideenaustausch kommt, woraufhin einer vielleicht auf die Idee eines anderen basierend (und hoffentlich mit Einverständnis des Ideengebers) eine Geschichte zusammenschustert. Etwas Ähnliches, wenn auch auf noch viel banalerem Level, hab ich damals in meiner Schulzeit für eine Freundin getan. Immer mal wieder Geschichten gesponnen mit Elementen, die sie drin haben wollte. Wenn ich das auf Fanfiction beziehen will, würde ich es allerdings wiederum knifflig finden, unter welchen Umständen ein solches Werk veröffentlicht werden sollte. Unter dem Namen des Ideengebers oder unter dem des tatsächlichen Schreibers?

Falls es solche gewagten Experimente in der FF-Welt gibt, sei den Praktizierenden geraten, auf der Hut zu sein. Man heimst nicht immer nur die Lorbeeren für die Arbeit anderer ein, sondern unter diesen Umständen auch deren Kritik. Was zu dem Schluss führt: doch lieber selbst schreiben, sofern man sich in der Lage dazu fühlt. Ich glaube, ein solches Werk, sei es nur ein kleines Gedicht, eine Fanfiction oder ein ganzer Roman, kann man dann mit wesentlich mehr Stolz und auch Selbstvertrauen repräsentieren. Der Autor, wie Foucault zu sagen pflegte, ist nicht etwa tot, er ist quicklebendig. Auch wenn er sich manchmal gut zu verstecken weiß.

Soviel von mir.

Stoffi

Dienstag, 27. Oktober 2009

Verbale Vermittler


Mir ist einmal mehr aufgefallen, wie verwandt mein Studienbereich mit dem Schreiben an sich ist. Ich schöpfe von Sitzung zu Sitzung neue Erkenntnisse und Perspektiven auf das Schreiben, ohne dass das Schreiben Thema ist. Fakt ist, dass das Übersetzen von Texten kein Kinderspiel ist und insbesondere im literarischen Bereich sehr viel Fingerfertigkeit abverlangt wird. Es gilt nicht nur, den Inhalt des entsprechenden Buches zu vermitteln oder stupide Zeile für Zeile in eine andere Sprache zu übertragen. Stil, Ausdruck, Metaphern, Charakterisierungen, kulturelle Implikationen...all das spielt mit ein. Und, nicht zu vergessen: Der Übersetzer kopiert nicht einfach den Stil des Autors. Absolute Loyalität zum Quelltext ist ein Ammenmärchen; als Übersetzer muss man allem voran improvisieren und kreative Lösungen finden können, wenn man textualen Schwierigkeiten begegnet. So z.B. Wortspiele oder Redewendungen, zu denen es kein Äquivalent in der Zielsprache gibt; kulturelle Andeutungen oder Fremdwörter, die der Leser nicht nachvollziehen kann.

Der Übersetzer ist in diesem Sinne nicht bloß ein Vermittler von Texten, denn das kann die berühmte Google-Maschine auch zu mehr oder eher weniger befriedigendem Ausmaß; nein, er ist in gewisser Weise selbst Autor, der seiner Arbeit einen eigenen Stil aufdrückt. Es ist leicht, sich über deutsche Übersetzungen englischer Texte zu beschweren, vieles geht zwangsläufig im Prozess der Übertragung verloren. Aber es ist in meinen Augen schlichtweg vermessen, Kritik zu üben, wenn man keinerlei Einblick in die Materie hat. Ich muss gestehen, ich bevorzuge Texte auch in ihrem Original, aber das bedeutet deswegen nicht, dass die Übersetzung dem nicht ebenbürtig ist. In manchen Fällen ist die Übersetzung sogar stellenweise besser gelöst als das Original.

In anderen Sprachen zu schreiben ist reizvoll und ich habe mich auch oft darin versucht (die meisten Sachen schmoren auf meiner Festplatte), aber richtig sattelfest und zu Hause ist man glaub ich nur in seiner Muttersprache. Daher muss ich immer ein bisschen schmunzeln, wenn in Archiven Übersetzungsbörsen aufgemacht werden und jeder behauptet, dieser Arbeit fähig zu sein. Sprachkenntnisse zu haben bedeutet nicht, dass man ein guter Übersetzer ist und mir blutet ein wenig das Herz, wenn ich sehe, mit was für einer Arroganz streckenweise mit dem Thema umgegangen wird. Mit Kritik sind manche erstaunlich schnell bei der Sache. Ist auch bequemer, als einen Blick hinter die Fassade zu werfen und sich zu fragen, warum eine Übersetzung so ist, wie sie ist.

Ich bin neulich von einer amerikanischen Leserin angeschrieben worden, die über nur geringe Deutschkenntnisse verfügt und daher Google-Übersetzer zur Hilfe genommen hat, um im Blutigen Handwerk zu lesen. Sie fragte mich, ob ich, wenn ich denn fähig dazu sei, meine eigene Geschichte übersetzen könnte, damit sie diese auch mal lesen kann. So reizvoll das auch klingt, aber mir fehlt leider die Zeit und mit Sicherheit auch die Erfahrung. Allerdings würde ich wohl eine eigene Übersetzung einer Fremdübersetzung vorziehen. Ich weiß, was ich mir bei gewissen Szenen gedacht habe und warum ich dieses oder jenes genau so formuliert habe. Und ich würde nicht wollen, dass diese Andeutungen verloren gehen. Überhaupt ist es ein schönes Gefühl, wenn man auch ein potentielles Publikum und Interessenten außerhalb deutscher Gestade hat, ohne dass man mehr machen musste als zu schreiben. Bin nicht mit dem Klingelbeutel von Haus zu Haus gezogen. Schön, dass es noch Leute gibt, die um des Lesens willen lesen, die sich so für eine Geschichte begeistern können, selbst wenn sie sie nicht hundertprozentig verstehen. Das Internet hat viele Türen aufgemacht und obwohl wir nicht immer die gleiche Sprache sprechen, ist es gut zu wissen, dass es Mittel und Wege der Kommunikation gibt. Schließlich zeigt uns der Alltag immer öfter, dass wir keine Fremdsprache sprechen müssen, um uns nicht verstehen zu können. In dem Falle hilft dann leider auch kein Übersetzer.

