In einem früheren Eintrag habe ich ja schon einmal zur Debatte gestellt, ob Big Names, sprich Autoren, die sich großer Beliebtheit und Anhängerschaft erfreuen, gleichzeitig für außerordentliche Qualität stehen. Ich denke, es erübrigt sich, festzustellen, dass dem nicht so ist. Es ist ohne Frage eine Leistung, sich viele Leser zu angeln, denn das bedeutet zu einem gewissen Punkt, den Zeitgeist und den Nerv der Leser zu treffen, die im Bereich Fanfiction nicht unbedingt die anspruchsvollsten sind. Das ist keineswegs ironisch gemeint; da gehört meines Erachtens schon was dazu, der Masse das genau richtig verpackt zu bieten, wonach ihr beliebt. Wie aber verhält es sich, wenn man Träger eines Big Name ist, es aber gar nicht will?
Ich weiß nicht, ob ich ein Big Name bin oder jemals war, aber ich erlebe es häufig, dass Leser des Nicknames "Stoffpferd" sofortige Assoziationen zu meinen ersten beiden HdR-Großgeschichten schlagen. Diese erfreuten sich großer Beliebtheit und sind immer noch die beiden Geschichten, mit denen ich das meiste Feedback eingefahren habe. Aber - ich weiß genauso gut, dass es sehr dilettantische erste Schreibversuche waren. Ich meine...ich war 16. Geschrieben hab ich zwar schon vorher, aber in Sachen Fanfiction waren das meine ersten Gehversuche und mir sträuben sich heute noch die Nackenhaare, wenn ich an diverse Kapitel und Fehltritte denke. Ich schäme mich nicht für meine Anfänge, es ist irgendwo schön, die (hoffentlich eingetretene) eigene Entwicklung an den Geschichten nachvollziehen zu können, aber ich weiß, dass die Geschichten unglaublich gehypt wurden und ich ihnen einen gewissen...na ja..."Bekanntheitsgrad erlangt" ist vielleicht zu viel gesagt, aber dass doch einige diese Stories kennen. Big Names bringen Vorteile und Nachteile. Vorteil mag sein, dass man "bekannt" in gewissen Fandomkreisen ist, vielleicht öfter gelesen wird, sich nicht mehr einen Arm ausreißen muss, um gelesen zu werden. Solange der richtige Name dahinter steht, kann man glaub ich auch drei Seiten ausm Telefonbuch abschreiben.
Nachteile sind für mich da aber allerdings gehäufter. Man wird immer in Verbindung zu der Story gebracht, mit der einem der zweifelhafte Durchbruch gelungen ist. Im Positiven wie im Negativen. Da kann man noch so lange schreiben, da gibt es immer diesen Bezugstext, dieses rote Tuch, das die Erwartungshaltung von Lesern irgendwo beeinflusst oder sie vielleicht sogar abschreckt. Ich will gar nicht wissen, wie viele Leute eine Story lesen, weil ein Big Name dahinter steht, oder aber diese aus demselben Grund meiden.
Kann man aus seiner Haut heraus, wenn man unfreiwillig Träger eines Big Name geworden ist? Ich weiß es nicht. Ich habe keine Ahnung, wer in meine Geschichten reinklickt, weil mein Name dahinter steht, genauso wenig weiß ich, wer gerade das als Grund sieht, um nicht zu lesen/nicht zu reviewen. Aber was kann man tun, um diesen unfreiwilligen und dubiosen Ruhm von sich abzuschütteln? Versteht mich nicht falsch, es ist toll, viel gelesen zu werden, aber irgendwo im Hinterkopf bleibt immer die Frage, ob das alles gerechtfertigt ist und ob es des Textes wegen gelesen wurde oder weil man kein No Name ist.
