Die Szene hat mich dazu bewegt, mal wieder den von Stormy aufgespürten Mary-Sue Test durchzuführen, weil es weitläufige Vorurteile gegenüber eigenen Charakteren gibt und der Grat zu einer klischeebehaften Protagonistin recht schmal sein kann. Ich finde es schwierig, einen interessanten Charakter zu schaffen, der auch noch glaubwürdig ist. Vielerorts geht die Tendenz dann doch eher zu einer dramatischen Hintergrundgeschichte der Heldin, die sie gefährlich nah an die Schwelle zur Sue schiebt. Klar, man will den Charakter interessant gestalten und den Leser mit dem Sonderbaren locken; aber da passiers schnell, dass man's übertreibt. Drama ja, Drama-Queen, nein danke. Zumindest, was meinen Geschmack betrifft. Kaum ein Charakter ist nicht durch seine Geschichte vorgeprägt oder gar traumatisiert und das ist auch richtig so; nur so entwickelt er Facetten und wird glaubhaft, indem er eine Vergangenheit vorzuweisen hat. Aber nicht jeder ist in nem kaputten Elternhaus aufgewachsen, nicht jeder ist Opfer eines Verbrechens geworden oder hat schwere persönliche Verluste erlitten, an denen er immer noch zu arbeiten hat. Was ich damit sagen will - gibts noch Normalos in Fanfictions oder sind sie schlicht und ergreifend nicht interessant genug?
Manchmal kann Normalität genauso sympathische und mitreißende Eigenarten haben wie eine bewegende Vergangenheit. Manchmal muss man das Ungewöhnliche nicht erst kreieren, sondern es vielmehr im Gewöhnlichen entdecken. Denn ist es schlussendlich nicht so, dass sich die meisten Charaktere eher dadurch gleichen, dass sie viel zu viel Drama in ihrem (meist noch sehr jungen!) Leben durchgemacht haben? Ist da ein etwas exzentrischer Normalo nicht eher die Ausnahmeerscheinung?
Hier muss man glaub ich auch beim Genre differenzieren. Gerade im Real Person Bereich liest man regelrecht heraus, wie diverse Autoren unbedingt die Suefalle umschiffen wollen, indem sie die normalste Person der Welt hinstellen, ein stinknormales Mädchen, das natürlich durch und durch bescheiden ist und KEINE Ahnung hat, welcher Star ihr da gegenübersteht, obwohl man entweder Kellerkind oder anderweitig von der Welt da draußen isoliert sein müsste, um IHN nicht zu erkennen ;) Das ist stellenweise schon wieder zu normal, zu 08/15, da kann man manchmal ne Schablone anlegen, so normal, dass Facetten flöten gehen und normal schnell langweilig wird. Jeder Mensch hat Ecken und Kanten und ich denke, die machen ihn gerade so interessant. Drama ist ok, nur sollte es in den Kontext passen. Wenn Drama nur da ist, um den männlichen Charakter in Verzückung geraten zu lassen und seinen Beschützerinstinkt zu wecken, letztlich die Sympathie aller anderen auf sich zu ziehen, dann ist irgendwie das Ziel verfehlt. Mal schauen, ob mir das bei Reverie gelingt, der Suefalle auszuweichen. Vieles ist sicher auch Ansichtssache und OCs haben eh öfters nen schweren Stand, aber ich geb mir Mühe. Mehr kann ich nicht machen.
Ich bin zudem ein bisschen erstaunt darüber, was für ein Gedankenkarussell "Maßgeschneidert" lostreten konnte. Bislang ist nur der erste Teil online, aber die Resonanz hat mich ehrlich gesagt überrascht; zumal die Idee nicht unbedingt die komplizierteste ist und ich einige neue Gesichter sehen durfte. Mal schauen, wie das morgen mit Teil 2 aussieht, an dem hab ich eben noch ein wenig Feinschliff betrieben. Erwartungen hege ich keine.
Dann steht in 2 Wochen endlich das WritersGet2Gether an, auf das ich mich schon tierisch freue. Eine kenn ich zumindest schon mal persönlich, hinter Blos werd ich mich also quengelnd und heulend verstecken, falls Stormy wirklich mit der Schnapspulle angerannt kommt, um mich damit zu verhauen. Ich ahne, dass es spaßig wird; ich freue mich auf viele neue Gesichter, verschiedene Meinungen zum Schreiben und bin sicher, dass wir viel Spaß haben werden. Und da fällt mir noch ein, dass ich noch etwas vorher erledigen muss. *muhahahaha* aber noch bleibt ja etwas Zeit. Auf jeden Fall erhoffe ich mir aus dem Treffen viele Eindrücke und Methoden in punkto Schreiben mitnehmen zu können. Ich stelle es mir auf keinen Fall als Selbstbeweihräucherungs- oder Schleichwerbungsrunde vor und hoffe, dass das die anderen Teilnehmer genauso sehen. Gespannt bin ich jedenfalls wie ein Flitzebogen.
Jetzt will noch ein Kapitel beendet werden. Kommt gut ins Wochenende!