Meine Geschichten übersetzen...so spannend das auch klingt, aber das ist etwas, das ich momentan nicht ins Auge fassen würde. Der Arbeitsaufwand ist immens und meine Zeit ist rar, sodass ich sie doch lieber fürs Schreiben selbst investiere. Dass es umgekehrt durchaus eine erfolgreiche Praxis sein kann, aus dem Englischen (oder anderen Sprachen) zu übersetzen, hat uns wohl die Übersetzung von Lady Rheenas HdR-Fanfictions gezeigt. Ich wage keinen Trend in dieser Hinsicht vorauszusagen, aber es ist mit Sicherheit auch für einen FF-Autor toll, im Ausland gelesen zu werden. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass sich Lady Rheena damals nicht über ihre zahlreichen Reviews beschwert hat, die meines Wissens nach für sie übersetzt wurden. Man muss Fanfiction nicht in sprachlich eingeschränkten Feldern betrachten; es ist wie das Internet selbst allmählich eine Kommunikationsform geworden, die Grenzen überschreiten kann. Und das kann nur im Sinne des Erfinders sein.

Soviel von mir.

Stoffi

Montag, 26. Oktober 2009

Akzente setzen


Dass man diese Phrase auch falsch verstehen kann, durfte ich kürzlich entdecken, als mir ein Reviewtext ins Auge sprang, der in bayrischem Kauderwelsch verfasst worden war. Automatisch musste ich daran denken, dass Dia- und Soziolekte durchaus als Stilmittel in der Literatur verwendet werden, um auf geografische/soziale/temporale Herkunft entsprechender Charaktere zu verweisen. Aber ist das auch in deutscher Literatur gängig?

Im Englischen ist es durchaus beliebt, wenn ich nur daran denke, wie in "Die Farbe Lila" der afroamerikanische Südstaatenslang dominant eingesetzt wurde, oder man denke nur an "Pygmalion" und den netten Cockney-Accent. Ich entsinne mich an einen Artikel, der zurzeit des HdR-Film-Booms erschienen ist und die Sprechvarianten der einzelnen Rassen diskutiert hat, die in Mittelerde vertreten sind. Im englischen Original kann man da ja hervorragend mit regionalen Akzenten spielen, von amerikanischem Englisch bis hin zu RP war da alles dabei. Nun fragte sich der Autor, wie das wohl aussähe, würden wir ein deutsches Äquivalent in der Synchronisation benutzen. Legolas wurde da ein herrlicher Berliner Dialekt angedichtet: "Ey Frodo, ick glob', ick hör wat trapsn!" Man stelle sich das mal auf über 10 Stunden Filmmaterial vor. Ich glaub, das wäre die beste Parodie, die dem Film passieren könnte. Nun ist das natürlich in synchronisierten Filmen eine Sache. Im Original verkaufen sich Dialekte sicherlich besser, man denke nur an den Schuh des Manitu. Da werden sie aber auch effektvoll eingesetzt.

In der Literatur ist das wiederum eine andere Geschichte. Ist es erwünscht, Charakteren Dialekte anzudichten? Im Sinne von Charakterisierung sicherlich, aber wie sieht das beim Leseempfinden aus? Ich wüsste, dass es mich sehr irritieren und bald unglaublich nerven würde, wenn ich permanend dechiffrieren müsste, was der Autor von mir will oder sehr regionales Vokabular benutzt. Nein, auf Dauer würde ich so einen Text nicht durchhalten, fürchte ich. Es ist etwas anderes, wenn man jemandem informale Sprache andichtet, leichtes Nuscheln, eine Mundart oder sehr spezielle Wortwahl/-wiederholung. Bei "I woas a net" wäre ich da schon vorsichtiger. Heißt nicht, dass es ein No-Go ist, aber es sollte denke ich sparsam verwendet werden, gerade wenn man ein Publikum im Sinn hat, das nicht aus entsprechendem Sprachraum stammt. Interessant ist es, wenn man anhand des Textes herauslesen kann, aus welcher ungefähren Ecke der Autor stammt. Manche Floskeln, Wendungen oder gar grammatikalischen Eigenarten (ich sag nur "Ich bin gestanden" vs. "Ich habe gestanden") verraten dich einem aufmerksamen Leser.

Noch ist die deutsche Schriftsprache nicht völlig vermündlicht; manche bemühen sich noch um die Erhaltung des Genitivs (auch wenn ich immer mehr FFs entdecke, die einem Wegen bevorzugt einen Dativ zur Seite stellen), andere haben diese unangenehme Entwicklung in ihre Schriftsprache übernommen. Sprache entwickelt sich kontinuierlich, ist kein fixes, geschlossenes System. Nur manchmal graut mir ein bisschen davor, in welche Richtung sie sich noch entwickeln mag. Solange kein "Ey Alder" in den Bestsellerlisten erscheint, ist glaub ich noch nicht aller Tage Abend.

Den, also einen schönen Abend, wünsche ich euch trotzdem!

Stoffi

Sonntag, 25. Oktober 2009

Let's wind the clocks back a year


...um es mit den Worten des Jokers zu sagen; und nein, ich beziehe mich nicht auf die Zeitumstellung, der wir einmal mehr eine Extrastunde Schlaf zu verdanken hatten. Ich reflektiere. Heute bin ich endlich dazu gekommen, Kapitel 25 von Scar Tissue upzudaten, nachdem ich unbeabsichtigt einen Updateumlauf aussetzen musste. Und ja, was soll ich sagen, wir haben die Hälfte der Story überschritten. Das lädt doch zu einem Rückblick ein, oder nicht?

Vor einem Jahr habe ich rege an Scar Tissue geschrieben, um diese Zeit des Jahres womöglich an den Kapiteln 12/13, wenn ich mich recht entsinne. Es war eine Zeit, in der ich feste Schlagzeiten hatte, und das meine ich wörtlich. Ich kann mich nicht entsinnen, jemals produktiver (sowohl qualitativ als auch quantitativ gesehen) geschrieben zu haben. Über eine Veröffentlichung dachte ich da längst noch nicht nach; die Idee steckte zu sehr in ihren Kinderschuhen und Dark Knight war ein Genre, das ich mir noch nicht ganz zutraute, ganz zu schweigen vom Joker als Hauptcharakter. Nun, wie sich zeigt teilen andere Autoren diesen Respekt vor dem Genre nicht unbedingt und gehen weitaus weniger zaghaft zu Werke, aber das sei jedem selbst überlassen. Dann, im Januar, hab ich den Schritt gewagt und das Ding online gestellt. Dark Knight war zu der Zeit Dank DVD Erscheinung im Dezember noch in aller Munde und ein recht gut besuchtes Fandom. Die Resonanz war überwältigend, ich ging die ersten Kapitel mit nicht weniger als 10 Reviews pro Teil ins Rennen.