Was also kann man tun? In erster Linie sicherlich schreiben, schreiben, schreiben, beweisen, dass es anders geht, dass man nicht mehr auf "Mary-Sue/Gary-Stu" Niveau herumdümpelt, dass man wandlungsfähig und flexibel ist, sich an verschiedenen Genres und Fandoms versucht, dass man sich nicht auf fadenscheinigen Lorbeeren ausruht. Ich hätte die Woge der Begeisterung ausnutzen können, hätte "Sonne über Ithilien" noch einen dritten Teil aufdrücken können, hätte damit wahrscheinlich viel Feedback kassiert und meinen zweifelhaften "Ruf" gefestigt. Aber ich habe es nicht getan und ich glaube, es war die richtige Entscheidung. Ein Plot wäre in jedem Fall drin gewesen, aber man muss erkennen, wenn es an der Zeit ist, weiter zu gehen, sich an etwas anderem zu versuchen und zu orientieren. Trotzdem klingt das Echo dieser alten Geschichten immer noch nach und ich hab das Gefühl, das mich nicht wenige für einen gehypten Autor halten. Vielleicht bin ich das auch, ich weiß es nicht. Fakt ist, dass ich es nicht sein will und ich glaube, das unterscheidet mich von gewissen Kollegen. Man kann aber noch so viel schreiben, sich noch so sehr wandeln wollen; die, die du einmal nicht überzeugt hast, geben dir nicht immer eine zweite Chance.
Man könnte sich ein Pseudonym zulegen, um zu testen, inwiefern man erfolgreich ist. Dafür büßt man natürlich lieb gewonnene, zum Teil sehr treue Leser ein, aber man ist ein noch unbeschriebenes Blatt, jemand, den noch keiner "kennt", dem noch keiner "Vorurteile" gegenüber hat. Man kann völlig neu ins Rennen gehen, wie es einem noch nicht einmal gelingt, wenn man mit altem Namen in ein neues Fandom wechselt, denn selbst da gibt es Leute, die deine "düstere" Vergangenheit kennen. Aber muss man wirklich zu nem Pseudonym greifen, um eine Chance zu haben, sich zu beweisen? Der Aufwand ist für etwas wie Fanfiction wohl zu groß, auch wenn es interessant wäre. Dann aber ist wieder die Frage, ob es nicht doch etwas gibt, was dich verrät oder ob du dann überhaupt gelesen wirst.
Oder man macht sich rar, legt eine Pause ein. Das Fanfictionrad dreht sich immer weiter. Es gibt immer neue Fandoms, neue Autoren, neue Hypes, neue Cliquen. Wenn man daraus ausbricht und zu einem Zeitpunkt wiederkommt, an dem man längst vergessen ist, kann man dann von null anfangen? Wohl nur, wenn man seine alten Geschichten löscht, seine Spuren im großen Fanfictionsandstrand verwischt.
Man kann wohl ein vorgefertigtes Bild nicht aus den Köpfen der Leser prügeln, muss sich damit abfinden, dass es Leute gibt, die dich nicht lesen, weil du nicht in den richtigen Fandoms unterwegs bist oder aber weil du ja nur ein gehypter Autor bist/warst. Ich finds schade, dass das Lesen und Schreiben von Fanfictions und das Reviewen auf eine sehr persönliche Ebene gehoben wird. Aber ändern lässt sich das wohl nicht. Es gibt genug Leute, die das Klischee halt erfüllen, die irgendwo auf der Stelle treten und dort bleiben, wo ihnen ein gewisses Ansehen sicher ist. In sehr wenigen Ecken wird noch um der Texte willen gelesen. Manchmal wünschte ich mir eine völlig anonyme FF-Welt, aber das ist nicht realisierbar. Allein schon, weil es FF-Dieben das Spiel vereinfachen würde und das Ego vieler Autoren zu groß ist, um darauf zu verzichten, seine Signatur unter jede Silbe zu setzen, die aus der eigenen Feder entsprang.
Vielleicht muss ich mich damit abfinden, was manch einer über mich denkt; solange ich nicht das gleiche denke und ich kontinuierlich an mir arbeite, beweise ich mir selbst, dass ich nicht für Anerkennung und Popotätschelei schreibe, sondern in erster Linie für mich selbst. Und solange ich mich selbst und meine Erwartungen nicht gravierend enttäusche, werde ich den Stift auch nicht niederlegen, ob nun Big Name oder nicht, ob gerechtfertigt oder nicht. Manchmal ist es das Beste, sich keine Gedanken um das Echo zu machen. Unterm Strich zählt, was man ruft.
Habt einen schönen Sonntagabend!
Stoffi