Natürlich konnte das nicht anhalten. Mittlerweile sind so viele Leser abgesprungen, bzw. ins Land der Stille untergetaucht, dass ich treue Leser an einer halben Hand abzählen kann. Zeiten ändern sich und auch wenn ich oft darüber gegrübelt habe, woran es denn liegt, sehe ich der Entwicklung gelassen gegenüber. Es ist meine Story und sie ist in Ordnung so wie sie ist, mit all ihren Macken und Längen. Sie ist schlüssig, sie ist episch, sie bemüht sich zumindest um Charaktertreue und -tiefe und erreicht im gegenwärtigen Updatestatus so langsam ihren Klimax. Ja, doch, mit den Kapiteln, die im Moment online kommen, bin ich mehr als zufrieden. Hundertprozentig zufrieden bin ich mit Scar Tissue nicht, aber das ist in Ordnung. Ich bin kein Perfektionist und ich strebe es auch nicht an, zufrieden zu sein. Zufriedensein heißt irgendwo ausruhen, an einem Punkt aufhören, sich zu entwickeln.

Es ist ein bisschen traurig, dass so viele sich gegen diese Geschichte entschieden haben und wohl nie das lesen werden, was mir persönlich die meiste Freude bereitet hat, die nie sehen werden, was diese Geschichte ausmacht. Weil sie zu lang(-atmig) ist? Weil sie keinen sexy Joker mit romantischen Allüren oder weichem Kern zeichnet? Oder gar weil sie Batman nicht ins Zentrum des Geschehens rückt? Weil der Stil nicht gut genug oder nicht ansprechend ist?

Weiß der Kuckuck, ich kann nicht in Leserköpfe schauen und ich habe weder Zeit noch Lust, mich länger mit Sackgassengedanken wie diesen zu befassen. Was ich sagen will: ich bin nach wie vor stolz auf Scar Tissue, mein Dark Knight Baby. Die Geschichte war für mich eine weitere wichtige Erfahrung, ein Ausflug in ein unbekanntes Territorium, eine Herausforderung. Jetzt, ein Jahr später, hat sich vieles verändert. Meine Prioritäten, meine Schreibbedingungen, mein Genre, meine stilistischen Vorlieben. Ich habe nicht aufgehört, The Dark Knight zu lieben, aber es ist über ein Jahr vergangen und es ist Zeit, weiter zu gehen. Ich habe noch einige Geschichten über den Joker in petto und werde sie sicher auch schreiben, aber alles zu seiner Zeit. Ich weiß nicht, wie ich in einem Jahr auf meine gegenwärtige Arbeit zurückblicken werde oder aber was ich dann schreiben werde. Es ist auch nicht von Bedeutung im Moment. Wichtig ist nur, dass das Schreiben Bestand hat.

Macht euch einen schönen Sonntag!

Stoffi

Samstag, 24. Oktober 2009

Erklärungsnot


Beim Schreiben kommt es ja doch mal häufiger vor, dass man sich in spezielle Gefilde begibt, die entweder Fachwissen oder Verständnis für entsprechende Abläufe/Mechanismen bedürfen, um eine glaubwürdige Darstellung im fiktiven Kontext zu garantieren. Der Autor hat dafür bekanntermaßen Recherche zu betreiben oder aber ist glücklich genug, entsprechendes Wissen aus eigener Lebenserfahrung angesammelt zu haben. Den Punkt Recherche habe ich hier schon mal zerpflückt, aber nicht vom Standpunkt des Lesers aus.

Neulich stolperte ich über einen Fachtext für Übersetzungsstrategien und sah, dass sich der Übersetzer, um in der Zielsprache nicht existente Fachtermini zu erklären oder aber auf kulturspezifische Andeutungen im Quelltext hinzuweisen, der berühmt-berüchtigten Benutzung von Fußnoten bedient hat. Das hat er dann aber derart inflationär betrieben, dass die Fußnoten teilweise 50% der Seite eingenommen haben. Ich will aber, wenn ich einen Roman oder eine Fanfiction lese, die Geschichte lesen, nicht ergänzende informative Anmerkungen. In einem Roman stolpert man über so etwas sicherlich äußerst selten, und wenn, dann häufiger in Übersetzungen, die den Spagat meistern müssen, wenn etwas in der Quellsprache vorhanden ist, das die Zielsprache nicht hergibt (nehmen wir zum Beispiel die höfliche Anrede im Deutschen, die es im Englischen pronominal nicht gibt - man kennt ja das verkorkste Beispiel "you can say 'you' to me"), ich glaube, in "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" findet man die Anmerkung im englischen Text.

In Fanfictions ist das Ganze noch problematischer, da man nicht seitenweise veröffentlicht und demnach keine Fußnoten im wörtlichen Sinne einfügen kann. Und welcher Leser mag es schon, wenn Sternchen andeuten, dass es noch eine Erklärung zum Inhalt oder gewählten Ausdruck gibt, diese dann am Ende des Kapitels stehen und man gezwungenermaßen zum Hin- und Herspringen im Text genötigt wird? Ich streue ergänzende Informationen äußerst selten ein; nötig war es hier und da in meinen HdR-Schmonzetten, da ich mich des Sindarins bedient hatte und dementsprechende Übersetzungen nötig waren, um Verständnis zu ermöglichen.

Aber wie sieht das generell aus? Wie viel Wissen darf man als Autor beim Leser voraussetzen? Gerade in der Belletristik geht es darum, zu unterhalten, nicht primär zu belehren und den Leser auf die Schulbank zu zwingen. Erklärungen kann man natürlich geschickt in den Fließtext einstreuen, durch Beschreibungen diverse Praktiken illustrieren und Wissen vermitteln. Aber gerade in sehr politischen oder juristisch angehauchten Texten Marke Grisham oder Clancy mag es schwierig erscheinen, den Leser nicht zu sehr zu belehren oder aber mit Fachwissen zu überschwemmen. Hier könnte man natürlich argumentieren, dass entsprechende Genres eben ein entsprechendes Publikum haben, das mit dem Vokabular oder den geschilderten Umständen vertraut ist. Aber der Büchermarkt und die dort repräsentierten Genres existieren nicht getrennt voneinander; einen Grisham haben sicherlich hunderte oder tausende von Lesern verschlungen, die keinerlei Ahnung vom Rechtswesen (in den USA) haben. Man kann also nicht einfach eine Käseglocke über den Text stülpen und meinen, er würde ohnehin nur von denen gelesen werden, die ihn sicher irgendwie verstehen.

Ich erinnere mich, vor Jahren ein Robin Cook Buch gelesen zu haben und mich irgendwann überfordert von den medizinischen Termini gefühlt zu haben. Zu fachspezifisch, fast schon zu unnahbar für den Leser. Der Belletristikautor schreibt keine Fachbücher, sondern sinngemäß "schöngeistige Literatur". Ich glaube, es fällt Autoren, deren Tätigkeitsbereich vor dem Beginn der Autorenkarriere andernorts angesiedelt war, schwer, dieses Wissen als nicht selbstverständlich anzusehen. Natürlich sind übermäßig lange Erklärungen ermüdend und bremsen den Fluss einer Story aus, aber den Leser kann man andererseits auch nicht völlig im Dunkeln stehen lassen.

Wieder einmal bietet sich die goldene Mitte an. Aber wie sieht sie aus? Und merkt man als Autor selbst, dass man über die Stränge schlägt? Gut, dass professionelle Autoren immer noch die lieben Korrektoren und Lektoren haben, die sich ihrer annehmen. Im Fanfictionbereich sieht das schon mal anders aus, da nicht jeder einen Beta hat, der zudem noch ein Auge für solche Angelegenheiten hat. Balance ist wie so oft das Ideal, aber jeder, der schon mal auf einer schmalen Brüstung entlang gelaufen ist, weiß, dass es manchmal schwierig sein kann, das Gleichgewicht zu halten.

In diesem Sinne, macht euch einen schönen Abend und vergesst nicht, morgen früh an der Uhr zu drehen!

Stoffi

Freitag, 23. Oktober 2009

In medias res


In der Welt des Schreibens gibt es unglaublich viele verschiedene Techniken und Stilmittel. Auf reiner Hobbyebene wird man wohl nie in den Genuss kommen, alle auszuprobieren. Kreativität bedeutet für mich Experimentierfreudigkeit. Nicht nur was Genres und Stilmittel angeht, sondern auch Erzählstrukturen. Wenn man nun aber schon eine ganze Weile schreibt, kommt man nicht umhin, einen gewissen Trott entwickelt zu haben, eine spezielle Strategie, das Pferd aufzuzäumen.

Was ich interessant und einen Versuch wert empfinden würde, ist im Titel des Beitrags impliziert: eine Geschichte zu schreiben, die mittendrin oder gar am "Ende" anfängt. Jaja, jetzt mag einer andeuten, dass ich das im Blutigen Handwerk schon mal getan hab, aber das war schließlich nur eine Frage des Prologs. Kann man eine Geschichte erzählen und dem Leser nur über Flashbacks und kleine Häppchen wissen lassen, was die Vorgeschichte der Charaktere oder die vorangegangenen Ereignisse betrifft? Ich stelle es mir ehrlich gesagt schwierig vor. In gewisser Weise ist jeder "Anfang" irgendwo aus einer Mitte herausgegriffen, da man für gewöhnlich keine Charaktere aus dem Nichts herausstanzt, sondern jeder von ihnen eigene Erfahrungen/Erinnerungen gesammelt hat. Dennoch ist die klassische Variante des Erzählens recht linear; wir werden einer Welt mit ihren Charakteren vorgestellt, folgen ihnen auf einem oft langen und hindernisreichen Weg, ehe sich der Kreis der Erzählung schließt. Greift man jetzt aber theoretisch gesehen inmitten des Geschehens in die Handlung ein, muss sich der Leser doch ein bisschen wie beim Fernsehen vorkommen, wenn er während der Werbepause durch andere Programme zappt und bei einem Action-/Schmacht-/Slapstickstreifen hängen bleibt.

Die Frage ist, ob sich der Leser darauf einlassen will, buchstäblich ins kalte Wasser geworfen zu werden, oder ob Leseverhalten wie viele Erzählformen doch eher traditionsgebunden sind. Das ist das Ulkige an Kreativität. Einerseits der Drang, sich an Neuem zu probieren, andererseits die Vorsicht mit dem Bruch mit Konventionen.

Auch "At First Flight" ist relativ linear erzählt. Natürlich gibt's hier und da Rückblenden, aber nicht zu üppig. Bei "ZeitLos" hingegen sind es die Subplots, die durchaus Verwirrung stiften könnten, weil sie einige Sprünge in der Erzählstruktur beherbergen. Ich glaub aber, dass ich meine Geschichten sehr schlecht selbst einschätzen kann. Ich bin in der Position des Hobbyautors, ich kann mir lediglich ein Bild von einem idealen Leser machen, den es wohl nicht gibt. Wie es mit vielen Experimenten der Fall ist, kann man ganz schnell damit auf die Nase fallen. Aber wo bliebe denn da der Spaß, wenn im Geschichtenspinnen kein Risiko eingebunden wäre?

Ich hoffe, ihr kommt gut ins Wochenende!

Stoffi

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Reanimation


Mit einem Auge spähe ich immer mal wieder in die Archive, in denen ich veröffentliche, um natürlich auf dem aktuellen Stand der Dinge zu bleiben, was sich in Sachen Reglement oder Neuerungen so tut. Die letzte große Veränderung gab es auf FF@OBL mit der Kategorieerweiterung, um dem Archiv neues Leben einzuhauchen. Jetzt sind schon ein paar Monde ins Land gezogen, aber viel getan hat sich nicht. Da stellt sich doch die Frage, was man als Archivleiter tun kann?

Man kann glaube ich nicht behaupten, dass es an der Beteiligung von Autoren liegt, denn wir posten recht fleißig zu diversen Schauspieler- und Filmkategorien. Was auffällt, ist, dass das Publikum nicht reagiert. War in gewisser Weise abzusehen. Um es bildlich auszudrücken: Man kann einem strengen Vegetarier nicht mir nichts dir nichts ein (blutiges) Steak vorsetzen, man kann nicht erwarten, dass er davon kostet und begeistert ist. Ähnlich verhält es sich mit der Filmkost, schwant mir. OBL war bislang ein auf Orlando Bloom konzentriertes Fanfiction Archiv, sprich, es beinhaltete FFs zu seinen Rollen als auch zur realen Person. Orlando Bloom ist im Moment aber offenbar so angesagt wie ein Schneesturm im Hochsommer, weswegen die Beteiligung von Leser- und Autorenseite her sichtlich nachließ. Es ist nur logisch, dass ein Schritt in Richtung Erweiterung unternommen werden musste und mit dem absoluten Teeniemagneten Twilight/Bis(s) hat man eigentlich mit einer regelrechten Flut an neuen Geschichten gerechnet. Aber wenn's unterm Strich zwei waren, ist das schon das höchste der Gefühle.

Autorenaktivität hängt immer in gewisser Weise mit Leseraktivität zusammen. Sicher obliegt es dem Individuum, ob es Updates bringt, selbst wenn die Leserbeteiligung absolut stagniert ist, aber wenn ein Genre nicht gut aufgenommen oder unterstützt wird, werden es Autoren künftig meiden, ihren Senf in diesem Bereich hinzuzugeben.

Ich möchte hier nicht kritisieren, denn es ist eine verzwickte Situation, aber was mir unter anderem auffällt, ist die schläfrige Mentalität des Teams. Der Ruf nach neuen Kategorien war schon Anfang des Jahres da, erst im September hat sich allmählich was getan; mehrere Autoren vermerkten, dass eine allgemeine Filmkategorie Nährboden für ihre Geschichten wäre, aber auch da hat sich das simple Hinzufügen einer Kategorie um Wochen hingezogen, die Diskussionen um ein Wettbewerbsthema hält seit Wochen an, einige sehr interessante Vorschläge kamen von den Nutzern, aber mehr als ein "Wir denken drüber nach" passiert derzeit nicht. Ich weiß, dass jeder ein Leben außerhalb des WWW hat, mir geht es doch selbst nicht anders, aber gerade wenn einen das reale Leben derart einnimmt, dass man mit den Entwicklungen im eigenen Archiv nicht mehr mithalten kann, wäre es zumindest für mich ein Grund, meine eigene Arbeit zu überdenken. Verantwortung übernehmen die Wenigsten gern, daher wird sich niemand gern um einen Posten als Admin oder Moderator oder was weiß ich reißen. Das ist mir bewusst. Aber irgendwas muss passieren, denn der Eindruck, dass alles immer mehr einschläft, verstärkt sich, und das liegt nicht immer nur an der allgemeinen Situation in den FF-Genres. Vielleicht ist das Archiv auch Opfer seiner eigenen Bürokratie geworden, wer weiß. Dass viel Arbeit dahinter steckt, so ein Ding am Laufen zu halten, ist mir bewusst, aber wenn andererseits auf klare Impulse nicht ausreichend reagiert wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis alles wieder in alte Muster zurückfällt.

Ein schwieriges Thema, wie ich finde, und um es noch einmal zu betonen: ich kritisiere hiermit niemanden. Ich überlege nur, was man machen kann, um Archive zu reanimieren. Mehr als posten kann ein Autor nicht, mehr als Lesen und kommentieren/kritisieren kann ein Leser nicht. Was also können alle übrigen Beteiligten?

Nur ein paar Gedanken zu einer Sache, die mir schon seit einer Weile durch den Kopf geht.

Macht euch einen schönen Nachmittag!

Stoffi

Dienstag, 20. Oktober 2009

QUALität


Vielleicht kommt es nur mir so vor, aber ich hab das Gefühl, dass jetzt, so gut ein Jahr nach dem absoluten Dark Knight Hype gerade wieder eine "Der Joker ist sooo süüüß" und "eigentlich ist er ja gar nicht so schlimm, er hat auch eine weiche Seite" aus dem Ei gepellt wird und von diversen Neuzugängen im Fandom verkörpert wird. Ich beschwere mich nicht, es ist immer schön, wenn ein Fandom nach anfänglichem Einstauben doch wieder ins Leben zurückgerufen wird, aber die Art und Weise WIE das geschieht, gefällt mir gar nicht. The Dark Knight hatte ein FSK 16 und irgendwie wünscht' ich mir, dass einige Zuschauer des Films diese Altersbegrenzung berücksichtigt hätten. Noch besser wär's allerdings, wenn es ein FSK fürs geistige Alter gäbe, denn es ist denke ich unfair, alle jungen Autoren/Leser über einen Kamm zu scheren und ob ihrer Begeisterung für diverse Fandoms zu belächeln. Aber es gibt halt leider einen Grund, warum Alter in Sachen Fanfiction Schreiben und Lesen stereotypisiert wird. Alles hat irgendwo seinen wahren Grund. Ich kritisiere keine Texte öffentlich und zeige nicht mit dem Finger auf diverse Ergüsse, die meine Fußnägel in die Vertikale zwingen, aber ich finds doch n bissl erschreckend, dass es gerade die OOC und Lovestories mit dem Joker sind, die (für TDK Verhältnisse) viele Reviews bekommen. Ehrlich gesagt hält sich da meine Begeisterung, mit einem Update aufzuwarten, in Grenzen. Ich hab TDK nie als Teenie-Format angesehen, den Joker nicht als Sexsymbol, den man ansabbert und um den man wilde erotische Fantasien spinnt. Aber irgendwie werd ich das Gefühl nicht los, dass genau das allmählich Einzug hält und nein, es gefällt mir nicht. Ist persönlicher Geschmack, ich drehe keinem einen Strick, wenn er gern derartige Formate inhaliert, aber ich finds nun mal nicht besonders...nun ja...fair dem Original gegenüber.

Ganz zu schweigen davon, dass es mir auf den Keks geht, wenn ich jetzt schon e-Mails mit dem Hinweis bekomme, dass jemand, der mir einst Zwei-Zeilen Reviews schrieb, eine Geschichte online hat und ich die doch gefälligst lesen und kommentieren soll. Sorry, aber das ist nicht nur unhöflich, das ist auch verdammt arm. Erinnert mich an das Bild vom bettelnden Autor, der mit Stock und Hut von Mann zu Mann geht, um um Reviews zu bitten. Ehrlich Leute...könnt ihr darauf stolz sein? Wenn ihr wisst, dass ihr Feedback nur dem Umstand zu verdanken habt, dass ihr andere Leute penetrant mit der Nase auf eure Geschichten stoßt? Ich kann mich über so ein Feedback nicht freuen und daher praktizier ich sowas auch nicht. Und ehrlich gesagt stoßen mich derartige "Einladungen" eher ab, als dass sie mein Interesse wecken.

Ich bin müde...und ich bin es leid, in so einem Kreis zu veröffentlichen. Zeitlich siehts für ein Handwerk-Kapitel diese Woche schlecht aus, aber ich denke, ich bekomme Scar Tissue mal wieder hin. Zumals da keine Reviews zum Beantworten gibt ;)

Das wars auch schon von meiner Seite aus. Macht euch nen schönen Abend!

Stoffi

Montag, 12. Oktober 2009

Ausgelutscht


Es bricht diese herrlich atmosphärische Zeit zum Schreiben an, im Herzen des Herbstes, und ich bleibe nicht ganz davon verschont. Bester Ausdruck hierfür ist wohl mein neues Layout, in stimmungsvollem Orange gehalten für das kommende Halloween-Fest. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber in dieser Zeit des Jahres juckt es mir immer besonders in den Fingern. Hunderte Ideen strömen auf mich ein, von denen ich mindestens 4/5 schon im selben Moment wieder verwerfe, aber kaum eine unter ihnen ist wirklich originell.

Eine Gruselgeschichte zu schreiben, weil Halloween naht, eine Weihnachtsgeschichte für den Dezember im Sinn haben...das ist glaub ich schon eine so abgegriffene Routine, dass Ergebnisse aus solchen Gedankenspielen selten innovativ genug sind, um im Gedächtnis des Lesers kleben zu bleiben. Oder? In Sachen Film geht es mir immer so, dass ich besonders in Herbstzeiten, wenn's draußen ungemütlich und stürmisch wird, Lust hab, einen atmosphärischen oder gruseligen Film zu schauen. Neulich war Sleepy Hollow dran, The Nightmare Before Christmas liebäugelt jetzt schon mit mir. Nennt es visuelle Stimulation, aber es fördert meine eigenen mehr oder weniger kreativen Gedanken, ist irgendwie Schlüsselreiz, etwas Unheimliches zu schreiben. Letztes Jahr war das mehr als passend. Im Oktober saß ich noch fleißig an den ersten Kapiteln von Scar Tissue und das ein oder andere Element, wie z.B. die Halloweenparty hatte ich schlichtweg meiner Herbst-Laune zu verdanken.

Aber...besteht denn noch "Bedarf" für solche Geschichten? Ich meine jetzt nicht Dark Knight, sondern generell das Genre. Oder ist es schon ausgelutscht, wie im Moment so schön auf FF@OBL in Sachen Contest-Thema diskutiert wird? Schwer zu sagen. Nicht jeder Markt ist berechenbar, und die Fanfiction-Ecke erachte ich in gewisser Hinsicht als solchen; als Umschlagplatz für Fiktion. Welche Themen sind in dieser Saison in? Steht man immer noch auf Traditionelles? Ich glaube, so viele Macken die Leserwelt auch hat, aber gewisse Trends sterben allmählich aus. Die Mary-Sue ist längst nicht mehr so populär in der FF-Welt wie noch zu ihrer Sternstunde vor einigen Jahren. Natürlich ist das auch abhängig von der Zielgruppe und deren Alter und Interesse an diversen Fandoms. War gestern noch Legolas Objekt der wildesten Sue-Fantasien, ist es nun ein glitzernder Vegetariervampir.

Vielleicht ändern sich auch gar nicht die Bedürfnisse des Lesers, vielleicht verschieben sie sich auch nur. Möglicherweise ist eine Halloweengeschichte gar nicht so abwegig, man muss sie nur ins dicht gefüllte Vampirgenre schmuggeln. Oder eine herzerweichende Weihnachtsgeschichte rund um ein neues Sabberobjekt stricken. Oder aber man verzichtet ganz auf Fanfiktion und versucht sich an den Originalen. Allerdings weiß ich nicht, wie abgetragen Standardthemen wie diese dort sind. Wäre mal ein Querlesen wert, sozusagen im Sinne der Marktforschung. Bevor Fragen aufkommen - nein, ich schreibe gerade keine Halloweenstory und auch keinen Weihnachtskitsch, aber muss gestehen, dass meine Muse sich gerad von Impressionen mästen lässt. Nun ja, solange es ihr wohl bekommt, lass ich sie machen.

Viel Spaß euch, was auch immer ihr gerade schreibt :)

Stoffi

Sonntag, 11. Oktober 2009

Abgeblogt


Asche auf mein Haupt, ich vernachlässige mein kleines Plaudereckchen wirklich drastisch in letzter Zeit. Das liegt nicht daran, dass mir die Themen ausgehen oder ich nichts von der Schreibfront zu berichten hab, ich hab lediglich viel zu tun und ehrlich gesagt dieses Blögchen fast schon vergessen. Aber nein, soweit kommt's nicht; ich pflege das Dingelchen schon seit knapp einem Jahr (zumindest an diesem Ort) und bin froh, dass es wächst und gedeiht, auch wenn Leser wie auch Interessen kommen und gehen...das ist glaub ich der Lauf der Dinge; nichts bleibt auf ewig in Stein gemeißelt. Ich ertappe mich in letzter Zeit dabei, meine Updates ein bisschen schleifen zu lassen und das tut mir sehr leid. Bevor jetzt einer spekuliert und meint, das läge an der Abstinenz der Leserschaft, der irrt sich. Mir fehlt im Moment die Zeit, mich mit Updates und Veröffentlichen zu beschäftigen, weil's ja doch nicht in fünf Minuten getan ist. Alles formatieren, Reviews beantworten (haha, als ob mich das noch überfordern könnt :P) und den Zeitplan im Auge behalten. Ich muss sagen, ich habs letzten Donnerstag zwar ohnehin nicht vorgehabt, ein Kapitel zu posten (zumal ich Stormy immer noch zwei Antworten schuldig bin), aber ich hätte es wohl bei allem Herumgewusel ohnehin vergessen.

Schreibtechnisch bin ich dennoch nicht untätig. Natürlich kann ich nicht mehr so viel Zeit und Energie investieren wie noch vor ein paar Wochen, aber es ist ein entspannender und notwendiger Ausgleich für mich, den ich sehr genieße. Auf Wordcounts geb ich nichts, muss ich sagen. Ich steh nicht drauf, mich unter Druck zu setzen, wenn schon 90% meines restlichen Tages genau daraus bestehen. Robyn und Finn kommen sich allmählich näher und es ist irgendwie stimmungssteigernd, wenn sich das Wetter draußen allmählich dem im Text angleicht. Im Moment muss ich mir sogar auf die Finger klopfen, keinen Weihnachtstext zu schreiben. Schlimm ist das, es sind noch 2 1/2 Monate hin, aber der Weihnachtsflair liegt (nicht zuletzt Dank des Massenkonsums) schon in der Luft. Mich verzaubert diese Zeit immer wieder aufs Neue, weil sie schöne Assoziationen weckt. Allerdings sind Weihnachtsgeschichten genauso abgedroschen wie Schnulzen. Hilfe, ich fürchte, ich entwickle mich doch zu einem Arzt-Roman-Pseudo-Autor *hust* na ja, was solls. Wenn ich mich schon den ganzen Tag mit intellektuellem Quark herumschlage, möchte ich wenigstens in meiner Freizeit n bisschen Weichspüler haben. Was hoffentlich nicht heißt, dass es qualitativ unter aller Sau sein und vor Klischees nur so strotzen wird. Ich hab nach wie vor noch Würde in mir *lach*

Wundert euch bitte einfach nicht, wenn ich nicht mehr den strengen Rhythmus bei den Updates einhalte. Das ist nicht Absicht, sondern vielmehr Verpeiltheit meinerseits. Und ich denke, so wirklich tragisch vermissen wird mich eh keiner auf der FF-Spielwiese. Da ist ja schon seit Monaten die Luft raus. Zumindest für mich. Entweder mach ich was falsch, wenn ich seh, WAS reviewt wird und was nicht; wahrscheinlich muss ich mich da wohl angleichen...oder aber ich bin andererseits nicht gut genug und muss härter an mir feilen. Für meine Dark Knight Babies fehlt mir dafür im Moment ehrlich gesagt die Kraft. Ich investiere meine Energie nach wie vor lieber in aktuelle Projekte und ich muss sagen...auch wenn weder Scar Tissue noch das Handwerk perfekt sind, sinds doch zwei der besten Geschichten, die ich je fabriziert hab (was nicht gerade für meine noch älteren Kamellen spricht *prust*). Dass diese Ansicht ein Publikum nicht teilt, das immer noch mein Erstlingswerk für supertoll hält, ist etwas, womit ich leben muss. Wichtiger sind für mich die Maßstäbe, die ich mir selbst setze, und ich ruh mich nun mal nicht gern auf Asbach Uralt aus, sondern versuch mich zu steigern. Eine neue Geschichte ist nicht automatisch Garant dafür, aber es ist ein Anfang. Und solange man immer noch schreibt, ganz gleich, wie laut oder stark das Echo ist, hat man das eigentliche Ansinnen dieses Hobbys nicht aus den Augen verloren.

Hach ja, ein bisschen was von allem heute...aber ich wollt nur sagen, dass es mich noch gibt!
Macht euch einen schönen Sonntag!

Stoffi

Sonntag, 4. Oktober 2009

Mythos Lesertreue


Ich finde es von Zeit zu Zeit faszinierend, in Reviews anderer Werke hineinzuschnuppern und einen Querschnitt in Sachen Leserschaft zu beobachten. Mancherorts liefern viele gleiche Gesichter ihren Beitrag in der Reviewsektion, oft auch storyübergreifend. Ist das Lesertreue, wie man sie von den "richtigen" Autoren und deren Fans kennt? Leser, die jeder Neuerscheinung entgegen fiebern und diese kaufen, selbst wenn sie Gefahr laufen, mit der Thematik nicht viel anfangen zu können oder enttäuscht zu werden? Und, was noch viel entscheidender ist - darf man als Autor so vermessen sein und diese Leser als Selbstverständlichkeit ansehen, kaum dass man sie erfolgreich "geködert" hat? Und kann man sich auf das kritische Auge jener etwas blind folgenden Leserschaft verlassen und davon ausgehen, dass Feedback nicht nur Schönfärberei ist?

Ich hab einige Genresprünge hinter mir. Manche Leser sind mir gefolgt, andere abgesprungen, wieder andere haben sich gelegentlich blicken lassen, oder auch neue Weggefährten haben sich einigen Geschichten angeschlossen. Aber kann man sich verlassen, dass das auch so bleibt? Ich wage mal ein ganz klares und vielleicht auch niederschmetterndes Nein in den Raum zu werfen. Es spielen einfach zu viele Faktoren in den Leseprozess mit ein. Man kann noch so begeistert vom Stil eines Autors sein, wenn die Thematik nicht meins ist, verliere ich irgendwann die Lust, weiterzulesen. Stil allein hält mich nicht bei der Stange, gleiches gilt für Handlung. Beides muss irgendwo stimmen, und es ist glaub ich nichts Neues, dass es unmöglich ist, den Geschmack aller Leser zu treffen. Interessen des Lesers spielen genauso mit hinein wie die des Autors; die wenigsten bleiben in einem Genre/Fandom hängen und gehen stattdessen das Risiko ein, damit Anhänger zu verlieren (bzw. dadurch vielleicht auch neue zu gewinnen). Der Leser ist keine Maschine, sondern hat ein Leben, hat Interessen, hat Pflichten.

So geht's mir momentan. So gern ich mal wieder gepflegte Fiktion lesen würd (sei's Romane oder Fanfictions), ich finde im Moment absolut keinen Draht dazu (was an den Unmengen von Forschungsliteratur liegen mag, die ich mir gegenwärtig einverleibe) und bin im Gegensatz froh, wenn ich in den Momenten, in denen ich Zeit habe, selbst schreiben kann. Trotz all dieser Argumente mag ich das Phänomen des "treuen (aber dennoch kritischen) Lesers" nicht zerreden. Es gibt sie und eigentlich könnte man sich eine Scheibe von ihnen abschneiden, denn sie haben auch keine 48h-Tage, sondern quetschen das Lesen oft noch in jede verfügbare Nische. Ich kann sowas nicht, so leid es mir tut. Das ist keine Frage der Einstellung, sondern der Beschaffenheit. Wenn mein Kopf zugepackt ist, fällt es mir schwer, das Lesen zu genießen, bzw. dann auch noch eine verwertbare Kritik dazu zu schreiben.

Was treue Leser angeht; sprich, solche, die mir über längere Zeit gefolgt sind, habe ich nicht viele vorzuweisen. Jaja, zeigt mir nen Vogel und deutet auf meine Reviewzahlen, aber das hat nichts damit zu tun. Genreübergreifend verglichen sind's die wenigsten, die wirklich viel mitgemacht haben *lach* Aber das ist nichts, worüber ich traurig sein müsste. Eher im Gegenteil. Ich freue mich, dass es sie noch gibt und bin dankbar, denn ich weiß, dass ich schon mal ne ziemliche fiktionale Achterbahn hinlege, der nicht jeder folgen kann oder folgen mag.

Was ich sagen will, ist...liebe Autoren...seht eure Leser nicht als selbstverständlich an oder geht gleich auf die Barrikaden, wenn sie zwei, drei Kapitel hinterher hinken. Freut euch darüber, dass sie manchmal die Zeit finden, sich mit euren Arbeiten zu beschäftigen und diese dann auch entsprechend entlohnen. Man freut sich vielmehr über Reviews, die man nicht voraussetzt; ganz gleich ob von bekannten oder unbekannten Gesichtern.

In diesem Sinne, macht euch nen schönen Sonntag!

Stoffi

Freitag, 2. Oktober 2009

Pun intended


Es gibt schon wirklich lustige Sachen, die man mit seiner Muttersprache anstellen kann. Ich glaube, die Quintessenz einer guten Story im Bereich Humor liegt darin, den Witz nicht nur mithilfe der Sprache zu übermitteln, sondern ihn schlicht und ergreifend darin zu verpacken. Ich habe gerade eine kleine Szene hier vor mir liegen zwischen Penny und Robyn, und die beiden sind eifrigst damit beschäftigt, sich gegenseitig die Worte im Mund umzudrehen.

Fragt mich nicht, wieso, aber ich könnte das ewig machen. Es macht einfach Spaß, alle Register zu ziehen und sich zum ein oder anderen Wortspiel hinreißen zu lassen. Hierbei meine ich nicht nur bloße Ambiguität, wie sie in Worten wie z.B. "Bank" stecken, sondern das Erforschen des eigenen Wortschatzes mithilfe von Spielereien. Welche Worte klingen ähnlich oder gleich (ich muss immer noch mit einem Grinsen dran denken, wie jemand einst steif und fest behauptete, "meat" und "meet" würde man ja doch unterschiedlich aussprechen, aber das könnten wohl nur die Kenner der Sprache - Schlaumeier offenbar mit eingeschlossen, der wohl übersehen hat, dass "meat" und "meet" Homophone sind, sprich, gleich ausgesprochen werden. Die unterschiedliche Aussprache verdankt man dann wohl eher dialektalen Einschlägen ;)), welche werden gleich geschrieben, welche kann man nur mithilfe des Kontexts eindeutig verstehen, usw. usf. Der Prozess des Schreibens erfordert nicht nur Kreativität in Sachen Handlungsaufbau einer Geschichte oder der Gestaltung diverser Szenen/Charaktere, sondern auch im Bezug auf Sprachgefühl. Ich halte es für unzulänglich, den guten alten "wie schreibt man ein Buch" Ratgeber rauszukramen und auf der Stilistik-Seite nachzuschauen, welche ausgefuchsten Stilmittel man denn ausprobieren könnte. Das kann letzten Endes nur konstruiert klingen. Die besten sprachlichen Effekte (ob Klang, Bild oder Humor) entstehen dann, wenn man sich dessen am wenigsten bewusst ist. Trotzdem macht das Spiel mit der Sprache oft den Reiz in einem Text aus, würzt ihn, verleiht den Eindruck, dass man weiß, was man da tut (selbst wenn das nicht der Fall ist *g*).

Man muss kein Scherzkeks sein, um das hinzubekommen, und Wortspiele zielen nicht immer auf Humor ab, sondern können dabei helfen, Gefühle zu transportieren (sei es z.B. die lautmalerisch dargestellte Kakophonie eines Weckerklingelns, die den Leser die Zähne knirschen lässt). Ich für meinen Teil mag Humor und würde ihn wohl vermissen, würde ich gänzlich auf ihn verzichten müssen. Selbst in meinen Dark Knight Stories gab es die ein oder andere amüsantere Anekdote, auch wenn der Humor in dieser Kategorie wohl eher dem Joker zuzuschreiben und demnach nicht jedermanns Sache ist :)

Wortspiele sind wohl eine kleine Kunst für sich, die die eigene Muttersprache am besten beherbergt. Wenn ich da so an einige Fehlübersetzungen aus dem Englischen denke...uh...mein Favorit, bei dem sich mir heute noch die Zehennägel hochrollen, ist die Übersetzung eines Rätsels in Stephen Kings "Glas" (Band 4 der Dunklen Turm Serie): "Wann ist eine Tür keine Tür? - Wenn sie ein Glas ist." Ich weiß nicht, wie es euch gerade geht, aber ich hab mich an dieser Stelle unglaublich doof gefühlt, weil ich den Scherz nicht begriffen hab. Bis ich dann das Ganze im englischen unter die Lupe genommen hab: "When is a door not a door? - When it's a jar (ajar)" Ouch. Eins steht fest: wenn man was nicht wörtlich übersetzen kann, sollte man nach einer Alternative im muttersprachlichen Repertoire suchen, und wenn es im Kontext passt, notgedrungen ein deutsches Wortspiel/Rätsel wählen. Vermeidet derartige peinliche Ausrutscher. Ein weiteres Leckerli ist auch aus nem King Roman, genau genommen aus "Cell" (aus mir unerfindlichen Gründen in Deutschland unter dem Titel "Puls" verlegt und wie auch das andere Wortspiel nicht von King stammend): "Assume makes an ass out of u and me."

Hach...ich kann mich total dafür begeistern, weiß auch nicht. Auch auf die Gefahr hin, dass ich euch damit unendlich langweile, aber ich finde es spannend, was man nicht alles mit der Sprache anstellen kann. Konstruieren kann man sowas glaub ich nicht, das muss einfach von allein kommen. Ähnlich gings mir bei diversen Schenkelklopf-Scherzchen bei Mad Season/Back 2 Good. Da kam's von selbst, wie zum Beispiel (auf die Gefahr hin, doofe Werbung in eigener Sache zu machen, was ich hiermit nicht beabsichtige, denn die Geschichte pausiert im Moment ohnehin) "Viggo, wie war's in Bartcelona?" Zur Erklärung reiche ich nur dieses kleine Bildchen nach.

Jaja, ich weiß, Kellerwitz, aber das hat auch seine Daseinsberechtigung. Was will ich mit diesem Eintrag sagen? Hm, weiß nicht. Vielleicht, dass Sprache nicht immer so bierernst ist, wie sie erscheint, sondern durchaus ihre spaßigen Seiten hat. Und ich bin sicher, ihr habt diese auf die eine oder andere Weise für euch selbst entdeckt.

Das war's heut von mir, habt ein schönes Wochenende!

Stoffi